17-Jähriger war sofort tot Vermisster lag unter acht Metern Schutt

Das in den Trümmern am Kölner Stadtarchiv gefundene Todesopfer ist der 17-jährige vermisste Auszubildende. Er wurde anhand von Fingerabdrücken identifiziert. Die Feuerweht geht davon aus, den zweiten Vermissten in der Nähe zu finden.


Rettungskräfte bei Aufräumarbeiten am eingestürzten Kölner Stadtarchiv
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Aufräumarbeiten am eingestürzten Kölner Stadtarchiv

Nach Angaben der Ermittler schlief der 17-Jährige zum Unglückszeitpunkt. Er hatte um Mitternacht seinen Dienst in einer Bäckerei angetreten und seit Dienstag um 8.00 Uhr frei. Der junge Mann sei durch das einstürzende Haus "auf der Stelle getötet worden", erklärte ein Polizeisprecher.

Der Kölner Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff geht davon aus, dass der zweite Vermisste in der Nähe gefunden wird. Beide Personen hätten sich während des Einsturzes im Dachgeschoss des Gebäudes aufgehalten. Am Sonntagvormittag habe ein Leichenspürhund erneut angeschlagen.

KVB-Vorstandssprecher entschuldigt sich


Die Kölner Verkehrsbetriebe wollten am Wochenende keine Stellungnahme zu Problemen an der U-Bahnbaustelle Severinstraße abgeben. Nach Angaben von Vorstandssprecher Jürgen Fenske hat das Unternehmen ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren eingeleitet, um von neutraler Stelle die Unglücksursache klären zu lassen. Fenske entschuldigte sich jedoch am Sonntag (08.03.2009) bei den Angehörigen des 17-Jährigen für "das, was passiert ist". Der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld erklärte, es werde zur Zeit wegen Baugefährdung und fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt ermittelt. Drei verschiedene Gutachter seien zur Aufklärung der Ursache eingesetzt. Wann mit Ergebnissen der Ermittlungen zu rechnen sei, konnte Feld wegen "der schwierigen Lage vor Ort" nicht sagen.

Experte: Tragödie hätte verhindert werden können

Nach Einschätzung der Ingenieurkammer NRW hätte der Einsturz möglicherweise verhindert werden können. Die Risse im Stadtarchiv seien nicht auf ihre Ursache hin überprüft worden. Heinrich Bökamp, der Vizepräsident der Kammer, sagte gegenüber dem WDR-Magazin Westpol: "Das grenzt an Schlamperei." Der Geotechniker Josef Steinhoff kritisiert: "Man hätte die Qualitätsstandards bei einer solchen Baugrube höher gestalten können."

Sicherungsarbeiten werden fortgesetzt

Am Sonntag wurden auch die Sicherungsarbeiten fortgesetzt: Über dem Trümmerberg wird ein Schutzdach errichtet, das voraussichtlich am Dienstag (10.03.2009) fertiggestellt werden wird. Damit soll das wertvolle Archivgut vor weiterem Regen geschützt werden. Das bisher geborgene Archivgut ist nach Feuerwehrangaben in unterschiedlich gutem Zustand. Das Technische Hilfswerk überwacht die Unglücksstelle permanent, hat aber zuletzt keine weiteren Geländebewegungen festgestellt.

Ein Foto der Feuerwehr gibt unterdessen einen ersten Einblick in die Tunnelröhre der neuen U-Bahn. Laut Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff ist die Röhre durch den Einbruch von oben teilweise komplett mit Kies gefüllt worden. Von unten dringe nun Wasser in das Bauwerk, weil das Grundwasser nicht mehr abgepumpt werde. Ob und wieviel Beton in den Tunnel gelaufen ist, konnte Neuhoff nicht sagen.

Schramma reagiert bestürzt

Mit Bestürzung hat der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) auf den Fund einer Leiche unter den Trümmern des Kölner Stadtarchivs reagiert. "Damit sind die schlimmen Befürchtungen traurige Gewissheit geworden, dass das Unglück auf der Severinstraße Menschenleben gekostet hat", teilte er mit.

Leiter der Amalia-Bibliothek: "Dramatischer Verlust"

Für Michael Knoche, Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar, ist der Verlust des einzigartigen Archivguts in Köln eine "Heimsuchung von biblischem Ausmaß". Es sei nach dem Elbe-Hochwasser in Dresden und dem Brand seiner Bibliothek innerhalb weniger Jahre "ein neuer dramatischer Verlust unserer nationalen Überlieferung". Beim Einsturz des Historischen Stadtarchivs seien unwiederbringliche Unikate aus 1.000 Jahren Geschichte in den "Höllenschlund" gerutscht.


Stand: 08.03.2009, 17.03 Uhr