Interview zur Abstimmung bei Opel: "Pokerspiel um die Zukunft"
Von dem Angebot der Amerikaner wollten die Opelaner in Bochum nichts wissen. Deshalb haben sie am Donnerstag (21.03.2013) mit großer Mehrheit gegen den Sanierungs-Tarifvertrag gestimmt. Ihre Jobs werden sie jetzt wohl noch früher verlieren. Ein Interview über Trotz und wahre Gewinner.

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Schild auf dem Opel-Gelände mit der Aufschrift "Auf Wiedersehen"
Nach der Ablehnung des Sanierungsplans droht das Ende der Autoproduktion in Bochum bereits Ende 2014 und nicht erst Ende 2016. WDR-Reporter Jörg Steinkamp war am Freitagmorgen (23.03.2013) am Opel-Werk und hat die Stimmung eingefangen.
WDR 2: Jetzt haben alle Opelaner eine Nacht über diese Entscheidung geschlafen. Wie ist heute morgen die Stimmung bei Opel Bochum? Katerstimmung?
Jörg Steinkamp: Nun, man wundert sich. Nur das Wetter ist eisig, die Stimmung bei den Opelanern ist wirklich mehr als aufgehellt. Sie sind einhellig der Meinung: Das ist gut so, wir haben es richtig gemacht. "Wir zeigen's dem Amerikaner", hört man immer wieder. Denn sie hätten sich entscheiden müssen zwischen Pest und Cholera. Einerseits hätten sie einem Sanierungsvertrag zustimmen müssen, der über das Ende dieser Jobs in Bochum entschieden hätte. Oder – und das war die Entscheidung, die sie gefällt haben – sie haben gesagt: Wir kämpfen weiter. Man fühlt sich hier wie ein Gewinner.
WDR 2: Heißt denn das deutliche Nein in Richtung der Opel-Chefs, dass die Fahrzeugproduktion hier wirklich früher eingestellt wird? Diese Drohung stand ja im Raum …
Steinkamp: Und sie steht weiterhin im Raum. Dazu sind Opel und GM vertraglich verpflichtet. Es gibt ja einen Standortsicherungsvertrag. Das bedeutet, dass es bis Ende 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, und hier Autos gebaut werden. Alles darüber hinaus war "Goodwill", wie es GM immer bezeichnet hat. Aber es gibt im Ruhrgebiet eine schönen Spruch: Der Apfel ist noch lange nicht geschält. Wir sind mitten in einem Pokerspiel um die Zukunft dieses Werkes. Es kann durchaus sein, dass die Verhandlungen weitergehen.
WDR 2: Der Bochumer Werksleiter wird mit den Worten zitiert, dass er sehr bedauert, dass die Beschäftigten ein "attraktives Angebot" nicht angenommen haben. Wie festgefahren sind die Fronten? Wird es weitere Verhandlungen geben?
Steinkamp: Es ist durchaus so, dass die Opelaner mit einem gewissen Trotz entschieden haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die andere Seite des Verhandlungstisches mit genauso viel Trotz reagiert. Etwa: Hey, wir haben hier monatelang diskutiert, und wir hatten ein Ergebnis. Und das war eigentlich attraktiv. Hier sind persönliche Befindlichkeiten verletzt. Aber wenn der Rauch sich gelegt hat, kann es sein, dass weiter verhandelt wird.
WDR 2: Haben die Opelaner vielleicht mit ihrem Nein zu hoch gepokert?
Steinkamp: Das ist durchaus ein hoher Einsatz, der hier auf den Tisch gelegt wird. Alle anderen deutschen Standorte spielen ja mit in diesem Spiel. Nur haben sie nicht so harte Einschnitte zu verkraften. Es war also ein hoher Einsatz: Wenn dieses Spiel gewonnen wird, dann war das ein ordentliches Pokerspiel.
Das Interview führte Stefan Vogt.
Stand: 22.03.2013, 07.48 Uhr
Kommentare zum Thema (34)
letzter Kommentar: 23.03.2013, 09:11 Uhr
- Anonym schrieb am 23.03.2013, 09:11 Uhr:
- Macht diesen schon längst maroden Laden endlich dicht !Opel ist ein amerikanisches Unternehmen.Sollen sich doch Amis um diese überflüssigen und übertariflich bezahlten Fließbandarbeiter kümmern !
- trauriger Opelaner schrieb am 23.03.2013, 09:02 Uhr:
- @Ronny 22.03. 12:47 Uhr, @Opelaner aus Bochum ohne weitere Steuermilliarden sehe ich schwarz für unsere Arbeitsplätze. Frau Kraft wird uns sicher nicht unterstützen.Auch ich wünsche mir Herrn Rüttgers wieder zurück!
- Astra schrieb am 22.03.2013, 20:30 Uhr:
- Ich finde, das in diesem Forum teilweise sehr respektlos mit uns Opelanern umgegangen wird. Diese Leute sollen das erstmal mitmachen, was wir die ganzen Jahre aushalten mussten. Es war und ist immer noch Psychoterror vom übelsten. Wir haben die ganzen Jahre immer hervorragend gearbeitet, haben mittlerweile auf 34% unseres Lohnes verzichtet und uns als Mitarbeiter absolut nichts vorzuwerfen. Wir wurden belogen und um unser Geld betrogen. Deshalb bitte ein bisschen mehr Verständnis und Respekt für uns, unsere Situation und Entscheidung.
- @ Werner Günther schrieb heute, 17:47 Uhr: schrieb am 22.03.2013, 18:44 Uhr:
- Ja heult euch bei euren belgischen, nordkoreanischen, jemenitischen,kubanischen und venezuelanischen Genossen aus. Immer dieses Geplärre, wers nicht drauf hat kriegt n eure die Stunde und der ist zu teuer zum Dank für die milden Gaben, wählt ihr ja eh nur RotGrün. Der Opelaner wird n Taschentuch nehemn und weich fallen, weicher als alle Zypr. und kriegt noch Hartz IV in den Arsch geblasen aber n bissken früher als sonst, weil die Arbeitslosigkeit absehbar und die notwendigen Schritte nicht rechtzeitig eingeleitet wurden... Man musste ja zu Taschentuchmärschen aufbrechen und dem Genossen Ein ekel zuhören.
- Werner Günther schrieb am 22.03.2013, 17:47 Uhr:
- Leider verstehe ich nicht warum sie die Not der Opelaner Politisieren möchten?Aber wenn wir schon mal dabei sind,ja ich habe die SPD gewählt! Natürlich werde ich das auch immer wieder machen! Die Schwarz-Gelb Regierung ist doch Schuld daran das es in Europa eine nie dagewesene Finanzkriese gibt.Durch die nur auf Export ausgerichtete Politik gehen alle anderen Länder die ihren Bürgern einen Mindestlohn zahlen in die Knie.Belgien reicht Klage gegen Deutschland ein weil die Dumpinglöhne in Deutschland nicht mehr hinnehmbar sind! Mittlerweise ist der Binnenmarkt in großer Gefahr!! Mehr erzähle ich ihnen nicht,sonst werden sie mir zu schlau,und dann kaufen sie sich noch einen Doktortitel!!
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