8. Januar 1946 - Gründungsversammlung der CSU

Stimmabgabe von Hans Ehart (CSU) und Alois Egger (CSU) bei einer Abstimmung im bayerischen Landtag in München im Mai 1949

Stichtag

8. Januar 1946 - Gründungsversammlung der CSU

"Wenn man manchmal sagt, in Bayern gehen die Uhren anders, kann das höchstens heißen, dass sie anderswo falsch gehen." Franz Josef Strauß liebt eine klare Sprache. Er ist von 1961 bis 1988 Vorsitzender der Christlich-Sozialen Union (CSU) und prägt die Partei wie kein anderes Mitglied. Der Metzgersohn ist von Anfang an dabei: Als knapp 30-Jähriger beteiligt er sich 1945 an der Gründung des CDU-Kreisverbandes in Schongau. Doch damals haben noch andere das Sagen.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schließen sich an vielen Orten in Bayern politisch Interessierte zusammen, die sich in altbayerisch-katholischer Tradition sehen. Darunter sind unter anderem ehemalige Mitglieder der im "Dritten Reich" aufgelösten Bayerischen Volkspartei (BVP) und des Bayerischen Bauernbundes (BB). Sie wollen gegen sozialdemokratische und kommunistische Bestrebungen antreten und bilden - teilweise unabhängig voneinander - lokale Parteigruppierungen. Gründungszentren sind Würzburg und München. Am 12. September 1945 wird bei einem Treffen im Münchner Rathaus der Name der neuen Partei festgelegt: "Bayerische Christlich-Soziale Union". Später wird der Katholik Josef Müller zum ersten Landesvorsitzenden gewählt. Der promovierte Volkswirt und Jurist wird von allen "Ochsensepp" genannt, weil er noch als Student das Ochsengespann seines Vaters gelenkt hat.

Von den Amerikanern lizeniert

Der Bauernsohn Müller war während der Nazi-Zeit im militärischen Widerstand aktiv, überlebte die Konzentrationslager Buchenwald, Flossenbürg und Dachau. Als er und andere Häftlinge Ende April 1945 von einer SS-Einheit als menschliche Schutzschilde nach Südtirol verschleppt wurden, befreite ihn dort die US-Armee. Bereits damals verständigte sich "Ochsensepp" mit den Amerikanern locker über die Gründung einer neuen Partei. Sein Lizenzantrag wird genehmigt, die Militärregierung streicht allerdings das Wort "Bayerische" aus dem Parteinamen. "Am 8. Januar 1946 übergaben die Amerikaner mir die eigentliche Lizenzurkunde, die mich zur Gründung der CSU auf Landesebene ermächtigt", schreibt Müller in seinen Lebenserinnerungen. Am selben Tag trifft er sich mit seinen Leuten zur gesamtbayerischen Gründungsversammlung. Bei der ersten Landtagswahl im Dezember 1946 wird die CSU mit 52,3 Prozent die stärkste Partei Bayerns.

Über den inhaltlichen Kurs des neuen Zusammenschlusses wird allerdings fast zehn Jahre lang gestritten. Alois Hundhammer will nur Katholiken als Parteimitglieder, Protestanten sollen ausgeschlossen sein. Müller hingegen tritt für eine Öffnung der CSU ein: Sie soll konfessionsübergreifend sein und über Bayern hinaus die Politik in ganz Deutschland mitbestimmen. Karl Scharnagel wiederum sieht im Liberalismus die Zukunft. Zudem gibt es einige Separatisten, die mit der neu gegründeten Bayernpartei zusammenarbeiten wollen.

Vom Altherrenklub zur Massenpartei

Nach ersten Erfolgen gerät die CSU immer weiter in die Krise. 1954 verliert sie die Landtagswahl und muss - bis heute ein einmaliges Ereignis - in die Opposition. Das ist die Stunde der Reformer: Der neue Vorsitzende Hanns Seidel modernisiert zusammen mit Strauß die gesamte Parteiorganisation. "Ich bin damals mehr dem sogenannten linken Flügel zugerechnet worden", sagt Strauß später. Die CSU wandelt sich vom Altherrenklub zu einer Massenpartei mit Gremien, Verbänden und Vereinen. Als Strauß schließlich an der Spitze der Partei steht, hat die CSU das "Ochsensepp"-Konzept vollständig übernommen. Sie ist zu einer christlichen Volkspartei in Bayern geworden - für alle Wähler rechts der SPD.

Mit Parteichef Strauß, der ab 1978 auch bayerischer Ministerpräsident ist, verstärkt die CSU ihren Einfluss auf die Bundespolitik - so wie es sich einst der "Ochsensepp" gewünscht hat. Für seine politischen Partner in der Schwesterpartei CDU ist Strauß allerdings unangenehm. Er macht keinen Hehl daraus, dass er von Helmut Kohl, damals als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch Oppositionsführer, nur wenig hält. Als Strauß 1980 jedoch Kanzler werden will, scheitert er bei der Bundestagswahl und kehrt geschlagen nach München zurück. In Bonn mischt er sich jedoch weiter ein. Nach Strauß' Tod 1988 wird die CSU durch Nachfolgekämpfe geschwächt. Zu lange war die Partei allein auf ihn zugeschnitten. Erst dem Vorsitzenden Horst Seehofer gelingt es ab 2008, die Partei wieder auf einen aufsteigenden Kurs zu bringen - unter anderem mit bundespolitischem Störfeuer aus Bayern.

Stand: 08.01.2016

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