26. Dezember 2008 - Vor 1.135 Jahren: Todesjahr des Gelehrten Hunain ibn Ishaq

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26. Dezember 2008 - Vor 1.135 Jahren: Todesjahr des Gelehrten Hunain ibn Ishaq

Übersetzer werden in aller Regel nicht bekannt, geschweige denn berühmt. Hinter den Protagonisten bauen sie Brücken zwischen Sprachen, Völkern und Kulturen, bleiben aber selbst fast immer unbemerkt. Der Arzt Hunain ibn Ishaq dagegen ist einer der berühmtesten Vertreter dieser unauffälligen Zunft. Auch 1.135 Jahre nach seinem Tod genießt sein Werk in der Welt der Wissenschaft noch größte Anerkennung.Hunain stammt aus der alten Königsstadt al-Hira im südlichen Irak, wo der Apothekersohn im Jahr 808 geboren wird. Seine Familie gehört zur Minderheit der arabischen Christen. Für Hunain, der unbedingt Arzt werden möchte, ein Vorteil, denn seine christliche Bildung übertrifft die der meisten Muslime. Außerdem spricht er neben seiner Muttersprache Arabisch auch Syrisch, zur damaligen Zeit die Sprache der Wissenschaft.

So zieht es Hunain nach der Schulzeit in die Hauptstadt Bagdad, um bei den besten Ärzten seiner Zeit zu lernen. Sein Medizinstudium findet jedoch ein schnelles Ende. Er überwirft sich mit seinem Professor und wird als lästiger Provinzler hinausgeworfen. Gedemütigt geht Hunain auf Studienreise, lernt in Alexandria die antike Wissenschaftssprache Griechisch, studiert die arabische Sprache in Basra und lernt im christlichen Konstantinopel, der Hochburg der griechischen Wissenschaftler, Medizin. Ausgerüstet mit einer umfassenden Bildung kehrt Hunain ibn Ishaq sechs Jahre später nach Bagdad zurück und erwirbt auf Anhieb große Wertschätzung in der Ärzteschaft. Mit Schriften wie der "Einführung in die Medizin" und den "Zehn Büchern über das Auge" verfasst er Standardwerke, die noch tausend Jahre später zur medizinischen Grundausbildung gehören.

Nicht weniger bedeutsam als seine Tätigkeit als Autor und Leibarzt mehrerer Kalifen ist Hunain ibn Ishaqs Wirken als Kopf einer stilprägenden Übersetzerschule. Nicht mehr - wie bislang üblich - Wort für Wort, sondern den Gesamtsinn erfassend überträgt er griechische Standardwerke der Medizin, etwa von Hippokrates und Galen, zunächst ins Syrische, dann ins Arabische. Für seine Zeit geradezu revolutionär merzt er dabei durch Textvergleiche rigoros die Fehler früherer Kopisten aus. Zu Hunains nachhaltigsten Leistungen aber zählt das Erfinden zahlloser prägnanter Fachbegriffe. Erst durch seine grundlegenden Arbeiten verwandelt sich das Arabische in eine für die Wissenschaft nutzbare Sprache. Im Jahr 873 stirbt der große Gelehrte in Bagdad, doch auf den von ihm gelegten Fundamenten erblüht die muslimische Wissenschaft und übernimmt für dreihundert Jahre die Vorherrschaft.

Stand: 26.12.08