09. Juli 1962 - Bob Dylan nimmt "Blowin' in the wind" auf

Stichtag

09. Juli 1962 - Bob Dylan nimmt "Blowin' in the wind" auf

Am 24. Januar 1961 trifft der 20jährige Robert Allen Zimmerman aus Duluth/Minnesota in New York ein. Er will hier sein Idol, den kranken Folksänger Woody Guthrie  im Hospital besuchen - und sich selbst als Folkmusiker durchsetzen. Seine musikalische Karriere beschränkt sich bisher auf Schulbands, mit denen er Rock'n Roll spielte, und Auftritte mit einer akustischen Gitarre in den Clubs von Minneapolis.
Unter dem Namen Bob Dylan erobert sich der junge Mann sehr schnell alles, was er in der fremden Stadt braucht: Arrivierte Folk- und Blues-Musiker, die er auf der Bühne begleitet und die ihm zu eigenen Auftritten verhelfen, eine Freundin, einen Plattenvertrag und bald sogar einen Manager. Die "New York Times" widmet ihm eine lobende Besprechung. Bei seinem ersten eigenen Konzert im November 1961 werden allerdings nur 53 Karten verkauft. Seine erste Platte erscheint im Mai 1962: "Bob Dylan" enthält bekannte Blues- und Folksongs in einer einfachen und rauen Interpretation und nur zwei eigene Lieder des Newcomers. Berühmt machen sie Dylan nicht.

Im Frühjahr 1962 verfasst Dylan erstmals systematisch eigene Songs, Texte, die er nach eigener Aussage "einfach so hinschreibt". Darunter ist auch der Titel "Blowin' in the wind ", ein Song, dem er zunächst wenig Beachtung schenkt, finden ihn doch auch seine Freunde und Kollegen eher mäßig gelungen. Das einfache Lied - sechs Akkorde - stellt lauter Fragen rund um das Leid der Welt; die Antworten darauf verweht der Wind. Die Melodie lehnt sich an einen alten Gospel aus dem amerikanischen Bürgerkrieg an. Am 9. Juli 1962 spielt Dylan den Titel im Columbia-Studio ein. Er wird der Aufmacher seines zweiten Albums: "The Freewheelin". Die Platte bringt den Durchbruch für Bob Dylan, sie stellt den Beginn seiner Weltkarriere dar.

357 mal nachgesungen

Ein Hit wird "Blowin' in the wind" jedoch nicht durch Dylan. Dafür ist seine Darbietung zu spröde und schnörkellos. Die eingängigere Cover-Version von "Peter, Paul and Mary" bringt es dagegen auf Platz 2 der US-Hitparade. Ihre Single wird innerhalb von zwei Wochen 300.000 Mal verkauft. Danach gibt es kein Halten mehr: Der Song wird 375 mal gecovert, u.a. von Joan Baez, die zeitweise Dylans Lebensgefährtin ist, von Crazy Horse, aber auch von James Last, Elvis Presley, Duke Ellington und Marlene Dietrich. "Blowin' in the wind" wird zu einer Hymne der Bürgerrechtsbewegung, zu einem Volkslied in Pfadfinderliederbüchern und Jugendgottesdiensten. Dylan selbst bringt das Lied seit den 70er Jahren meist als kräftigen Rock-Song - oder gar nicht. Trotzdem wird er immer wieder mit ihm identifiziert. Als er 1997 in Bologna vor Papst Johannes Paul II. auftritt, interpretiert der in seiner Ansprache die Antwort, die der Wind verweht, mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Tatsächlich hatte sich Dylan 1980 taufen lassen und verstand sich einige Jahre lang als erweckter Christ. Später besinnt er sich wieder stärker auf seine jüdischen Wurzeln und meidet ausdrücklich religiöse Aussagen. Kardinal Josef Ratzinger, seinerzeit die rechte Hand des Papstes, spricht sich vergeblich gegen den Auftritt des Songwriters aus. Für ihn ist Dylan ein Nihilist.

Stand: 09.07.07