Syrische Asylbewerber-Familie aus Herne Eltern und Kinder werden getrennt

Eine syrische Asylbewerber-Familie aus Herne wird entzweit: Die Eltern verlassen das Land noch im Oktober, ihre vier Töchter dürfen dagegen bleiben. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Stadt und Familie am Montagnachmittag (12.10.2009).


Ein Stempel mit dem Schriftzug Ausgewiesen über einem Formular
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Mit der Abschiebung droht auch das Einreiseverbot

Die Eltern hätten sich bereit erklärt, sich am 22. Oktober nach Syrien ausfliegen zu lassen, sagte Wolfgang Trieselmann, der Leiter des Herner Ausländeramtes, WDR.de. Das Paar kommt mit dieser freiwilligen Ausreise einer Empfehlung nach, die der Petitionsausschuss des Landtages in der vergangenen Woche ausgesprochen hatte.

Indem die Eltern freiwillig ausreisen, entgehen sie einer förmlichen Abschiebung. Damit bleibt ihnen nach Angaben Trieselmanns grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Familienangehörigen in Deutschland zu besuchen. Bei einer Abschiebung hätte dagegen ein Einreiseverbot gegolten. Außerdem wäre dann auch unklar gewesen, welchen Status die Töchter bekommen. Ihre Aufenthaltserlaubnis ist nach der gesetzlichen Vorschrift an die freiwillige Ausreise der Eltern geknüpft.

Asylantrag abgelehnt

Seit 2002 ist die Familie Dalaf in Deutschland, ihr Antrag auf Asyl wurde jedoch abgelehnt. Mehrere Jahre kämpfte die Familie dafür, doch in Deutschland bleiben zu können und fand dabei Unterstützung in der Bevölkerung. Silke Masannek, die zum Unterstützerkreis der Familie gehört, sagte WDR.de: "Wir sind nicht damit zufrieden, dass den Eltern für ihre Ausreise ein so kurzfristiger Termin genannt wurde". Die Familie könne sich nun nicht gut mental auf die Trennung vorbereiten. Außerdem sei der Verbleib der zum Teil noch minderjährigen Mädchen nach der Ausreise der Eltern noch nicht genau geklärt. Zum genauen Alter der Kinder gibt es unterschiedliche Angaben. Nach ihren eigenen Aussagen sind sie 14, 17, 19 und 21 Jahre alt.

"Eltern nicht integriert"

Am vergangenen Donnerstag (08.10.2009) hatte der Petitionsausschuss Silke Masannek, die eine Beschwerde gegen die Abschiebung der Familie eingereicht hatte, seine Entscheidung mitgeteilt. Zur Begründung heißt es, die Eltern der Familie seien nicht integriert und hätten zudem falsche Angaben zu ihrer Identität gemacht. Dagegen seien die vier Töchter "vollständig in die deutschen Lebensverhältnisse integriert" - deswegen bekommen sie nun auch die Möglichkeit zu bleiben, obwohl dem Asylantrag der Familie nicht stattgegeben wurde.

"Die Eltern sprechen kaum Deutsch und leben von öffentlichen Mitteln", erläutert Wolfgang Trieselmann. Dagegen sprächen die vier Töchter die deutsche Sprache und hätten Erfolg in der Schule. Eine habe sogar ein Angebot für einen Ausbildungsplatz.

Nach Angaben von Silke Masannek hatte die Familie um Asyl gebeten, weil sie in ihrem Heimatland Syrien der diskriminierten Minderheit der Jesiden angehöre. Die Familie habe gegenüber den Behörden nicht absichtlich falsche Angaben gemacht: "Das geschah aus Unwissenheit", ist Masannek überzeugt.


Stand: 13.10.2009, 09.28 Uhr