E-Mail-Symbol

Stichtag

2. August 1984 - Erste E-Mail wird nach Deutschland verschickt

"Willkommen in CSNet. Michael, this is your official welcome to CSNet." So lautet die erste E-Mail, die die Amerikanerin Laura Breeden am 2. August 1984 nach Deutschland schickt. Wegen der Zeitverschiebung von sechs Stunden wird sie erst am 3. August von zwei Informatikern der Universität Karlsruhe geöffnet: von Michael Rotert, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter, und von seinem Chef Werner Zorn, der in Kopie steht. "Diese berühmte erste E-Mail bestätigte, dass unser Knoten betriebsbereit war. Der Nutzbetriebs der E-Mail in Deutschland konnte beginnen", erinnert sich Werner Zorn, damals Informatikprofessor in Karlsruhe.

Geschichte der E-Mail beginnt bereits in den 1960er-Jahren

Doch E-Mails gibt es schon länger als das Jahr 1984 – sogar länger als das Internet selbst. Die Geschichte der E-Mail beginnt bereits Anfang der 1960er-Jahre. Computer sind in dieser Zeit so riesig und teurer, dass sich nur wenige Universitäten einen Rechner leisten. Und den müssen sich alle Mitarbeiter teilen, erinnert sich Werner Zorn. "Der typische Betrieb funktionierte so: Man hat sein Programm beim Operateur abgegeben und eine Stunde später seine Ergebnisse als Druck abgeholt."

Jede Sekunde, in der ein Computer läuft, kostet viel Geld. Deshalb entwickelt das Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1961 ein neues System, mit dem mehrere Nutzer einen Computer gleichzeitig bedienen können. In der Zeit, in der Nutzer Nummer 1 über die nächste Zeile seines Programmiercodes nachdenkt, rechnet der Computer etwas für Nutzer Nummer 2 aus. So wird die Leistung des Rechners optimal genutzt. Irgendwann kommt Nutzer 1 auf die Idee, Nutzer 2 virtuell von der Seite anzusprechen. "Weil die Menschen eben gern miteinander schwätzen", sagt Zorn.

Nutzer 1 und Nutzer 2 wollen also miteinander kommunizieren und der MIT-Student Tom van Vleck programmiert 1965 den passenden Befehl dazu. Der heißt schlicht: Mail. Der Computer erstellt dann eine Datei namens "Mail Box" im Ordner des Empfängers, die die Nachricht enthält. Wenn sich der Empfänger einloggt, erscheint auf dem Bildschirm der etwas unbeholfene Satz: "You have mail box."

Tomlinson entdeckt das @-Zeichen für die E-Mail

Auch andere amerikanische Universitäten entwickeln Mail-Programme. Ende der 60er-Jahre beginnen sie, ihre Rechner quer durchs Land miteinander zu verbinden – es sind die Anfänge des Internets. 1972 verknüpft der Programmierer Ray Tomlinson ein Mail-Programm mit einem Datenaustausch-Programm. Nun werden Mails von einem Rechner zum anderen geschickt, so wir es die Nutzer heute kennen.

Die Adressen in Tomlinsons Programm bestehen aus dem Nutzernamen des Empfängers und dem Namen des Computers, an dem er registriert ist. Um beides zu trennen, sucht er ein Zeichen, das so gut wie nie verwendet wird – damit es weder im Nutzer- noch im Computernamen auftaucht. Er entscheidet sich für das @. Die E-Mail-Adresse ist geboren. "Unsere Adresse lautete damals zorn@germany- einfacher geht es nicht", sagt der Informatikprofessor Werner Zorn.

Mit der E-Mail an rotert@germany und zorn@germany in Kopie ist Deutschland mit dem Computernetz der USA verbunden, und damit mit dem Internet. Seit Ray Tomlinsons erster E-Mail sind bereits mehr als zehn Jahre vergangen.

Stand: 02.08.2014

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