17. Februar 1827 - Todestag des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi

Das Gemälde von Schöne zeigt Johann Heinrich Pestalozzi <Pädagoge und Sozialreformer, Schweiz>

17. Februar 1827 - Todestag des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi

"Probieren geht über Studieren" oder auf Englisch: "learning by doing" - formuliert hat diese Idee als einer der Ersten Johann Heinrich Pestalozzi.

Er hat es nur anders gesagt: "Der Mensch muss sich in der Welt selbst forthelfen. Dies ihn zu lehren, ist unsere Aufgabe." Und damit gilt Pestalozzi als der Begründer der modernen Sozialpädagogik.

Biografie eines erfolgreichen Scheiterns

Im ersten Abschnitt seines Lebens ist Johann Heinrich Pestalozzi vor allem ein politischer Mensch, der ganz im Sinne von Jean-Jacques Rousseau an Gerechtigkeit, Freiheit und das Gute im Menschen glaubt.

"Seine Biographie könnte man bezeichnen als eine Biographie des höchst erfolgreichen Scheiterns", erklärt Michael Winkler, Professor für Pädagogik an der Universität Jena. "Eigentlich alle praktischen Projekte, die er realisiert hat, sind am Ende gescheitert."

Eine moderne Landwirtschaft muss er aufgeben

Geboren wird Johann Heinrich Pestalozzi 1746 in Zürich. Das Studium der Jurisprudenz in Zürich bricht er ab, weil er lieber praktisch arbeiten will. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre baut er eine moderne Landwirtschaft mit neuen Pflanzen und Düngemethoden auf - und muss aufgeben. Als er und seine Frau ab 1773/74 rund 40 verarmte Kinder zur Ausbildung aufnehmen, gehen sie pleite.

"Er geht dann über zu einer schriftstellerischen Tätigkeit, die ihn europaweit, ja fast weltweit berühmt macht", sagt Michael Winkler. Vor allem "Lienhard und Gertrud", ein Gesellschaftsroman über eine patriarchalische Dorfgemeinschaft, wird viel gelesen und besprochen.

Pestalozzi glaubt an die Erziehung zum guten Menschen

Noch vor 1800 verändert sich Pestalozzi: Er ist enttäuscht vom Verlauf der französischen Revolution. Dass der Mensch von Natur aus gut ist, glaubt er nicht mehr. Aber er glaubt an die Erziehung zum guten Menschen und wendet sich der Pädagogik zu.

Er übernimmt für kurze Zeit ein Waisenhaus in Stans. In der Zeit entsteht 1799 der berühmte Stanser Brief an einen Freund, Pestalozzis pädagogisches Vermächtnis. Pestalozzi vertritt darin einen ganzheitlichen Ansatz: Er glaubt, dass der Mensch nur lernen kann, wenn er sich in sich selbst findet - mit Kopf, Herz und Hand.

Erziehung gelingt nur, wenn sich Kinder geliebt wissen

Damit das gelingen kann, stellt er Bedingungen auf:

Bedingung Eins: Erziehung gelingt nur, wenn Grundbedürfnisse nach Essen und Sicherheit befriedigt sind.

Bedingung Zwei: Erziehung gelingt nur, wenn Kinder die Welt anschauen, anfassen und in ihren Grundprinzipien begreifen.

Bedingung drei: Erziehung gelingt nur, wenn sich Kinder geliebt wissen.

Ideen für anregenden und liebevollen Unterricht

Nach vier Monaten wird das Schulgebäude in Stans als Lazarett gebraucht. Pestalozzi richtet 1800 in Burgdorf eine erfolgreiche Schule ein, mit der er 1804 nach Yverdon-les-Bains umsiedelt. Endlich kann er seinen ganzheitlichen Lernansatz in die Tat umsetzen: Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Die Schule besteht bis 1825.

Am 17. Februar 1827 stirbt Johann Heinrich Pestalozzi mit 81 Jahren. Viele Lehrer haben sich seitdem Ideen für einen liebevollen und anregenden Unterricht bei ihm geholt.

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Stand: 17.02.2017, 00:00