Fußball-Wettskandal wird neu aufgerollt Der Wettpate ist zurück - Ante Sapina erneut vor Gericht

Vor dem Landgericht Bochum ist am Mittwoch der Prozess zu einem der größten Manipulationsskandale der europäischen Fußball-Geschichte neu gestartet worden. Auf der Anklagebank sitzt wieder Ante Sapina, der im Mai 2011 bereits zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte das Urteil in Teilen aber aufgehoben. Sapina hofft nun auf eine mildere Strafe, zeigte sich heute.


Der wegen bandenmäßigen Betrugs Angeklagte Ante Sapina wartet gemeinsam mit seinen Anwälten Stefan Conen und Ralf Neuhaus amim Landgericht in Bochum auf den Beginn der Prozessneuauflage um den bislang größten europäischen Fußball-Wettskandal
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Sapina hatte 2011 im wahrsten Sinne des Wortes ausgepackt. Bis ins Detail berichtete er in seinem Verfahren darüber, wie er Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre bestochen hatte. Anschließend setzte er hohe Beträge auf die Partien und kassierte Millionen. Diese Redseeligkeit ist den Karlsruher Richtern anscheinend zu wenig ins Urteil eingeflossen. Die Kammer soll nun überprüfen, ob sich das Geständnis ausreichend strafmildernd ausgezahlt hat.

Verteidiger sieht keine Tendenz


Sapina-Verteidiger Stefan Conen sagte zum Prozessauftakt: "Wir erwarten, dass die umfassende Aufklärungshilfe zugunsten von Sapina gewertet wird." Welches Urteil am Ende des neuen Strafverfahrens stehen könnte, sei natürlich noch nicht abzusehen. "Das ist wie beim Fußball: Man weiß nicht, wie es ausgeht", sagte Conen.

In ganz Europa Kontakte


Ante Sapina steht erneut vor Gericht
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Die Strategie bei den Spielmanipulationen war immer ähnlich. Mittelsmänner sprachen Spieler an, boten mehrere Tausend Euro für eine Manipulation an. Besonders beliebt waren laut Sapina junge Spieler. Die seien auch mit geringeren Beträgen zufrieden gewesen. 51 Partien soll Sapina verschoben haben, darunter auch Begegnungen in der Champions League und der WM-Qualifikation. Bei etlichen weiteren Spielen ist der Betrug aber gescheitert. Meist, weil die Ergebnisse nicht so zustande kamen, wie geplant. Dass diese Partien als versuchter Betrug ins Urteil eingeflossen sind, kritisierte der BGH aber. Dadurch, dass die Wette nicht erfolgreich war, sei es nicht zur Ausschüttung des Wetterlöses gekommen, sagt Volker Talarowski vom Bochumer Landgericht. Gleichwohl soll bei dem Wettanbieter ein Schaden entstanden sein, weil sich die Quoten verändert haben. Dieser Schaden sei schwer zu bemessen, so Talarowski, und das sei nun die große Schwierigkeit. In diesem Punkt sollen jetzt Sachverständige mit ihren Einschätzungen weiterhelfen.

Keine Bewährung oder Freispruch für Sapina


Ante Sapina steht erneut vor Gericht
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Im Berliner Café King begann Sapinas "Karriere" mit Sportwetten

Trotz der Verurteilung ist Sapina im Moment auf freiem Fuß. Aktuell wohnt er in Berlin. Auf eine Bewährungsstrafe oder einen möglichen Freispruch darf er sich aber keine Hoffnungen machen. Wahrscheinlich ist eher, dass die Haftstrafe etwas kürzer ausfällt. Angesetzt sind vorerst 13 Verhandlungstage. Ein Urteil wird im Januar erwartet. Interessant dürfte werden, ob die Bochumer Staatsanwaltschaft neue Erkenntnisse mit in den Prozess einfließen lassen wird.

Bochumer Ermittler in aller Welt aktiv

Mittlerweile werden die Dimensionen des weltweiten Wettskandals immer größer. Der Bochumer Staatsanwalt Andreas Bachmann kümmert sich nahezu ausschließlich um den Wettskandal. Man habe manipulierte Fußballspiele nicht nur in Deutschland und in europäischen Ländern, sondern auch auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien, sogar in Australien. Der Schaden liege jährlich bei weit über 100 Millionen Euro. Und das sei seines Erachtens nur die Spitze des Eisbergs. Erst in den letzten Wochen wurden allein in der Türkei 70 Verdächtige festgenommen. Weltweit arbeiten die Bochumer Ermittler mit den Behörden in 50 Ländern zusammen.

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Manipulationsskandal: Ante Sapina erneut vor Gericht


Stand: 04.12.2013, 17.17 Uhr