Untersuchungshaft für Sven Lau bestätigt

Salafistenprediger aus NRW verhaftet

Untersuchungshaft für Sven Lau bestätigt

Von Christian Wolf

  • Salafistenprediger Sven Lau in Untersuchungshaft
  • Zugriff erfolgte am Dienstagmorgen (15.12.2015) in Mönchengladbach
  • Lau soll verlängerter Arm einer syrischen Terrororganisation gewesen sein

Die Bundesanwaltschaft ließ den aus Mönchengladbach stammenden Salafistenprediger Sven Lau am Dienstagmorgen (15.12.2015) verhaften. Das teilte die Ermittlungsbehörde in Karlsruhe mit. Der Zugriff erfolgte nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Mönchengladbach. Der 35-Jährige gilt als einer der führenden Köpfe der islamistischen Szene in Deutschland. Am Dienstagnachmittag wurde er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Dieser hat nach Informationen des ARD-Rechtsexperten Frank Bräutigam am Abend Untersuchungshaft angeordnet.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, im Jahr 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation "Jaish al-muhajirin wa-l-ansar" (Jamwa) agiert zu haben. Lau sei daher "dringend tatverdächtig", in vier Fällen eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt zu haben.

Die terroristische Vereinigung Jamwa

"Jaish al-muhajirin wa-l-ansar" (Abkürzung: Jamwa) wird auf Deutsch mit "Armee der Auswanderer und Helfer" übersetzt. Die militante islamistische Terrororganisation hat sich der Bundesanwaltschaft zufolge im März 2013 gegründet. Islamisten aus dem Kaukasus haben führende Rollen in der Miliz, die sich aber bald aufspaltet und teils der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließt, teils mit dem Al-Kaida-Ableger Al-Nusra paktiert. Die Kämpfer der terroristischen Vereinigung verfolgen das Ziel, die gegenwärtige syrische Regierung von Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen und ein Reich zu errichten, in dem die radikale Lesart des islamischen Rechts (Scharia) gilt.

Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige

Sven Lau

Die Festnahme erfolgte am Dienstag in Mönchengladbach

Die Ermittler gehen nach dem bisherigen Kenntnisstand davon aus, dass Lau eine Anlaufstelle für deutsche Kampf- und Ausreisewillige gewesen ist - insbesondere für Personen aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf. Dabei soll Lau als "Bindeglied" zu der in Syrien agierenden Jamwa fungiert und im engen Kontakt zu einem dort lebenden deutschen Konvertiten gestanden haben. Im September 2013 soll Lau selbst nach Syrien gereist sein und dort Geld an einen IS-Unterstützer überbracht haben. Zudem erhielt Lau offenbar den Auftrag, Nachtsichtgeräte für die Terrororganisation zu beschaffen. Über eine Kontaktperson in Deutschland sollen dann insgesamt drei Geräte im Wert von 1.440 Euro nach Syrien gebracht worden sein - entweder von Lau selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation.

Lau war bei "Scharia-Polizei" in Wuppertal dabei

Sven Lau

Lau soll ein Bindeglied zur Terrororganisation Jamwa sein

Den Sicherheitsbehörden ist Lau schon seit längerer Zeit bekannt. Laut Verfassungsschutz ist er ein "ideologisches Bindeglied" salafistischer Netzwerke. Erst im vergangenen Jahr trat er mit der "Scharia-Polizei" in Erscheinung: Junge Muslime patrouillierten in Warnwesten mit dieser Aufschrift durch das nächtliche Wuppertal. Sie wollten andere junge Muslime auffordern, sich "schariagetreu" zu verhalten. In der vergangenen Woche entschied das Wuppertaler Landgericht, dass die umstrittene Aktion nicht strafbar gewesen sei. Lediglich gegen Lau wurde ein Teil der Anklage zugelassen, weil er die Demonstration nicht angemeldet haben soll. Das Verfahren wurde an das Amtsgericht abgegeben.

Laus Anwalt Mutlu Günal wollte sich in einer ersten Reaktion nicht zu den Details der Festnahme äußern. Zunächst wolle er zu seinem Mandanten nach Karlsruhe reisen. Er selbst vermute allerdings einen Zusammenhang zu der gescheiterten Anklage im Bezug zur "Scharia-Polizei", sagte Günal dem WDR.

Mit Kalaschnikow auf Panzer fotografiert

Aussenschuss Wohnung Sven Lau

Sven Lau kommt aus Mönchengladbach

Schon im Frühjahr wurde bekannt, dass die Stadt Mönchengladbach dem Salafisten den Reisepass entzogen hat. Der Grund: Es bestehe die Gefahr, dass er sich im Ausland an Gewalttaten beteilige. Zuvor hatte Lau bereits schon einmal unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft gesessen, kam aber wieder auf freien Fuß. Dass Lau 2013 in Syrien war, ist schon länger bekannt. Ein Foto zeigte ihn auf einem Panzer in Syrien mit einer Kalaschnikow um den Hals. Er selbst hatte behauptet und dies auch in Propaganda-Videos inszeniert, dort zu humanitären Zwecken gewesen zu sein.

Der 1980 geborene Lau ist verheiratet und hat fünf Kinder. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker hatte er eine Weile als Feuerwehrmann gearbeitet. 2010 trat er öffentlich in Erscheinung, als er mit dem Netzwerk "Einladung zum Paradies" eine Islamschule in Mönchengladbach eröffnen wollte. Danach war er für verschiedene salafistisch-extremistische Organisationen aktiv - auch für das Koran-Verteiler-Netzwerk "Lies!".

WDR-Terrorexperte Dirk Müller zeigt sich von der Festnahme nicht überrascht. "Das ist nicht der erste Versuch, Sven Lau juristisch etwas nachzuweisen", sagte er. Bislang habe dies aber nie funktioniert. Sollten die Vorwürfe stimmen, könne es für Lau eng werden.

Jäger: "Führender Kopf der salafistischen Szene"

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte nach der Festnahme: "Lau gilt als einer der führenden Köpfe der salafistischen Szene in Nordrhein-Westfalen, der mutmaßlich viele junge Leute in den Extremismus gelockt hat." Mit ihrer "Gewalt verherrlichenden Propaganda und angeblicher Hilfe für notleidende Menschen in den Krisengebieten" bereiteten salafistische Prediger wie Lau den Nährboden für die Radikalisierung junger Männer. "Sie stiften junge Menschen an, sich in Syrien und Irak jihadistischen Terrorgruppen anzuschließen." Lau mache fortlaufend deutlich, dass nach seinem extremistischen Verständnis vom Islam die Scharia über dem Grundgesetz stehe. Seine nach Syrien zum Kämpfen ausgereisten Freunde bezeichne er als "Märtyrer im Glauben", so Innenminister Jäger.

Die Festnahme sei nicht auf eine neue, einzelne Straftat zurückzuführen. Ausschlaggebend seien neue Bewertungen der Propaganda gewesen, die Lau verbreitet habe, sowie verdichtete Informationen über die Organisationen, für die er Spenden eingeworben habe, sagte Jäger in Düsseldorf.

Stand: 15.12.2015, 21:04