15. Januar 1926 - Maria Schell wird geboren

Portrait von Geburtstag Maria Schell (österr. Schauspielerin)

Stichtag

15. Januar 1926 - Maria Schell wird geboren

Bei Maria Schell können die Zuschauer zur gleichen Zeit weinen und lachen. Dafür  liegt ihr das bundesdeutsche Publikum in der Nachkriegszeit zu Füßen. Von der Kritik allerdings hagelt es für ihr Schnulzenkino Verrisse. Der abwertend gemeinte Beiname "Seelchen" wird der österreichischen Schauspielerin trotzdem nicht gerecht. "Da geh ich gern auf die Barrikaden", wird Schell einmal sagen. "Ich finde, das Wort umfasst meine Arbeit nicht genügend."

Tatsächlich ist Maria Schell einer der wenigen deutschsprachigen Weltstars der 50er Jahre, der es sogar nach Hollywood schafft. Danach entwickelt sich ihr Leben selbst zu einem Melodram.

Im Film die große Liebe

Geboren wird Schell am 15. Januar 1926 in Wien. Der Vater ist ein Dichter aus der Schweiz, die Mutter österreichische Schauspielerin. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland zieht die Familie nach Zürich. Die Mutter will, dass ihre Tochter in ihre Fußstapfen tritt; der Vater indes hält einen "vernünftigen" Beruf als Lebensbasis für ratsam. Schell beginnt deshalb eine kaufmännische Lehre, die sie aber abbricht, um in Zürich Schauspielunterricht zu nehmen. Mit 16 Jahren steht sie erstmals vor der Kamera, mit 23 spielt sie ihre erste Hauptrolle.

1951 gelingt Schell mit dem Arztfilm "Dr. Holl" an der Seite von Dieter Borsche der Durchbruch. Als sterbenskranke Industriellentochter, die dank der Liebe zu ihrem Arzt gesundet, kann sie ihre ganzen Qualitäten ausspielen. Mit sechs Millionen Zuschauern ist "Dr. Holl" der bisher größte Erfolg in den bundesdeutschen Kinos. Bei den ersten Internationalen Filmfestspielen von Berlin erhält der Film eine Ehrenurkunde für den "hinsichtlich der schauspielerischen Leistung besten deutschen Film".

Entdeckt von Yul Brunner

Aber Schell will sich nicht auf Schmachtfetzen reduzieren lassen. Immer wieder spielt sie in anspruchsvollen Produktionen, auch auf der Bühne. Für ihre Rolle in Helmut Käutners Antikriegsfilm "Die letzte Brücke" wird sie 1954 in Cannes mit dem Großen Preis der Internationalen Filmfestspiele als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Zwei Jahre später spielt sie in dem von einem Oscar gekrönten französischen Kinodrama "Gervaise" als Hauptrolle eine junge verlassene Wäscherin, die viele Schicksalsschläge meistert. Bei der Preisverleihung in Los Angeles wird sie von Yul Brunner für die Dostojewski-Verfilmung "Die Brüder Karamasow" (1958) entdeckt. Danach spielt sie unter anderem mit Gary Cooper und Glenn Ford.

Mitte der 60er Jahre beginnt Schells Stern zu sinken. Ihre Ehen mit zwei Regisseuren scheitern, ihre Freigiebigkeit bringt sie um ihr Vermögen, Alkohol und mehrere Depressionen beeinträchtigen ihre Arbeit. In den 70er Jahren spielt sie in deutschen Krimiserien wie "Derrick" oder "Tatort", 1976 schafft sie ein kleines US-Comeback am Broadway.

1991 versucht Schell, sich das Leben zu nehmen. Danach zieht sie sich auf eine von den Eltern geerbte Alm in Kärnten zurück. Nach zwei Schlaganfällen stirbt sie, altersdement geworden, 2005 in Preitenegg.  

Stand: 15.01.2016

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