10. Juli 1807: Patent auf Abziehbilder erteilt

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10. Juli 1807: Patent auf Abziehbilder erteilt

Mathilde Betz aus Recklinghausen ist die Königin der Abziehbilder. Mehr als tausend Alben stapeln sich im Keller der Sammlerin, die ihre Schätze gemeinsam mit ihrem Mann über Jahrzehnte auf Trödelmärkten, Sammlerbörsen, am Kiosk und im Schreibwarengeschäft zusammengetragen hat. Von Adolf Hitler bis zu Bob der Baumeister reicht die Palette, vom Weltraumfahrzeug über Märchenmotive bis hin zum Fußball-Panini. Eigentlich interessiert sich Betz nicht für Fußball, und auch Hitler hat sie "an sich nicht so gerne". Aber "Sportbilder werden gesucht", deshalb trägt sie sie zusammen. Und in eine möglichst vollständige Sammlung, findet Mathilde Betz, gehören auch die Abziehbilder des Nationalsozialismus mit hinein.

Dass heute vor allem Kinder Sammelbildchen tauschen und in Alben kleben oder "Tattoos" auf ihre Unterarme rubbeln, verdanken wir der Erfindung der Gebrüder Girard aus Paris. Am 10. Juli 1807 erhalten sie ein Patent auf ihr Verfahren, mit Hilfe von Zuckerlösungen produzierte mehrfarbige Kupferstiche auf lackiertes Blech "abzudrucken". Ab 1860 verkauft ein Nürnberger Spielzeugfabrikant Abziehbilder aus Zellophan, die mit Hilfe von Wasser vom Papier abgelöst werden müssen, als Kinderspielzeug. Später finden sich Abziehbilder als Kaufanreiz in zahlreichen Lebensmitteln - gemeinsam mit Sammelpunkten, für die die Kundschaft bei entsprechender Anzahl ein passendes Sammelalbum zum Einkleben erhält. In den fünfziger Jahren kommen zu den Nass- noch die Trockenabziehbilder oder Sticker hinzu, die ihre klebrigen Botschaften unter anderem auf Autoscheiben ("Baby an Bord!") oder Schultaschen ("Atomkraft - nein danke!") verbreiten.

Heute nutzt die Londoner Eisenbahngesellschaft Great Eastern diese Trockenabziehbilder zur praktischen Lebenshilfe. Schläfrige Kunden können sich die Nachricht "Wake me up at…" auf die Brust pappen, um von wacheren Mitreisenden am Zielbahnhof geweckt zu werden. "In den vergangenen Jahren hatten wir immer wieder verzweifelte Anrufe von Fahrgästen, die nachts im Zug eingeschlafen sind, irgendwo von einem Schaffner geweckt wurden und nicht weiter wussten", sagt Great Eastern-Sprecher Peter Northfield. "Wir hoffen, dass dieser Sticker damit ein für allemal Schluss macht."

Stand: 10.07.07