14. April 1917 - Todestag des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof

Ludwig Zamenhof

14. April 1917 - Todestag des Esperanto-Erfinders Ludwik Zamenhof

Wenn alle Menschen eine gemeinsame Sprache nutzten, würden sie einander verstehen und keine Kriege führen. Das hofft Ludwik Zamenhof, als er seine Kunstsprache erfindet, die bald alle Esperanto nennen. Doktor Esperanto, Doktor Hoffender, unter diesem Pseudonym hatte der Arzt seine erste Schriften veröffentlicht. Und sein Pseudonym wird bald zum Namen für die Sprache selbst, die dem "Geist der Brüderlichkeit und des Friedens" dienen soll.

Keine komplizierten Fälle

Esperanto ist leicht zu erlernen. Unregelmäßige Verben gibt es nicht, nur einen Artikel, keine Groß- und Kleinschreibung, und überhaupt: keine Ausnahmen in der Grammatik. Alle Wörter werden so ausgesprochen wie sie geschrieben werden – und regelmäßig von einem Wortstamm abgeleitet. Liebe ist zum Beispiel amo und Hass eben malamo. Ich liebe Dich: Mi amas vin.

Internet heißt auf Esperanto Internetto und Computer Computilo. Worte, die Ludwik Zamenhof im 19. Jahrhundert noch nicht kennen konnte.

Sprachengemisch aus Polnisch, Jiddisch und Russisch

Er ist 1859 in Białystok geboren, damals Russland, heute Ostpolen. In einem Sprachengemisch aus Polnisch, Jiddisch und Russisch wächst der Sohn in einer jüdischen Familie auf. "In dieser Stadt, mehr als irgendwo sonst, fühlt eine empfindsame Seele das schwere Unglück der Sprachverschiedenheit", sagte Ludwik Zamenhof einmal über seine Heimat, ein verstörendes Babylon.

Dem setzt Zamenhof schon als Schüler seine eigene Sprache entgegen. An seinem 18. Geburtstag präsentiert er eine erste Fassung seiner "Lingwe Uniwersale" – indem er mit Freunden ein Lied singt.

Esperanto breitet sich bis nach Westeuropa aus

1885 ist seine "Internationale Sprache" fertig. Ein vierzigseitiges Lehrbuch erscheint zwei Jahre später zuerst auf Russisch, dann in weiteren Sprachen. Und Zamenhof will, dass seine Sprache lebt, nicht nur auf dem Papier, auch unter Menschen – und das gelingt.

Es gelingt, weil vor allem die städtischen Intellektuellen im reaktionären russischen Zarenreich, darunter viele Juden, Zamenhofs Universalsprache begeistert aufnehmen und verbreiten. Im Gegensatz zu Englisch steht Esperanto nämlich für eine gleichberechtigte und neutrale Kommunikation in der Welt – weil kein Muttersprachler Vorteile hat. Diese Idee fasziniert Zamenhofs Anhänger, die bis zum Ersten Weltkrieg auf allen Kontinenten Esperanto-Fördervereine gründen.

Zamenhof tritt bewusst langsam in den Hintergrund und arbeitet hauptberuflich als Augenarzt, erst in Warschau, dann in Wien.

Immer wieder wird Esperanto verboten

Den Weltfrieden kann er jedoch nicht erwirken. Das wird spätestens mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs klar, den Zamenhof auf dem Weg zum 10. Esperanto-Weltkongress in Paris erlebt. Erst Wochen später gelangt er über einen Umweg nach Skandinavien in seiner Wiener Zuhause. Bis zu seinem Tod am 14. April 1917 arbeitet er dort als Augenarzt.

In den Diktaturen des 20. Jahrhunderts wird Esperanto immer wieder verboten und schließlich von der englischen Sprache verdrängt.

1,5 Milliarden Menschen sprechen heute Englisch im Vergleich zu mehreren 100.000 Esperantisten. Doch wer Esperanto kann, gehört zu einem engen weltumspannenden Netzwerk.

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Stand: 14.04.2017, 00:00