Ein glossierendes Glossar Integration leicht gemacht

Von Stephan Lennartz

Integration? Kein Problem! WDR.de verrät, worauf der Integrationswillige achten muss, um nicht in seiner Parallelgesellschaft zu versauern. Ein Urlaub im Bayerischen Wald kann da schon weiter helfen.


Der Ton wird schärfer, der Wind rauer, und das Boot ist sowieso bald voll. Höchste Zeit für alle, die noch reinwollen, sich wirklich ins Zeug zu legen. Wer Teil der deutschen Gesellschaft werden möchte, muss vor allem die Sprache beherrschen - und die Fallen scheinbar harmloser Begriffe erkennen.

Falle 1: Der Migrant

Der Ausländer, Gastarbeiter oder Asylant von ehedem heißt heute Migrant, und seine Kinder, die in Deutschland geboren wurden, sind Menschen mit Migrationshintergrund. Das klingt bedrohlich, denn "Hintergrund" ist wahrscheinlich nicht nur sprachlich nah dran am "Untergrund", und im Untergrund leben bekanntermaßen die ganz Bösen. Migranten begegnen wir auch in der Biologie, als Zugvögel etwa. Seit der Vogelgrippe ist deren Ruf leider ruiniert. Mit einem kleinen Trick allerdings lässt sich der Nachteil des Migranten in einen echten Integrationsvorteil umwandeln: "Migrant" heißt übersetzt "Wanderer", und das wiederum ist ein sehr schönes deutsches Wort und würde - wenn es so etwas gäbe - zum Wortschatz der deutschen Leitkultur gehören. Denn Wandern finden viele Deutsche toll, ob in der traditionellen Variante mit Wanderstab und Kniebundhose oder in der modernen Version mit zwei Stöcken und atmungsaktiver Sportkleidung.

Falle 2: Der Bildungsinländer

In vielen Statistiken taucht inzwischen eine neue Spezies auf - die Bildungsinländer. Damit gemeint sind Menschen mit Migrationshintergrund, die eine deutsche Schule besuchen bzw. besucht haben. Was auf den ersten Blick wie ein wichtiger Schritt in Richtung Integration erscheint, ist bei näherem Hinsehen die schiere Katastrophe. Denn in deutschen Schulen, das lehren die PISA-Studien, wird nicht viel gelernt, oder - das lehren die Medien - das Falsche, Stichwort Rütli-Schule. Wer was auf sich hält, sollte das Etikett Bildungsinländer vermeiden. Besser ist es, direkt auf die besuchte Schule zu verweisen, vor allem, wenn sie eine deutsche Geistesgröße im Namen führt. Wer eine Goethe-, Heine-, Kant- oder Einstein-Schule vorweisen kann, am besten noch in privater Trägerschaft, ist auf dem richtigen Weg!

Falle 3: Die Parallelgesellschaft

"Gleich und gleich gesellt sich gern", weiß ein deutsches Sprichwort. Was das Sprichwort verschweigt: Wer sich als Migrant ausschließlich mit seinesgleichen gesellt, hat ein Problem. Denn dann lebt er in einer Parallelgesellschaft. Und weil sich Parallelen niemals begegnen, wird der Migrant niemals in die richtige, die deutsche Gesellschaft aufgenommen. Einen Ausweg bietet das gezielte Vordringen in urdeutsche Erfahrungs- und Erlebnisräume: Feuerwehren und Schützenvereine, Kleingartenkolonien und Volkshochschulkurse, Kegelclubs und Klassenpflegschaftsversammlungen. Wegen der hinlänglich bekannten demografischen Probleme der Deutschen bieten sich dort überall jetzt gute Einstiegsmöglichkeiten!

Bei allen Integrationsbemühungen muss aber vor Übertreibungen gewarnt werden: Wer als Migrant seine portugiesische Putzfrau durch eine deutsche ersetzt und den polnischen Anstreicher durch einen deutschen Handwerker, demonstriert einen leichtfertigen, undeutschen Umgang mit Geld.

Falle 4: Die Heimat

Richtig kompliziert wird Integration beim Thema Urlaub. Denn eines ist klar: Wer einen türkischen Migrationshintergrund hat und allsommerlich rumerzählt, jetzt fahre er wieder für sechs Wochen in die Heimat, ist noch nicht wirklich in der Mehrheitsgesellschaft angekommen. Zwar aalen sich sommers auch viele Deutsche in der Sonne Antalyas, aber eben als Fremde. Mit türkischem Migrationshintergrund empfehlen sich stattdessen Ferien auf Mallorca (der Klassiker), in der Toskana (für Bildungsbeflissene) oder im Bayerischen Wald (für echte Heimatfreunde). Mit italienischem Migrationshintergrund dagegen ist der Urlaub in der Toskana tabu, aus Spanien Zugewanderte sollten sich von Mallorca fernhalten, können aber wiederum getrost in der Türkei urlauben.

Kurz und gut: Integration ist anstrengend, aber nicht unmöglich. Weitere wichtige Tipps und Informationen erhalten Integrationswillige beim deutschen Innenminister, in seinem A bis Z - von "Abschiebung" bis "Zurückweisung".


Stand: 14.06.2006, 00.00 Uhr