Kirchliche Offensive gegen Missbrauch Von Opfern, Tätern und schlechten Geheimnissen

Von Susanne Schnabel

Die katholischen Kirche in NRW nimmt den Kampf gegen sexuellen Missbrauch auf. Tausende haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter werden in den kommenden Monaten geschult, um Kinder und Jugendliche vor Übergriffen bestmöglich zu schützen. WDR.de hat am Montagabend (01.10.2012) einen der ersten Kurse besucht.


Kursleiterinnen Ursula Hakes (links) und Martina Specker
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Profis übernehmen die Schulungen

Man begrüßt sich leise, einige blättern in Büchern gegen sexuellen Missbrauch, die auf einem Tisch ausgelegt sind. Die Stimmung ist angespannt. In Mönchengladbach lernen 25 Menschen erstmals das, was die Deutsche Bischofskonferenz vor zwei Jahren beschlossen hat: die gezielte Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen. Katecheten - Eltern, die Kinder auf die Firmung oder die Erstkommunion vorbereiten - nehmen im Pfarrraum der katholischen Gemeinde St. Johannes an diesem dreistündigen Kurs teil, einem der ersten in NRW.

Positive Rückmeldung


Gemeindereferent Roland Weber (links) und Pfarrer Michael Schicks
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Gemeindereferent Roland Weber (links) und Pfarrer Michael Schicks

Gemeindereferent Roland Weber, der die Erstkommunion 2013 koordiniert, hatte Bedenken, ob sich genügend Eltern als Katecheten zur Verfügung stellen. Für diese ehrenamtliche Aufgabe opfern die Katecheten sowieso viel Zeit - und nun kommt ein weiterer Pflicht-Kurs dazu. Bedenken hatte er auch, dass einigen das Thema peinlich sein könnte. "Ich bin positiv überrascht, dass dies überhaupt kein Problem war. Das führe ich darauf zurück, dass die Katecheten, die selber Kinder in diesem Alter haben, sehr sensibel bei der Materie sind", sagt Weber. Er geht allerdings davon aus, dass doch einige mit einem mulmigen Gefühl kommen, und möchte die Katecheten gemeinsam mit Pfarrer Michael Schicks bei diesem Kurs begleiten. Für die Teilnehmerin Claudia Münch steht fest, dass solche Maßnahmen wichtig und richtig sind: "Ich spüre eine Verantwortung den Kindern gegenüber, die mir anvertraut werden. Hier heute Abend zu sein, ist für mich kein Opfer, sondern eine Chance, mehr Sicherheit zu bekommen."

Erfahrene Referentinnen


Bei einem Gottesdienst haben Kommunionkinder ihre Kerzen mit Namen aufgestellt
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Kinder sollen sich in der Kirche sicher fühlen

Im Stuhlkreis haben alle Platz genommen. Die Diplom-Pädagoginnen Martina Specker und Ursula Hakes sorgen schnell für eine entspannte Atmosphäre. Schon nach wenigen Minuten wird herzlich gelacht, als sie fragen, wer an diesem Montagabend lieber zu Hause geblieben wäre, und sich eine ehrliche Teilnehmerin meldet. Die Referentinnen sind extra für diesen Kurs vorbereitet worden und bringen selber viel Erfahrung mit - durch Präventionsschulungen für andere Einrichtungen und die langjährige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Probleme sexueller Übergriffe kennen sie aus ihrer täglichen Arbeit.

Handlungsleitfäden für Laien


Kinder spielen mit einer kleiner Plastikfigur und Autos
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Vorsicht "Böser Onkel"? Hauptgefahr kommt nicht durch Fremde

Im Laufe der Schulung erfahren die Teilnehmer, wie Täterinnen und Täter vorgehen, in welcher problematischen Lage sich die Oper befinden und an wen sich die Katecheten wenden können, wenn sie einen Verdacht haben oder sich ein Kind offenbart. Die Kursleiterinnen betonen, dass Laien auf keinen Fall selber eingreifen dürfen, sondern die Verantwortung an geschulte Fachleute abgeben sollen. Die Referenten sind darauf vorbereitet, dass Teilnehmer selber Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben. Rein statistisch gesehen ist das sehr wahrscheinlich – nach Expertenschätzungen hat etwa jedes fünfte Mädchen und jeder zwölfte Junge sexuelle Übergriffe erlebt, meist in der Familie oder dem näheren Umfeld.

Täterinnen und Täter abschrecken


Ziel der Schulung ist es auch, Täterinnen und Täter abzuschrecken, indem sexueller Missbrauch offen thematisiert wird und klar ist, dass der Schutz der Schwachen höchste Priorität hat. "Immer mehr gucken hin, übernehmen Verantwortung und betroffene Kinder und Jugendliche können sich leichter an Erwachsene wenden. Der ein oder andere Täter zieht sich nach unseren Erfahrungen aus einem solchen Umfeld zurück", so Martina Specker. Allen Geschulten wird am Ende des Kurses eine Selbstverpflichtungserklärung zur Unterschrift vorgelegt. Darin erklären sie, dass sie von seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt Abstand nehmen. Außerdem verpflichten sich die Mitarbeiter zum Eingreifen, wenn sie von möglichen Übergriffen etwas erfahren, und werden auf die disziplinarischen und strafrechtlichen Folgen von Fehltritten hingewiesen. "Auch diese Unterschrift könnte möglicherweise Täter davon abhalten, Kinder zu missbrauchen", sagt Specker.

