22. Februar 2006 - Vor 205 Jahren: Johann Wilhelm Ritter entdeckt das Ultraviolett

Stichtag

22. Februar 2006 - Vor 205 Jahren: Johann Wilhelm Ritter entdeckt das Ultraviolett

Am 22. Februar 1801 verdunkelt Johann Wilhelm Ritter sein Zimmer. Nur durch einen waagerechten Schlitz vorm Fenster darf Sonnenlicht eindringen. Ritter lenkt den Strahl durch ein Prisma, um ihn in Regenbogenfarben aufzufächern. Das Spektrum lässt er auf eine lichtempfindliche Schicht fallen. Am äußersten violetten Rand, wo kein sichtbares Licht mehr zu erkennen ist, ist die Schwärzung am stärksten: Ritter hat das Ultraviolett entdeckt. Eigentlich ist dies eine wissenschaftliche Sensation, im Weltbild Ritters aber eine Selbstverständlichkeit. Denn Ritter ist beseelt von der Idee physikalischer Polarität, die Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Gelehrtenstuben geistert. Sie lautet im Kern: zu jedem Phänomen der wirklichen Welt gibt es auf der anderen Seite des Spektrums ein Gegenstück. Zur Wärme gehört Kälte, zum magnetischen Plus- der Minuspol, zu Helligkeit das Dunkel. Ein Jahr zuvor hat der Astronom William Herschel am anderen Ende des Spektrums das infrarote Licht entdeckt – also muss es in Ritters Vorstellung als Gegenstück das ultraviolette geben. "Am 22. Februar halb ein Uhr Hornsilber in das Farbspektrum gelegt", vermerkt er als einzigen Hinweis auf den Durchbruch lapidar ins Tagebuch. Ritter wird 1776 in Samitz bei Haynau (Schlesien) geboren. Vom Reglement der Dorfschule eingeengt, lässt er sich lieber von den Eltern unterrichten, noch lieber allerdings von der Natur. 19-jährig schreibt er sich nach einer Apothekerlehre völlig mittellos an der Universität von Jena ein. Im Gepäck hat der schwärmerische Geist nichts als seinen unersättlichen Forscherdrang und die Ideen der Romantik. Anders als seinem Dichterfreund Novalis aber hat es Ritter nicht auf die blaue Blume abgesehen: Nichts weniger als die Weltformel hofft er zu finden. "Beweis, dass ein beständiger Galvanismus den Lebensproceß im Thierreich begleite" lautet der Titel eines seiner Bücher, das den sensationellen Beweis des Zusammenhangs zwischen chemischen und elektrischen Prozessen antritt, zugleich aber Fakten und romantische Fiktion wild durcheinander mengt. Dass Ritter immerhin den  Akku erfindet, geht im Rausch seiner phantastischen Schlüsse unter.

Um seine Theorien von einer elektrischen Lebenskraft zu untersuchen, stellt Ritter im Selbstversuch grausame Experimente an. Mit einer Batterie testet er die Auswirkungen von Stromfluss an Ohren, Zähnen, Anus und Harnleiter. Auch die eigenen Augen werden malträtiert, Schmerzen und Lichtblitze akribisch festgehalten. Dass Ritter dabei neben seinem Ruf auch die Gesundheit ruiniert, stört ihn wenig. Erst 33 Jahre alt, stirbt er im Januar 1810 völlig mittellos und von der Wissenschaft geächtet in München.

Stand: 22.02.06

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