16. Juli 1732 - Piratenjäger Woodes Rogers stirbt auf Bahamas

Woodes Rogers landet 1709 in Kalifornien

16. Juli 1732 - Piratenjäger Woodes Rogers stirbt auf Bahamas

In Hollywood sind sie Archetypen: die Piraten der Karibik am Anfang des 18. Jahrhunderts. "Dieses romantische Bild der Piraterie ist völlig falsch", sagt Hartmut Roder. Lange Zeit hat der Historiker und Piratenexperte das Übersee-Museum in Bremen geprägt und das bekannte Buch "Piraten: Die Herren der Sieben Meere" geschrieben. An Hollywood-Piraten wie Johnny Depps Captain Jack Sparrow oder Errol Flynns Peter Blood stört Roder einiges. "An Bord eines Schiffes war es unglaublich beengt. Wenn sie eine Kaperung geschafft hatten, feierten die Piraten. Aber das Ganze war eine Strecke von Langeweile, Abwarten und Bedrängnissen auf diesem engsten Raum."

Neben den ungemütlichen Bedingungen an Bord drohte Gefahr von Piratenjägern aufgespürt zu werden. Der bekannteste jener Zeit ist der Engländer Woodes Rogers. "Diese Piraten leben ohne Regierung. Wenn sie etwas beschaffen, verprassen sie es sofort. Und wenn sie Geld und Alkohol haben, betrinken sie sich und spielen, bis alles weg ist", schreibt Rogers in seinen Memoiren "A Cruising Voyage Round the World".

Freibeuter sollen Handelsschiffe anderer Länder ausrauben

Woodes Rogers weiß, mit wem er es zu tun hat. Denn bevor er als Piratenjäger arbeitet, ist er selbst als Kaperfahrer unterwegs, als Freibeuter im Auftrag der englischen Admiralität. "Seeraub war ein Mittel, andere Staaten zu bekämpfen. Eine Marine aufzubauen war aufwendig und kostspielig. Aus diesem Grund hat England den Bereich schon damals privatisiert", erklärt Roder. Freibeuter dürfen Handelsschiffe anderer Länder angreifen und ausrauben – ein Fünftel der Beute geht eine Zeit lang als Provision an die englische Krone.

Woodes Rogers, brit. Freibeuter (Todestag im Juli 1732)

WDR ZeitZeichen | 16.07.2017 | 14:45 Min.

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Der knapp 30-jährige Seefahrer und Reeder Woodes Rogers aus Bristol lässt sich auf ein legales und einträgliches Geschäft ein. Am 1. August 1708 sticht er mit den beiden Kaperschiffen Duke und Duchess in See und raubt erfolgreich spanische und französische Schiffe aus.

Linke Wange durchschossen, Knöchel in Stücke gerissen

"Wir stellen uns die Kaperung eines Schiffes wie in einem Hollywoodfilm vor: Pulverdampf fliegt durch die Luft, es wird gekämpft. In Wirklichkeit fanden 90 Prozent aller Kaperungen ohne irgendeine Art von großartigem Kampf statt", betont Roder.

Im Fall von Woodes Rogers erstaunt das nicht: Er hat auf seinen beiden Schiffen über 200 Mann Besatzung. Ein durchschnittliches Handelsschiff kommt dagegen auf knapp 20 Mann.

Ganz ohne Verletzungen kommt Rogers jedoch nicht davon. "Meine linke Wange wurde durchschossen, die Kugel schlug einen großen Teil meines Unterkiefers weg sowie mehrere Zähne, von denen einige aufs Deck fielen, wo ich zu Boden ging. Kurz darauf wurde ich erneut unglücklich verwundet. Ein Teil meines Fersenbeins wurde von einem Splitter herausgeschlagen und mein Knöchel halb in Stücke gerissen", schreibt er in seinen Memoiren. Und Roder bestätigt: "Die Piraten haben natürlich ein Holzbein, sie haben Narben. Das ist eine der wenigen Sachen, die Hollywood übernommen hat, und die tatsächlich so sind. Die Seefahrt war ein extrem gefährliches und Piraterie ein noch viel gefährlicheres Hobby."

Woodes Rogers gilt als tollkühner Macher

Nach drei Jahren Kaperfahrt kehrt Rogers 1711 zurück nach England. Er hat die Welt umsegelt, nach heutigem Kurs rund 20 Millionen Pfund Gewinn gemacht und nebenbei einen Seemann von einer einsamen Insel gerettet: den Schotten Alexander Selkirk, der zum Vorbild für die Figur des Robinson Crusoe wird. "Das hat ihm in der englischen Gesellschaft den Ruf eingebracht, ein tollkühner Macher zu sein", sagt Hartmut Roder.

Freibeuter sind auf einmal illegale Outlaws

1718 wird Woodes Rogers vom König zum ersten Gouverneur der Bahamas ernannt. Er soll dort die Piraterie beenden. Die Engländer haben die Freibeuter in der Karibik zwar selbst angeheuert, damit sie Schiffe feindlicher Nationen plündern. Aber nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1714 will das Land mit ihnen nichts mehr zu tun haben.

"Auf einmal sind diese Freibeuter Outlaws, Illegale, Gegner. Sie nützen nichts mehr, sie schaden", so Roder. Und werden von der britischen Krone erbarmungslos bekämpft. Wer nicht auf das Angebot des Gouverneurs Woodes Rogers eingeht, der Piraterie abzuschwören, wird gehängt. Als Rogers am 16. Juli 1732 mit 53 Jahren in Nassau stirbt, hat er sein Ziel weitgehend erreicht.

"Die Piraterie war als Massenphänomen 1732 abgeschafft. Danach beginnen die Literaten mit den Piraten zu arbeiten. Dann kommen die Hollywoodregisseure – und prägen unser Bild bis heute", sagt Roder.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 16. Juli 2017 ebenfalls an Woodes Rogers. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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