Interview mit Loveparade-Ombudsmann Größtmögliche Hilfe geben

Im August 2010 wurde Wolfgang Riotte zum Ombudsmann für die Opfer der Loveparade-Katastrophe ernannt. Seit knapp zwei Jahren kümmert er sich um Verletzte und Angehörige. WDR.de sprach mit Riotte über tiefe Traumata und schnelle Hilfe.


Vertrocknete Rosen liegen im Unglückstunnel
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21 Menschen starben bei der Loveparade 2010, Hunderte wurden verletzt

Wolfgang Riotte kümmert sich. Er telefoniert und beantwortet Mails. Er vermittelt an Behörden und Anwälte, spricht mit Versicherungen, vermittelt Therapieplätze im Krankenhaus - und hört zu. Seit zwei Jahren ist er der Ombudsmann für Verletzte und Hinterbliebene der Loveparade-Katastrophe. Riotte war bis 2003 Staatssekretär im NRW-Innenministerium, anschließend - schon als Ruheständler - zwei Jahre lang Beauftragter des Ministerpräsidenten für die Reform des öffentlichen Dienstes.

WDR.de: "Ich möchte erreichen, dass sie die größtmögliche Hilfe erfahren. Nicht nur in finanzieller Hinsicht." Das war ihre Antwort, einem Monat nach der Loveparade-Katastrophe als WDR.de Sie über ihre Motivation gefragt hatte, trotz Ruhestand die Aufgabe als Ombudsmannn anzunehmen. Haben Sie das Gefühl, dass Sie helfen können?


Wolfgang Riotte: Ja, das gewiss. Aus meiner Sicht habe ich die größtmögliche Hilfe gegeben, aber ob das aus Sicht der Betroffenen ausreichend war, das müssen diese natürlich selber beurteilen.

WDR.de: Was sind die häufigsten Probleme, die in den knapp zwei Jahren an Sie herangetragen wurden?


Wolfgang Riotte
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Seit August 2010 arbeitet Riotte als Ombudsmann

Riotte: Es ging in den Anfangszeiten meist um die finanzielle Unterstützung. Aber auch schon um Therapie, also das Aufzeigen von Möglichkeiten der therapeutischen Hilfe. Die Frage nach Therapiemöglichkeiten wurde zunehmend zum Schwerpunkt. In den meisten Fällen waren es sogar Wünsche nach einer wiederholenden Therapie, weil mehrere vorhergegangene Versuche fehlgeschlagen waren von den Traumata zu befreien. Zum Schluss kamen auch immer mehr Probleme mit den Arbeitgebern hinzu. Es ist eine nicht geringe Vielfalt an Wünschen und Möglichkeiten, die mich in der Zeit beschäftigt haben.

WDR.de: Was haben Sie für einen Eindruck gewonnen: Wie geht es den Menschen zwei Jahre nach dem Unglück?

Riotte: Da sich viele nach anfänglichen Kontakten nicht mehr gemeldet haben, gehe ich davon aus, dass es ihnen besser geht - ich ihnen habe helfen können. Diejenigen aber, die sich wieder und wieder gemeldet haben oder sogar erstmals in den vergangenen zwei, drei Monaten, die sind teilweise in einem schlechteren Zustand. Es gibt einige psychisch Verletzte, die viele Krankenhausaufenthalte hinter sich haben und dennoch nicht geheilt sind. Das sind oft Menschen, die versucht haben, sich mit eigenen Mitteln zu helfen und feststellen mussten, dass sie damit alleine nicht fertig werden. Oder Menschen, bei denen der Arbeitgeber die Geduld verloren hat und bei denen im bisherigen Beruf kein Weiterkommen ist. Es ist aber seit ein paar Monaten spürbar weniger geworden.

WDR.de: Macht Sie das froh?

Riotte: Ja, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen bedeutet das, dass viele mit dem, was sie erlebt haben selber fertig werden. Auf der anderen Seite heißt das, dass die Einrichtungen gute Arbeit machen. Die Notfallseelsorge der evangelischen Kirche und die Organisation Loveparade Selbsthilfe tragen jetzt in erster Linie die Last der Bewältigung der Ereignisse.

WDR.de: Wie erleben Sie persönlich die Aufarbeitung der Katastrophe?

Riotte: Ich wünsche mir natürlich, dass der polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Teil ein wenig schneller ginge. Ich hätte mir zudem gewünscht, dass in Duisburg etwas schneller Verhältnisse eingetreten wären, die von den Betroffenen akzeptiert werden können. Ich weiß wenig darüber, was die Versicherung des Veranstalters inzwischen geleistet hat. Ich weiß nur, dass sie seit vielen Monaten in eine Schadensregulierung auf freiwilliger Basis eingetreten ist, aber ich kenne den Stand und die Ergebnisse nicht.

WDR.de: Wie lang "müssen" Sie als Ombudsmann noch weitermachen?

Riotte: Ich hoffe eigentlich, dass meine Tätigkeit bald nicht mehr nötig ist. Ich habe den Eindruck, dass sowohl bei der Notfallseelsorge als auch bei Loveparade Selbsthilfe viel geleistet wird, so dass es meiner Hilfe eigentlich nicht mehr bedarf.

Das Interview führte Jenna Günnewig.


Stand: 24.07.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 24.07.2012, 12:18 Uhr

Thomas schrieb am 24.07.2012, 12:18 Uhr:
Na ja, immerhin ist heute Jahrestag, und soo lange liegt das ja auch noch nicht zurück..
Iguana 2.0 schrieb am 24.07.2012, 11:14 Uhr:
Ich bin dieses Thema so leid!!!! 21 Opfer sowie deren Angehörige, die von den Medien immer wieder gern ins Sommerloch gestopft werden. Wie anstandslos ist das denn bitte?!
andrea schrieb am 24.07.2012, 10:02 Uhr:
Gott sei Dank hört das jetzt HOFFENTLICH bald auf. Ich kann es nicht mehr hören. Noch nie ist um viel größere Tragödien so ein Trara gemacht worden wie um diese 21 0pfer! Diese Penetranz, mit der immer wieder berichtet wird, empfinde ich als widerwärtig!
Anonym schrieb am 24.07.2012, 09:45 Uhr:
Thema erledigt