11. Februar 1889 – Verkündung der Meiji-Verfassung in Japan

Meji Jingu-Schrein, Yoyogi-Park, Tokio

Stichtag

11. Februar 1889 – Verkündung der Meiji-Verfassung in Japan

Für Albert Mosse ist Japan seine "geistige Werkstatt". 1886 kommt der junge Richter als Berater der japanischen Regierung nach Tokio. Es ist die "deutsche Dekade" in Japan, und Mosse steigt auf zum mächtigsten Wegweiser der Regierung rund um den jungen Kaiser Mutsuhito. "Dann wünscht der innere Minister einen Entwurf über Provinzanleihen", schreibt er in die Heimat. "Am nächsten Tag wünscht der äußere Minister meine Meinung über die Zensur, und demnächst den Entwurf eines Pressegesetzes".

Vor allem aber brütet Mosse über einem Gutachten zu einer neuen Verfassung für das Land. Sein Rat ist, die preußische Verfassung auf die japanischen Verhältnisse zu übertragen. Der Plan kommt an und gilt der "erleuchteten Regierung" ("Meiji") als richtiger Weg zu neuer Größe. Am 11. Februar 1889 wird die Meiji-Verfassung in Japan verkündet: ein weiterer gewaltiger Schritt des Landes, um zum Preußen Asiens zu werden.

Inspiration auch aus Essen

Vorangegangen sind der Meiji-Verfassung zwei Jahrzehnte an Reformen. Die Militärs der Shogunkaste hatten das Land innen- wie außenpolitisch an den Rand des Ruins getrieben. Gegen die Kanonen der Weltmächte waren Samuraischwerter chancenlos, die bäuerliche Infrastruktur konnte in einer industrialisierten Welt nicht mithalten. Japan in der Krise. In dieser Situation erstarkt in Japan das lange Zeit abgeschriebene Kaisertum. 1868 wird das Militärregime des Shogunats beendet und die kaiserliche Macht wiederhergestellt. Frisch aufdem Thron: Kaiser Mutsuhito. Ein Jahr zuvor hat er die Nachfolge seines Vaters angetreten.

Im Zuge der Meiji-Reformen suchen kaiserliche Gesandte auf der ganzen Welt nach Vorbildern: zunächst in den USA, dann in Europa. In Essen bestaunen sie im Stahlwerk Krupp moderne Kanonen, in Berlin besuchen sie Vorlesungen über Staats- und Verfassungsrecht an der Universität. "Mit seiner Regierungsmaxime scheint Preußen für uns nützlicher zu sein als Großbritannien und Frankreich", heißt es in ihrem Abschlussbericht.

Höhere Verwaltungsbeamte werden nach Tokio bestellt, um das in mehrere hundert Lehenstümer zersplitterte Land zu einem modernen Nationalstaat zu formen. Albert Mosse wird der einflussreichste von ihnen. Die vom preußischen Gemeindegesetz übernommene Unterteilung Japans in Präfekturen, Gemeinden und Städte geht auf ihn zurück.

Enttäuschter Reformer

Von Preußen übernimmt die Meiji-Verfassung vor allem das Zwei-Kammern-System eines Ober- und eines Abgeordnetenhauses. Im Oberhaus sitzen die Adeligen, im Unterhaus die Reichen. Denn wer als Abgeordneter aus dem Volk ins Parlament kommen will, muss viel verdienen. Nur ein Prozent der männlichen Bevölkerung hat da die Chance. Der Kaiser selbst wird zum Oberbefehlshaber der Armee und zum höchsten Shinto-Priester. Damit ruht seine vergöttlichte Macht auf religiösen Füßen.

Nach seinem dreijährigen Aufenthalt in Japan ist Albert Mosse eher ernüchtert Anfang 1890 kehrt er mit seiner Frau und seinen Kindern nach Deutschland zurück. Seine Reformvorschläge sieht er zwar größtenteils umgesetzt, in der Wirklichkeit aber zerrieben. "Das Kabinett besteht aus einer Reihe von Parteichefs, die sich wechselseitig bitter hassen und befehden", lautet sein vernichtendes Urteil. "Das Volk ist von Parteiungen zerrissen. Die Jugend wächst auf ohne Moral. Überall Unreife. Ich fürchte, das Land geht schweren Stürmen entgegen."

Stand: 11.02.2014

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