22. Februar 1512 - Todestag von Amerigo Vespucci

Stichtag

22. Februar 1512 - Todestag von Amerigo Vespucci

Amerigo Vespucci

Nach ihm ist der amerikanische Kontinent benannt: Amerigo Vespucci

Amerigo Vespucci ist ein guter Erzähler, der die gelehrten Leser Anfang des 16. Jahrhunderts in Europa begeistert. Der italienische Kaufmann und Seefahrer erforscht Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts große Teile der Ostküste Südamerikas. "Die Bäume dort sind alle wohlriechend und jeder einzelne bringt entweder ein Öl hervor oder sondert irgendeinen Balsam ab. Wenn uns deren Eigenschaften bekannt wären, so zweifle ich nicht, dass diese Substanzen der Gesundheit des Menschen dienen können. Und sollte es tatsächlich in irgendeinem Teil der Erde das irdische Paradies geben, so glaube ich, dass es sicher nicht weit von jenen Regionen entfernt ist", schreibt Vespucci in seinem Reisebericht für alle Sinne. Möglicherweise sind Teile seiner Texte erfunden, aber als einer der ersten Europäer versteht Vespucci, dass die Neue Welt ein eigener Kontinent ist. "Dort erkannten wir, dass dieses Land keine Insel, sondern ein Kontinent ist, da sich sowohl seine Küsten weithin erstrecken, ohne es jedoch zu umschließen, als auch das Land von unendlich vielen Einwohnern besiedelt ist."

67 Tage auf See, 44 mit Regen, Donner und Blitz

Vermutlich kommt Amerigo Vespucci Anfang der 1450er-Jahre in Florenz als Sohn eines Kaufmanns zur Welt. Damit ist sein Weg vorgezeichnet: 1482, er ist etwa 30 Jahre alt, tritt er in die Dienste des reichen Handelshauses der Familie de Medici. Knapp zehn Jahre später schicken sie ihn als Vertreter nach Sevilla. Dort trifft er auf Christoph Kolumbus, denn das Handelshaus de Medici richtet dessen erste Expedition aus, 1492 nach Indien. Kolumbus schafft es über den Atlantik, glaubt, er sei am Ziel und nennt die Landmassen Westindische Inseln. Diesem Irrtum wird er bis zu seinem Tod unterliegen.

Im Alter von 50 Jahren, einige Jahre nach Kolumbus, sticht auch Vespucci in See. Und schreibt über die Gefahren des Meeres: "Von den siebenundsechzig Tagen, die wir auf See waren, hatten wir durchgehend vierundvierzig mit Regen, Donner und Blitz. Und dies in solcher Finsternis, dass wir weder bei Tag die Sonne noch bei Nacht den klaren Himmel sehen konnten." Vespucci berichtet über seine Reisen in einem offenen Brief, dem Mundus Novus, an Lorenzo de Medici. Die Überlieferung ist lückenhaft. Vespucci behauptet, insgesamt vier Reisen absolviert zu haben. Das ist in der Wissenschaft bis heute umstritten. Gesichert sind nur zwei Fahrten: Zwischen 1499 und 1502 landet er zwei Mal in Guyana und fährt die Küste Südamerikas hinunter bis zum Rio de la Plata. Er geht mehrmals an Land und erkennt Kolumbus' Irrtum: Beide sind nicht nach Asien gefahren, sondern haben vielmehr einen neuen Kontinent betreten.

Kolumbus entdeckt die Neue Welt, Vespucci erkennt sie

Vespuccis Bericht gelangt an die Öffentlichkeit und wird begeistert gelesen, auch in Saint-Dié-des-Vosges in Lothringen. Dort arbeitet der Kartograph Martin Waldseemüller an einer aktuellen Weltkarte, der Universalis Cosmographia. Und trägt auf ihr erstmals den Namen für die neue von Asien getrennte Landmasse ein: Amerika, die latinisierte und weibliche Form von Amerigo. 1507 erscheint die Karte, Christoph Kolumbus ist bereits seit einem Jahr tot. Vespucci folgt ihm am 22. Februar 1512. Beiden teilen sich den Ruhm: Denn Kolumbus hat die Neue Welt entdeckt, aber Vespucci sie als solche erkannt.

Stand: 22.02.2012

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