3. Oktober 1997 - Erster bundesweiter Tag der offenen Moschee

Muslima  zeigt Besuchern Gebetssaal der Moschee in Hürth, 2012

3. Oktober 1997 - Erster bundesweiter Tag der offenen Moschee

Die einen nutzen die Gelegenheit, das so fremde Gebäude in ihrer Stadt mal von innen zu erkunden; andere wollen die Gebetskultur ihrer muslimischen Arbeitskollegen kennenlernen. Und wieder andere kommen voll Skepsis, um Antworten auf besorgte Fragen zu bekommen.

Die Neugier jedenfalls ist groß, als der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) am 3. Oktober 1997 zum ersten Tag der offenen Moschee einlädt. Mehr als 100.000 Bundesbürger informieren sich seither jedes Jahr in rund 1.000 teilnehmenden Moscheen über den Islam.

Tag der offenen Moschee eingeführt (am 03.10.1997)

WDR 2 Stichtag | 03.10.2017 | 04:16 Min.

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Hinterhof-Moscheen werden sichtbar

Dieser Beginn des Dialogs mit der Bevölkerung sei überfällig gewesen, meint damals der ZMD-Vorsitzende Nadeem Elyas selbstkritisch: "Zu lange haben die meisten Muslime gesagt: Was kümmert mich der christliche Nachbar, was kümmert mich die Kommune." Mit der Wahl des Datums 3. Oktober habe man ein Zeichen setzen wollen: "Zum Tag der deutschen Einheit wollen wir Muslime uns als ebenbürtige, gleichberechtigte Teile dieser Gesellschaft verhalten, auf die anderen zugehen und das Gespräch mit ihnen suchen."

Kölner Zentralmoschee.

Wartet noch auf ihre Eröffnung: Neue Kölner Zentralmoschee

Mehr als 300 Moscheenn sind seither in Deutschland entstanden, so etwa die lange umstrittene neue Zentralmoschee in Köln. Doch längst nicht alle sind an Kuppeln oder Minaretten erkennbar. Viele finden sich in Hinterhöfen, in tristen Lagerhallen und leeren Fabriken – nicht um sich zu verbergen, sondern weil dort die Mieten bezahlbar ist.

Staunen über schlichte Gebetsräume

Sauberkeit ist eine Erfordernis des Glaubens, lehrt der Prophet Mohammed. Nach dem Ausziehen der Schuhe beginnt ein Moscheebesuch deshalb für Männer mit einer rituellen Waschung. Frauen müssen den Kopf mit einem Tuch bedecken. Die eher schlicht wirkenden Gebetsräume bringen die meisten Besucher zum Staunen. Denn neben der Gebetsnische und der Kanzel für die Freitagspredigt bilden ornamentale Malereien und Koransuren an den Wänden oft den einzigen Raumschmuck.

Vor allem weibliche Besucher kritisieren immer wieder die als rückständig empfundene Trennung von Männern und Frauen beim Gebet. Von den Moscheeführerinnen und -führern wird dies meist mit Verweis auf das rituelle Niederwerfen beim Beten verteidigt: "Stellen Sie sich mal vor, dass Männer und Frauen dabei nebeneinander stehen. Der Islam sagt, wenn du betest, soll deine Konzentration nur Gott gehören."

Berührungsängste überwinden

Das Verhältnis zwischen den Religionen prägt viele Begegnungen beim Tag der offenen Moschee. Sorgen vor einer Islamisierung kommen zur Sprache, Ängste vor Terror und Empörung über Bespitzelungen durch Imame. "All diese Negativassoziationen werden auf die hier lebenden Muslime übertragen", sagt Thomas Lemmen, Islambeauftragter des Erzbistums Köln. Die reine Religionsausübung werde dann schnell als politisches Symbol interpretiert.

Sunniten und Schiiten, ethnische Konflikte, fundamentales oder modernes Koranverständnis: Nach Lemmens Erfahrung spiegeln sich die verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam natürlich in den deutschen Gemeinden wider. Vor allem jene Gemeinden, die aus Zusammenschlüssen türkischer "Gastarbeiter" entstanden sind, dürften nicht als homogene Glaubensgruppe gesehen werden: "Überall gibt es dieselben religiösen Anbieter, Organisationen und Strukturen wie in den Heimatländern."

Die Führerinnen und Führer am Tag der offenen Moschee sind weder geschulte Theologen noch Politikwissenschaftler, sondern Menschen aus ganz normalen Berufen. Ihre Aufgaben erfüllen sie zu 99 Prozent ehrenamtlich. Besucher sollten deshalb keine hochqualifizierten Antworten zu Religion und Politik erwarten. Dafür bietet der Tag der offenen Moschee Gästen wie Gastgebern die Chance, Berührungsängste zu überwinden und mit Fremdem vertraut zu werden.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 3. Oktober 2017 ebenfalls an den ersten Tag der offenen Moschee. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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