21. September 2009 - Vor 210 Jahren: Philippe Lebon erhält Patent auf die Gaslampe

Stichtag

21. September 2009 - Vor 210 Jahren: Philippe Lebon erhält Patent auf die Gaslampe

Vor 200 Jahren herrscht in den Straßen der europäischen Großstädte pechschwarze Finsternis. Es gibt nur wenige Öllampen und die müssen regelmäßig aufgefüllt werden. Bis am 21. September 1799 ein französischer Ingenieur ein Patent auf seine Erfindung erhält: die Gasheizlampe. Der 32-jährige Tüftler Philippe Lebon, geboren 1767 in Frankreich, nennt sie "Thermolampe" und steckt fast sein gesamtes Vermögen in ihre Entwicklung. Er experimentiert in einem Pariser Hotel: In einem Ofen verbrennt Lebon dafür Holz unter Luftausschluss und erzeugt über Destillation das brenn- und leuchtbare Wasserstoffgas. Über Röhren leitet er es in die einzelnen Zimmer. Öffnet man das Absperrventil am Rohr und zündet das Gas an, verbrennt es kontrolliert - und erleuchtet und beheizt den Raum. Das Hotel ist ein Mini-Gaswerk und Lebon der Urvater der modernen Gasbeleuchtung.

Das frühe Gaslicht stinkt noch, ist nicht so hell und goldgelb wie heute, sondern eher weiß-bläulich. Doch bald bauen die Engländer Gaswerke nach Lebons Prinzip und beleuchten Fabrikhallen und Straßenzüge. Auch in Berlin sind es die Engländer, die 1826 die ersten Gaslaternen in der Straße Unter den Linden aufstellen. In England sind zu diesem Zeitpunkt bereits 53 Städte und Gemeinden komplett mit Gas erhellt. Einigen ist das neue Licht unheimlich: "Das Gaslicht ist zu rein für das menschliche Auge, und unsere Enkel werden blind werden", schreibt der Schriftsteller Ludwig Börne. Und die Cölnische Zeitung wehrt sich gegen die Gasbeleuchtung: "Aus theologischen Gründen, weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erscheint. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan zu hofmeistern, die Nacht in den Tag verkehren zu wollen." Doch die Städte befüllen riesige Gasometer, Großstadt um Großstadt wird illuminiert.

Philippe Lebon erlebt den Triumph nicht: In der Nacht vor der Kaiserkrönung Napoleons arbeitet er an einer Illumination für die Festlichkeiten. Nur fünf Jahre nach seiner Erfindung wird er am 2. Dezember 1804 in den Straßen von Paris ermordet aufgefunden - am Tag der Selbstkrönung Napoleons. Die Umstände von Lebons tragischem Tod liegen bis heute im Dunkeln, seine Gaslampe jedoch erhellt schon kurz nach seinem Tod Straßenzüge und Fabrikhallen in ganz Europa.
 

Stand: 21.09.09