Erst der Test, dann der Pass Büffeln, schreiben und vergessen

Von Christoph Schurian

Wer deutscher Staatsbürger werden will, muss seit September einen Einbürgerungstest bestehen. Einen Monat nach der Einführung zeigt sich bereits, dass sich die Prüflinge leicht tun mit dem Test. Manchen Volkshochschulen sogar etwas zu leicht.


Einbürgerungstest
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Eine nachhaltige Vorbereitung auf den Test ist wichtig für die Einbürgerung

Ulrich Pätzold-Jäger konnte früher Feierabend machen als erwartet. Froh war er darüber nicht. "Der erste war ja schon in fünf Minuten fertig", ruft der Bereichsleiter der Volkshochschule Witten enttäuscht. Die langsamste Kandidatin habe auch bloß 17 Minuten für die 33 Fragen gebraucht. Nach pannenfreien Premieren in Olpe, Bergheim und Remscheid ist auch der erste Einbürgerungstest in Witten über die Bühne gegangen, reibungslos. Kein Wunder: "Ein bisschen erinnert das Verfahren an die Theorieprüfung für den Führerschein", sagt Pätzold.

Die Farben der Landesfahne

"Ja, es ist genauso wie in der Fahrschule", meint Gulnara Feldmann. Fröhlich steht die Frau aus Turkmenistan mit anderen Prüflingen vor dem VHS-Gebäude. "Es ist sogar leichter als Führerschein, wir haben alle Fragen im Internet üben können", sagt auch Magje Balke-Romero: "Ich musste beantworten, was die Stasi ist, wie die Fahne von NRW ausieht - Rot-Weiß-Grün", sagt die Frau eines Deutschen. Aber ihr Ehemann, der könne viele der Test-Fragen nicht richtig beantworten.

Besser reisen mit deutschem Pass

Der Reisepass ist auch Hanuvys Böttger aus Kuba ganz wichtig. "Ich komme aus einem sozialistischen Land", sagt sie. Wenn sie ihre Mutter auf Cuba besuchte, habe sie für die Einreise viel Geld bezahlen müssen, und trotzdem sei sie dort behandelt worden "wie ein Stück Müll". Mit dem deutschen Pass werde das anders sein, hofft sie. Dass Einbürgerungswillige sich testen lassen müssen, die Teilnehmer finden das richtig: "Man muss sich auch anpassen", sagt Gulnara Feldmann, sonst gebe es irgendwann nur noch Grüppchen und keine Gesellschaft mehr.

Nichts auf Dauer gelernt?

VHS-Mann Pätzold-Jäger ärgert sich über "eine verlorene Chance". Die Prüflinge würden sich nur punktuell für den Test fit machen."Ich moniere, dass die Menschen nicht an den Einbürgerungskursen teilnehmen". Die Volkshochschulen haben nicht nur das Monopol, die Prüfungen abzunehmen. Sie bieten auch exklusiv die 60-stündigen Vorbereitungskurse an. "Wir haben nur sechs Kursanmeldungen", sagt Pätzold-Jäger. Die 18 Testteilnehmer in Witten hätten sich nur zum Prüfungstermin angemeldet. "Die haben sich das Prüfungswissen reingebimst", klagt Pätzold-Jäger und vermisst Nachhaltigkeit. Die Neubürger bestünden zwar mühelos den Test. Dass sie aber langfristig etwas über das Grundgesetz oder die deutsche Geschichte gelernt haben, bezweifelt der VHS -Pädagoge.

Jeder Prüfungsbogen ist anders

Herr des Tests sind jedoch nicht die VHS, das ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Für jeden Prüfling wird dort ein anderer Prüfungsbogen erstellt. Aus mehr als 300 möglichen Fragen wählt ein Zufallsgenerator 33 aus. Auch das macht Pätzold-Jäger die Arbeit leichter: "Die können gar nicht abgucken, selbst wenn sie es wollten", erklärt er. Ausgewertet werden die Bögen auch in Nürnberg. Ergebnisse gibt es deshalb erst in einigen Wochen.

120 Tests bis Jahresende

Mittlerweile sind in NRW zehn Einbürgerungstests über die Bühne gegangen. Bis zum Jahreswechsel sollen hier rund 120 Prüfungen abgenommen werden. Auch der bundesweit erste Test fand in NRW statt. Die VHS in Olpe hatte sich am schnellsten gemeldet, erläutert Enrico Manthey vom Bundesamt für Migration. Im Sauerland ist auch das Ergebnis schon bekannt, und es überrascht kaum: Alle zwölf Teilnehmer haben bestanden.


Stand: 01.10.2008, 06.10 Uhr