Festnahmen in Attendorn und Siegen

Polizeiautos vor Turnhalle

Festnahmen in Attendorn und Siegen

  • Festgenommener soll Kopf einer Dschihadistengruppe sein
  • Er und seine Frau gelten als IS-Mitglieder
  • Ehepaar bleibt weiter in Haft

Das Amtsgericht in Dortmund hat eine "Festhalteanordnung" gegen den 34-Jährigen und seine 27 Jahre alte Frau erlassen. Das Paar wird nach Auskunft des Oberlandesgerichts Hamm von den algerischen Behörden wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS gesucht. Nun folge ein Auslieferungsverfahren. Die deutschen Behörden ermitteln aber parallel weiter gegen den Mann, weil er Kopf einer Terrorzelle sein soll, die möglicherweise einen Anschlag in Deutschland geplant habe. Der 34-Jährige war am Donnerstag (04.02.2016) in einer Notunterkunft in Attendorn festgenommen worden, seine Frau in der Kinderklinik in Siegen. Das Paar lebte mit zwei Kindern seit einigen Wochen im Sauerland. Die Kinder wurden von Jugendämtern in Obhut genommen.

Polizeiautos vor einer Turnhalle

Razzia in der Attendorner Notunterkunft

Unklar ist, unter welchen Umständen der Mann die Terrormiliz IS verlassen hat, oder ob er möglicherweise weiterhin in ihrem Auftrag handelte. Nach dpa-Informationen vom Freitag untersuchen die Ermittler derzeit, ob der Mann gezielt von der Terrororganisation nach Deutschland geschickt wurde, um hier Anschläge zu begehen. Auf Fotos, welche die Polizei am Freitag veröffentlichte, posiert der Mann mit einem ganzen Waffenarsenal. Der 34-Jährige soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein. Später soll er über die Balkanroute als Flüchtling eingereist und in Bayern registriert worden sein. Er hatte dabei offenbar mindestens drei verschiedene Identitäten benutzt.

Razzia in Notunterkunft

Auch der 27-jährigen Ehefrau werfen die algerischen Behörden Mitgliedschaft in der Terrorgruppe IS vor. In dem Verfahren wegen mutmaßlicher Anschlagsplanungen in Berlin sei die Frau jedoch keine Beschuldigte. Sie gelte aber als mögliche Kontaktperson, sagte ein Polizeisprecher. Auch sie soll mindest eine Alias-Identität genutzt haben. Bei der Durchsuchung der Notunterkunft wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, darunter Handys und Computer, die nun ausgewertet werden sollen. Möglicherweise könnte das Paar nach Abschluss der Ermittlungen nach Algerien ausgewiesen werden.

Festnahme in Berlin

Zwei Polizisten und Sanitäter in Turnhalle

Zugriff am frühen Morgen

In Berlin nahm die Polizei am Donnerstag gleichzeitig einen 49-jährigen Algerier fest. Zwei weitere Verdächtige wurden bei den bundesweiten Razzien zwar angetroffen, aber nicht festgenommen. Die Festgenommenen werden beschuldigt, gemeinsam ein Attentat in Deutschland geplant haben. Die Gruppe habe in Berlin zusammen treffen wollen, um den Anschlag vorzubereiten. Wie weit diese Pläne fortgeschritten waren, ist noch nicht bekannt. Gegen die Männer wurde bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Sicherheitskreisen zufolge sollen sich die Verdächtigen in abgehörten Telefonaten auch über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten haben, zum Beispiel über den Checkpoint Charlie.

Einschätzung schwierig

Für eine Einschätzung, wie gefährlich die mutmaßliche Islamistengruppe war, sei es noch zu früh, sagt WDR-Terrorismus-Experte Dirk Müller. "Bei zwei der Verdächtigen reichten die Beweise offenbar nicht einmal aus, um sie in U-Haft zu nehmen." Vermutlich sei die Kommunikation der Gruppe vor dem Zugriff intensiv überwacht worden. Obwohl die Verdächtigen Sicherheitskreisen zufolge häufig ihre Handys gewechselt hatten und ihre Kommunikation verschlüsselt hatten, sei man ihnen wohl mit hohem technischen Aufwand auf der Spur geblieben.

Stand: 05.02.2016, 20:00