Kein Tabu-Thema


Kursteilnehmer bei einer Schulung für Katecheten
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Zielgruppengerechte Informationen

Die drei Stunden, da sind sich die Kursteilnehmer aus Mönchengladbach einig, waren kurzweilig und sehr informativ. Katechet Michael Franken begrüßt dieses Engagement der katholischen Kirche. Das Thema dürfe nicht mehr tabu sein. Die Schulung, sagt er, hätte die Teilnehmer mit anschaulichen Beispielen sensibilisiert und die Referentinnen hätten viele praktische Tipps gegeben, wie man sich in gewissen Situationen verhalten sollte. Franken: "Ich werde mir zum Beispiel den Satz merken: Die schlechten Geheimnisse darf man immer weiter erzählen."

Übrigens...
Susanne Schnabel

Der Sohn unserer Reporterin Susanne Schnabel geht im kommenden Jahr zur Erstkommunion. Bei einem Elternabend hat der Gemeindereferent die neuen Präventionsmaßnahmen erklärt, was einige Eltern neugierig gemacht hat. Unsere Reporterin auch. Sie alle wollten genauer wissen, womit sich die Katecheten in der Schulung beschäftigen.


Stand: 02.10.2012, 15.00 Uhr


Kommentare zum Thema (11)

letzter Kommentar: 04.10.2012, 07:53 Uhr

Unheiliger schrieb am 04.10.2012, 07:53 Uhr:
Mann mann mann! Es ist noch ein langer Weg für die Kirchen. Aber die Logik des Austrittes will mir hier gar nicht in den Sinn: auch wenn es gute Gründe dafür gibt! Nach dieser Logik müßten auch Sportvereinen die finanzielle Grundlage entzogen werden und was machen jene, bei denen der Missbrauch in der Familie stattfindet (95 % !!!) . Es ist doch gut, daß die Kirchen SO reagieren: und es wäre wirkliche Größe dies auch mal bei aller Kritik anzuerkennen. Es sein denn man führt eh einen Dauerkampf gegen alles Kirchliche!
(noch) katholischer Vater schrieb am 03.10.2012, 21:15 Uhr:
...kehrt doch erst einmal vor eurer eigenen Tür. Den unbestritten wichtigen Kinderschutz nunmehr innerhalb der katholischen Kirche gleichermaßen als Monstranz vor sich her zu tragen, mag inhaltlich zwar lobenswert sein, ist aber vor dem Hintergrund der zurückliegenden und unerträglichen Missbrauchsskandale einfach nur ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver, das nicht ansatzweise weder zur innerkirchlichen noch zur strafrechtlichen Aufarbeitung beiträgt und so lange das nicht stattfindet, kann ich meine deswegen bislang bewusst konfessionslosen Kinder nicht guten Gewissens katholisch oder evangelisch taufen lassen.
Solala schrieb am 03.10.2012, 14:58 Uhr:
....also wenn mein Kind zur Kommunion geht oder ich in irgendeiner anderen Form mein Kind in die Obhut der Kirche gebe muss ich definitiv damit rechnen dass es zu sexuellem Mißbrauch kommen kann....Also muss ich mich als Elternteil schulen lassen um schnellstmöglich Signale bei meinem Kind erkennen zu können...Für mich ist das verkehrte Welt... Die Kirche dämonisiert sich selbst indem sie die Möglichkeit eines Übergriffes nicht ausschließt sondern damit rechnet und somit Schulungen der ELTERN notwendig sind. DAS IST NACH MEINER ANSICHT EIN ARMUTSZEUGNIS, PEINLICH UND ERBÄRMLICH!
Horst41 schrieb am 03.10.2012, 12:06 Uhr:
Warum sollen sich Pädophile in Kirche und Lehre ändern? Erwartet sie doch ein strenges "Du, Du" Eine Versetzung in einen anderen Sprengel als Maximalstrafe! Hätte der/die Betroffene ein Hakenkreuz an die Kirchentür gemalt; dann wäre aber was los! Aber so......
Horst41 schrieb am 03.10.2012, 12:02 Uhr:
Tatsächlich ist die Abscheu in jedem Beitrag zu lesen. Obwohl in diesem Forum ja nun wenige schreiben! Tatsache aber ist, daß die Menschen rundum mitschuldig sind, daß die Kirche sich nicht bewegt und nur scheinheilig reagiert! Der Austritt ist ein Allheilmittel! Wer zahlt, fördert die Haltung der Kirche. In der Messe steht niemand auf und relativiert die Predigten, die ebenso scheinheilig daherkommen! Das Unverständnis seiner Gemeinde muß der Priester spüren und weiterreichen an seine Oberen! Aber auch der Staat spielt in die Hände dieser Kirchenleute, die sich nicht bewegen wollen. Wir, die Steuerzahler, sorgen für die Entlohnung der Kirchenfürsten. Nicht der Kirchensteuerzahler! Also kann der Staat, der zahlt, auch mal dazwischenfegen! Aber die Weicheier in der Politik wissen nur, wie sie Rentner und Arbeitslose schikanieren können. Darin sind sie perfekt!

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