5. Februar 1966 - Mediziner Max Bürger stirbt in Leipzig

Max Bürger

Stichtag

5. Februar 1966 - Mediziner Max Bürger stirbt in Leipzig

An die Möglichkeit der ewigen Jugend glaubt Max Bürger nie. Für den Wissenschaftler steht Anfang des 20. Jahrhunderts fest: Altern ist ein irreversibler, physiologischer Prozess. Da steckt die Wissenschaft über das Alter und Altern - die Gerontologie - noch in den Kinderschuhen und ist wenig anerkannt. "Dass ich alt werde, weiß ich selbst. Das brauchen Sie mir gar nicht erst wissenschaftlich zu belegen", muss sich Bürger von seinem Klinikleiter Professor Alfred Schittenhelm anknurren lassen. Später muss dieser einräumen, dass er durch die Erkenntnisse seines Schülers viel gelernt hat.

Max Bürger will den unaufhaltbaren Prozess des Alterns begreifen und dokumentieren - von der Wiege bis zur Bahre. Biochemische Untersuchungen von Föten bis zu Greisen bilden den Ausgangspunkt seiner Forschungen. "In den späten 20er und frühen 30er Jahren hat er damit angefangen, dass er Gewebe untersucht hat, was wenig Kontakt zum Organismus hat", erklärt Ärztin Sandra Blumenthal, die zu Max Bürger forscht und promoviert. Am Knorpelgewebe hofft der Internist, altersbedingte Strukturveränderungen isoliert betrachten zu können.

Wissenschaftliches Aushängeschild der DDR

Max Bürger selbst ist zu diesem Zeitpunkt in den besten Jahren - geboren am 16. November 1885 in Hamburg als Sohn eines Studienrates. Nach dem Medizinstudium arbeitet er im Ersten Weltkrieg als Truppenarzt, habilitiert während eines Heimaturlaubs in Kiel und bekommt dort seine erste Professur. In den folgenden Jahren macht sich Bürger unter anderen mit der Erforschung von Stoffwechselerkrankungen einen Namen. 1937 wird er Direktor der Medizinischen Klinik an der Universität Leipzig, damals die größte und modernste Einrichtung in Deutschland.

Ein Jahr später gründet Bürger die "Deutsche Gesellschaft für Altersforschung", die später in Alternsforschung umbenannt wird, sowie eine Fachzeitschrift. Es sind Grundpfeiler für die Entwicklung der Gerontologie. Wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wird Max Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Leipziger Klinikleiter abgesetzt. Der Mangel an qualifizierten Ärzten verhilft ihm rasch wieder in Amt und Würden. Bürger wird sogar zum Aushängeschild für die medizinische Wissenschaft in der DDR. Für seine Verdienste um die Alternsforschung erhält er 1956 die vom westdeutschen Ärztetag gestiftete Paracelsus-Medaille, eine der höchsten Auszeichnungen in der Medizin.

Jeder Alterungsprozess ist individuell

Dabei geht es Max Bürger gar nicht vorrangig um Greise. Ihn interessieren die Wandlungen im Laufe eines Lebens, die er Biomorphosen nennt und blumig als "Melodie des Lebens" beschreibt. "Die Lebensmelodie verläuft in drei Strophen. Die erste Strophe beinhaltet die Aufbauperiode des Organismus, die zweite die Lebenshöhe und die dritte Strophe die Abbauperiode", sagt Bürger. Er erkennt erstmals, dass Entwicklung und Altern eine Einheit bilden und dass der Alterungsprozess ein individueller ist. Die Phasen dauern für jeden verschieden lange, so dass kalendarisches und biologisches Alter abweichen können. "Es gibt greise Jünglinge und junge Greise", sagt Bürger.

Im Gegensatz zu anderen Forschern seiner Zeit ist Bürger kein Verfechter von Verjüngungstheorien. Das sei ohnehin vergeblich. Vielmehr rät er, dass man sich mit den physiologischen Gegebenheiten einfach arrangieren und sozusagen das Beste daraus machen sollte. Außerdem plädiert der Internist dafür, bei der Betrachtung und Behandlung von Krankheiten, Alter und Geschlecht eines Patienten zu berücksichtigen. Ein seinerzeit neuer und moderner Ansatz. Sein 1947 erschienenes Buch "Altern und Krankheit" zählt bis heute zu den Standardwerken der Gerontologie. Bürger selbst wird 80 Jahre alt und stirbt am 5. Februar 1966 in Leipzig an den Folgen eines Schlaganfalls.

Stand: 05.02.2016

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