Machtwechsel bei Baukonzern ACS übernimmt Kontrolle bei Hochtief

Der spanische Großkonzern ACS hat am Donnerstag (12.05.2011) bei der Hauptversammlung von Hochtief die Kontrolle übernehmen. Vier Kandidaten, die dem Personalkonzept von ACS im Wege standen, zogen ihre Kandidatur vor der Abstimmung zurück.


Der Schriftzug "Hochtief" blättert von einer Regenjacke ab

Übernahme: Hochtief gehört jetzt zu ACS

Der bisherige Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp, der frühere Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel, Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson zogen ihre Kandidatur für das Kontrollgremium zurück. Die Manager hatten im Abwehrkampf des Konzerns gegen ACS (Actividades de Construcción y Servicios) wichtige Rollen gespielt und machten jetzt den Weg frei für die Spanier, die damit ihre Personalvorstellungen bei der Besetzung des wichtigen Aufsichtsrates umsetzen können.

Da lediglich knapp 70 Prozent der Aktienanteile bei der Hauptversammlung vertreten waren, hatte ACS mit mehr als 43 Prozent der Anteile eine sichere Abstimmungsmehrheit. Damit besteht kein Zweifel mehr an der von ACS am vergangenen Wochenende vorgelegten Kandidatenliste. ACS wird so im achtköpfigen Gremium mit vier Sitzen vertreten sein - doppelt so vielen wie bisher.

Außer diesen vier Aufsichtsräten wurden erwartungsgemäß ein Vertreter des Großaktionärs Katar und als "unabhängige" Aufsichtsratsmitglieder der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau, der frühere Finanzvorstand der Deutschen Börse, Thomas Eichelmann, und der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer in das Gremium gewählt. Wennemer wurde im Anschluss an die Hauptversammlung an die Spitze des Aufsichtsrats gewählt.

Als neuer Vorstandschef stellte sich am Donnerstag Frank Stieler den Aktionären vor. Er war bislang für das Europageschäft von Hochtief zuständig.

Befürchtungen bei Kleinaktionären

Die Wahl des von ACS vorgeschlagenen Aufsichtsrats markiere das Ende der Unabhängigkeit von Hochtief, klagten Aktionärssprecher. Mehrere Redner kritisierten den neuen Großaktionär und befürchten, dass Hochtief ausgeschlachtet werde.

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Detlef Bremkamp befeuerte in seiner Rede die Stimmung gegen ACS und charakterisierte das Unternehmen als wenig kompromissbereit. Mit Buh-Rufen quittierten einige der Aktionäre die Aussage Bremkamps, dass der Rückzug von Hochtief-Vorstandschef Herbert Lüttkestratkötter auf Druck der Spanier erfolgt sei.

Lütkestratkötters letzter Auftritt

Auch Lütkestratkötter bestätigte dies. Die Spanier hätten "sehr deutlich" gemacht, dass man einen Wechsel an der Spitze wünsche. Sichtlich bewegt nahm er den Applaus der Aktionäre entgegen. Dem Hochtief-Chef wird der Abschied mit einer Abfindung von mehr als vier Millionen Euro versüßt.

In seiner Rede hatte er Bezug auf das aktuelle Geschäft von Hochtief genommen. Er teilte unter anderem mit, dass die Hochtief-Tochtergesellschaft Concessions nicht en bloc, sondern in Einzelteilen verkauft werde: "Das Feedback aus den Investorengesprächen zeigt, dass wir den Verkaufserlös maximieren können, wenn wir einzelne Segmente getrennt veräußern." Hochtief wird seinen Worten zufolge deswegen zunächst nur das Flughafengeschäft veräußern, wobei es entweder direkt verkauft oder an die Börse gebracht werden soll. Die weiteren Bereiche, etwa die Mautstraßen, sollen später folgen. Finanzkreise halten einen Verkauf für wahrscheinlicher. Ein Börsengang von Concessions war 2009 gescheitert. Lütkestratkötter sagte weiter, Hochtief schaue sich in Indien und Kanada nach Zukäufen um. Gespräche gebe es bereits.


Stand: 12.05.2011, 19.54 Uhr