2. November 1917 - Balfour-Erklärung unterzeichnet

Balfour-Deklaration

Stichtag

2. November 1917 - Balfour-Erklärung unterzeichnet

"Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen … ." Für die Zionisten, Befürworter eines jüdischen Nationalstaats in Palästina, ist dies der wichtigste Satz der Balfour-Deklaration, die der britische Außenminister Arthur Balfour am 2. November 1917 unterzeichnet. In der Erklärung heißt es weiter: "… wobei klar verstanden werde, dass nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina … beeinträchtigen könnte." Die Briten geben 1917 ein zweifelhaftes Versprechen, das bis heute das politische Klima im Nahen Osten vergiftet: Die Zionisten hoffen auf ihren jüdischen Staat, die Araber aber lesen ein "Nicht ohne uns zu fragen" in der Balfour-Erklärung.

Theodor Herzls Buch "Der Judenstaat" erscheint

"Die Notlage der Juden wird niemand leugnen. In allen Ländern, wo sie in merklicher Anzahl leben, werden sie mehr oder weniger verfolgt" schreibt Theodor Herzl bereits 1896 in seinem Buch "Der Judenstaat". Und weiter: "Die Angriffe in Parlamenten, Versammlungen, Presse, auf Kirchenkanzeln, auf der Straße … mehren sich von Tag zu Tag. … In Russland werden Judendörfer gebrandschatzt, … in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch … ." Für die meisten Zionisten kommt nur eine Gegend für den zukünftigen Staat in Frage: Palästina, das Herkunftsland der Juden, dort, wo der Berg Zion liegt. Das Gebiet gehört damals zum Osmanischen Reich.

Zionistensiedlungen werden zum Teil akzeptiert

Zionistische Pioniere treiben den Aufbau einer jüdischen Gesellschaft bereits Anfang des 20. Jahrhunderts voran. "An manchen Orten kann man zeigen, dass die Siedlungen von Zionisten auf dem Land durchaus von ihrer arabischen Umgebung akzeptiert wurden und auch Arbeitsmöglichkeiten schufen", erklärt Professor Gudrun Krämer, Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Expertin für die Geschichte Palästinas. "In dem Moment, wo Araber von dem Land vertrieben wurden, das die zionistische Organisation aufkaufte, kam es selbstverständlich zu Konflikten", so Krämer.

Palästina wird geteilt

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches bekommen die Briten 1922 vom Völkerbund das Mandat für Palästina; die Balfour-Deklaration ist Teil davon. Das Mandat beinhaltet also eindeutig die Verpflichtung, beiden – Juden und der Bevölkerung Palästinas, mehrheitlich Araber  – zur Selbstbestimmung zu verhelfen.

Beides lässt sich damals schon nicht miteinander vereinbaren. Die Araber akzeptieren die Möglichkeit eines jüdischen Staates auf palästinensischem Boden nicht. In den 20er-Jahren brechen Unruhen aus, die Gewalt steigert sich von Jahr zu Jahr. Alle Pläne der Briten für eine geordnete Zukunft Palästinas scheitern. Unterdessen wandern immer mehr Juden ein – auf der Flucht vor dem antisemitischen Regime in der Sowjetunion, später vor Naziherrschaft und Holocaust. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs steigt der Anteil der Juden in Palästina auf 30 Prozent; 1947 leben dort 600.000 Juden.

Ende November 1947 beschließen die Vereinten Nationen, Palästina zu teilen, alle islamischen Länder stimmen dagegen. Im Mai 1948 wird Israel gegründet. Einen allgemein anerkannten arabischen Staat gibt es in Palästina bis heute nicht. In einem Memorandum an die Kabinettskollegen bemerkt Arthur Balfour bereits 1919: "Mag der Zionismus richtig oder falsch, gut oder schlecht sein, er ist verwurzelt in einer langen Tradition und in zukünftigen Hoffnungen, die von größerer Wichtigkeit sind als die Wünsche und die Nachteile von 700.000 Arabern, die zurzeit in diesem historischen Land leben."

Stand: 02.11.2012

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