Bischöfin Antje Jackelén

Bischöfin aus NRW traut Schwedens Kronprinzessin

Mit Segen aus Herdecke

Stand: 18.06.2010, 00:00 Uhr

Es ist die Hochzeit des Jahres: Die Trauung der schwedischen Kronprinzessin Victoria mit Daniel Westling. Eröffnet wird die Zeremonie am Samstag (19.06.2010) im Dom von Stockholm von einer gebürtigen Herdeckerin - Antje Jackelén, inzwischen Bischöfin von Lund. WDR.de sprach mit ihr.

Die 54-jährige Antje Jackelén ist seit 2007 lutherische Bischöfin der südschwedischen Stadt Lund. Die gebürtige Herdeckerin hat unter anderem in Bielefeld-Bethel Theologie studiert. 1977 ist sie zum Auslandsstudium nach Schweden gegangen und dann nach eigenen Angaben dort "hängen geblieben".

WDR.de: Frau Bischöfin, wie kommt man denn zu der Ehre, die Trauung der schwedischen Kronprinzessin vollziehen zu dürfen?

Antje Jackelén: Der Hof hat vor einem Jahr angefragt, ob ich zusammen mit dem Erzbischof und zwei weiteren Geistlichen die Trauung übernehmen will. Der Gedanke war wohl, dass man da nicht vier männliche Bischöfe hinstellen kann, sondern zumindest auch eine Bischöfin dabei haben muss. Sonst wäre das schon ein sehr schiefes Bild von der schwedischen Kirche und der schwedischen Gesellschaft.

Dass die Anfrage an mich ging, hing auch damit zusammen, dass ich zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zu meinen Kolleginnen am längsten im Amt war. Es kam aber schon überraschend.

WDR.de: Was wird denn Ihre Aufgabe sein?

Jackelén: Ich werde einen Teil der Liturgie übernehmen. Der Erzbischof wird das Eheversprechen entgegen nehmen und auch die Trauansprache halten, und wir anderen drei teilen uns die Einleitungsworte, die Bibellesungen, die Fürbitte und den Segen.

WDR.de: Kronprinzessin Victoria wird ja von ihrem Vater zum Altar geleitet und nicht von ihrem zukünftigen Gatten. Wie finden Sie das?

Jackelén: Ich empfehle Brautpaaren immer den gemeinsamen Gang zum Altar. Erstens weil es schwedische Tradition ist, zweitens weil es Symbolcharakter hat. Wenn zwei Leute sich entschlossen haben, den Weg durchs Leben gemeinsam zu gehen, dann ist das eine gute Symbolhandlung. Und natürlich hat es auch mit Gleichberechtigung zu tun.

WDR.de: Ist denn die Trauungszeremonie ansonsten mit der in Deutschland zu vergleichen?

Jackelén: Es ist schon relativ ähnlich. Aber hier in Schweden ist die kirchliche Trauung auch die rechtlich gültige Trauung. Man braucht also nicht noch zusätzlich eine zivilrechtliche Zeremonie im Standesamt.

WDR.de: Sind Sie denn dem Brautpaar schon einmal persönlich begegnet?

Jackelén: Den Bräutigam habe ich noch nicht getroffen, aber der Kronprinzessin bin ich schon ein paar Mal bei öffentlichen Anlässen begegnet. 2008 hat sie zum Beispiel den internationalen und interreligiösen Klimagipfel, zu dem der Erzbischof der schwedischen Kirche eingeladen hatte, eröffnet, und das hat sie schon mit großem Engagement getan.

WDR.de: So eine königliche Hochzeit vollzieht man ja nicht alle Tage. Sind Sie schon ein bisschen nervös?

Jackelén: Eine Trauung ist immer mit ein bisschen Nervosität verbunden. Es ist ja auch etwas Großartiges, wenn zwei Menschen diesen Schritt tun. Deshalb gehört auch ein bisschen Nervosität dazu. Es ist immer toll, wenn Menschen einander ihre Liebe öffentlich erklären und dazu auch den Segen Gottes und die Fürbitte der Gemeinde erbitten.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.