12. November 2007 - Vor 190 Jahren: Baha Ullah wird geboren

Stichtag

12. November 2007 - Vor 190 Jahren: Baha Ullah wird geboren

Mitte des 19. Jahrhunderts leben viele Schiiten im Iran in gespannter Erwartung: Kehrt der verborgene 12. Imam nach tausend Jahren zurück - dieser letzte legitime Nachfolger Mohammeds, der im 9. Jahrhundert spurlos verschwand? Seit 1844 verkündet dies ein Prophet, der sich "Bab - Die Pforte" nennt. Dieser Bewegung schließen sich zwei Halbbrüder aus hohem iranischen Adel an: Subh-i Azal und Mirza Hussein Ali.

Bei einem Treffen am Kaspischen Meer 1848 beschließt die neue Bewegung, dass sie sich ab jetzt nicht mehr an die Grenzen des islamischen Gesetzes gebunden fühlt, sondern eine neue Offenbarung erwartet. Die Konsequenz: Die iranische Regierung lässt Bab hinrichten und seine Anhänger verfolgen. Sie fliehen in das religiös tolerantere osmanische Reich. Aber hier liefern sich die beiden Halbbrüder einen teilweise blutig ausgetragenen Kampf um die Führung der Gemeinde. Der Sultan verbannt daraufhin Azal nach Zypern, Ali  jedoch nach Haifa im heutigen Israel.

Von Haifa aus gewinnt Ali, der am 12. November 1817 in Teheran geboren wurde, die Führung über seine Anhänger. Er vertritt das gegenüber seinem Halbbruder progressivere religiöse Konzept: Für ihn gibt es nur einen Gott, der alle Religionen inspiriert. Mose und Buddha, Zarathustra, Jesus und Mohammed verkündeten alle die eine göttliche Wahrheit jeweils für ihre Zeit und Welt. Auch Ali, der sich nun Baha Ullah ("Herrlichkeit Gottes") nennt, sieht sich als einen Offenbarer, dem weitere folgen werden. Seine Anhänger nennen sich nach ihm Bahai. Baha Ulla schickt Missionare bis nach Indien und Amerika und verfasst wichtige Bücher der neuen Religion, deren Ziel der Weltfrieden ist. 1892 stirbt Baha Ulla.Zunächst bleibt die Führung der Bahai in den Händen seiner Nachkommen, später geht sie auf ein Gremium in Haifa über. Heute gibt es weltweit sechs Millionen Bahai, etwa 6.000 davon in Deutschland. In jedem Erdteil gibt es ein "Haus der Andacht", in dem aus den heiligen Schriften aller Weltreligionen vorgelesen wird. Eine verbindliche Lehre und leitende Priester kennen die Bahai nicht.

Stand: 12.11.07