Ausländische Kleinkinder besser eingliedern Erste "Kinderstube" in Dortmund

Von Claudia Kracht

Die Stadt Dortmund will ausländische Kleinkinder besser eingliedern. In der ersten "Kinderstube" können sich 25 Kinder auf die Schule oder den Kindergarten vorbereiten. Dabei steht neben Deutsch auch gemeinsame Elternarbeit auf dem Programm


Drei Jungen spielen im Kindergarten Spielhaus an einem Tisch mit Legosteinen
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Spielend besser Deutsch lernen

An der Dortmunder Grundschule "Kleine Kielstraße" kommen mehr als zwei Drittel aus Einwanderfamilien. Die meisten von ihnen sprechen in der ersten Klasse kaum ein deutsches Wort. Aus der Not geboren entwickelte die Schule zusammen mit dem städtischen Träger der Dortmunder Tageseinrichtungen "Fabido" ein Konzept, um benachteiligte Kinder zu fördern und schulfähig zu machen.

Kinder aus acht Nationen

Ahalan stürmt in die "Kinderstube", greift freudig zum Teddy und winkt ihrer Mutter noch schnell zu. Ahalans Mutter ist Marokkanerin. Sie geht direkt weiter zum Sprachkurs und kann die Kleine nicht mitnehmen. Jetzt hilft ihr Marnaz Nikpow. Sie ist Tagesmutter in der "Kinderstube" und betreut Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren aus acht verschiedenen Nationen. Die Eltern der Kinder wohnen alle in einer tristen Hochhaus-Siedlung in der Nordstadt. Die "Kinderstube" ist gleich im Wohnblock. Für Ahlans Mutter ist der Weg nicht weit - und wenn sie es mit ihren drei Kindern mal nicht schafft, klingelt die Tagesmutter und nimmt Ahalan gleich mit.

Kinder-Betreuung um die Ecke

In der Dortmunder Nordstadt mangelt es an Kindertagesstätten. Und genau hier setzt das Konzept der "Kinderstube" an: Betreuung in der Nachbarschaft. Auf drei Kinder kommt eine Erzieherin. Das ist Luxus - aber auch nötig. Täglich lernen die Kleinen hier zu zählen, deutsch zu sprechen, zu singen oder einfach nur zuhören. Aber auch die Eltern müssen lernen: nämlich ihre Kinder selbst zu fördern - und sich in der Gruppe über Erziehung, Ernährung oder einfach über das Leben in Deutschland auszutauschen. Für viele ausländische Eltern ist das ein erster Schritt aus der häuslichen Isolation.

Regeln helfen beim Lernen

Mittags stehen die Kinder diszipliniert im Kreis und singen ein deutsches Frühlingslied. "Noch vor zwei Monaten undenkbar", freut sich Marnaz Nikpow. Die Kinder hätten anfangs Erziehungsprobleme gehabt: Sie sprachen kaum deutsch und kannten keine Regeln. Seit sie in der Gruppe sind, lernten sie schnell; zum Beispiel zu teilen oder Rücksicht zu nehmen. Sie bringen auch die Tisch-Sprüche und Fingerspiele mit nach Hause, wiederholen sie dort und animieren die Eltern zum Nachmachen.

Ein Modell für NRW?

Der Delfin-4-Test NRW im vergangenen Jahr brachte es an den Tag: Von den landesweit rund 160.000 teilnehmenden Kindern hatte jedes Vierte sprachlichen Förder-Bedarf. Wie viele Kinder davon einen Migrantionshintergrund hatten, wurde laut Schul-Ministerium statistisch nicht erfasst. Sicher sei man aber, dass es in vielen NRW-Städten ähnliche Probleme gebe. In Dortmund jedenfalls plant "Fabido" noch weitere "Kinderstuben". Das Ziel: Bei der Einschulung sollen die Kleinen nicht nur besser deutsch sprechen. Sie sollen auch eine Chance bekommen für ihr Leben in Deutschland - gemeinsam mit ihren Eltern.


Stand: 15.04.2009, 02.00 Uhr