Bayer Leverkusen hofft auf den Coup

Bayer Leverkusens Roger Schmidt lacht

Vor dem Topspiel gegen den FC Bayern

Bayer Leverkusen hofft auf den Coup

Die Unruhe bei Bayern München ist Roger Schmidt egal. Dennoch hofft der Trainer von Bayer Leverkusen auf einen Coup. Der 48-Jährige zeigte sich vor dem Aufeinandertreffen auffallend selbstbewusst.

Es gab schon schlechtere Zeitpunkte für ein Heimspiel gegen den FC Bayern als diesen Samstag (06.02.2016, 18.30 Uhr), an dem Bayer Leverkusen die bisher scheinbar übermächtigen Münchener empfängt. In Jerome Boateng und Javi Martinez sind zwei wichtige Stützen der Bayern-Defensive ohnehin verletzt – auch der als Notnagel verpflichtete Ersatzmann Serdar Tasci fällt wegen einer leichten Gehirnerschütterung in Leverkusen aus.

So dürfte das Experiment mit Mittelfeldspieler Joshua Kimmich im FCB-Abwehrzentrum in die zweite Runde gehen – Kimmich spielt wohl neben dem einzigen verbliebenen Innenverteidiger Holger Badstuber. Gegen Hoffenheim hatte das Duo wenig Mühe mit dem Gegner, bei den offensivstarken Leverkusenern dürfte das anders aussehen.

Medienschelte vom FCB-Sportvorstand

Zudem mussten sich die Bayern-Verantwortlichen zuletzt immer häufiger zu Nebenschauplätzen äußern, etwa zur "Maulwurf-Affäre", zu angeblich schlechter Stimmung im Team oder zu angeblichen Undiszipliniertheiten einzelner Spieler, zuletzt des Ex-Leverkuseners Arturo Vidal. Sportvorstand Matthias Sammer sah sich danach zu einer Medienschelte bemüßigt – ein Indikator dafür, dass die Themen nicht spurlos am FC Bayern vorübergegangen sind.

Ob diese Gemengelage ein Vorteil für die Werkself sein könnte, wurde Bayer-Coach Roger Schmidt am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gefragt. "In jedem Verein und in jeder Mannschaft gibt es mal ein Problem. Deshalb sollte man die Sachen nicht überbewerten", sagte Schmidt: "Wir werden nicht denken, dass Bayern nicht mehr Fußball spielen kann." Er glaube schließlich auch nicht daran, "dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet", ergänzte Schmidt.

Bayer-Coach glaubt an eigene Stärke

Hakan Calhanoglu (l.) und Arturo Vidal

Im Hinspiel hatten die Münchner um Arturo Vidal (r.) die Nase vorn

Roger Schmidt hofft nicht etwa auf eine Schwäche des Gegners, er schenkt auch der Statistik keine Beachtung – immerhin gewannen die Bayern von den jüngsten sechs Gastspielen in Leverkusen nur eines. Der 48-Jährige ist selbstbewusst genug, um an die eigenen Stärken zu glauben: "Wir wissen, dass wir – wenn wir Effizienz und Spielglück haben – an einem Tag besser sein können als Bayern München und dass wir dann auch gegen sie gewinnen können", erläuterte er: "Dafür brauchen wir einen Super-Tag und müssen Mut haben. Aber mutlos waren wir in dieser Saison noch nie."

"Andere Situation" - dank Hernández

Schmidt gab seine Pressekonferenz in Leverkusen am Freitag deutlich gelassener und lockerer als wenige Minuten zuvor sein Kollege Pep Guardiola in München. Es sei "nun eine ganz andere Situation" als im Hinspiel Ende August, als Bayer sich dem Meister ergab und am Ende 0:3 verlor, sagte Schmidt. Zum einen habe sein Team diesmal kein zusätzliches Europacup-Spiel unter der Woche in den Knochen, zum anderen war die Partie in München für Bayer die letzte vor der Verpflichtung des Torjägers Javier Hernández. Der "Chicharito" genannte Mexikaner trug mit 13 Toren in 16 Bundesliga-Spielen seither sehr zum Leverkusener Aufschwung bei.

Doppelspitze Hernández/Kießling gut in Form

Zuletzt zeigte sich die Doppelspitze aus Hernández und Stefan Kießling in prächtiger Form. Beim 3:0-Sieg gegen Hannover 96 zeichneten die beiden für alle drei Tore verantwortlich. Vor allem vor dem Mexikaner hat Bayern-Coach Guardiola Respekt: "Seine Nase im Strafraum ist außergewöhnlich", sagte der am Saisonende zu Manchester City wechselnde Trainer über den Bayer-Stürmer.

Javier Hernandez von Bayer Leverkusen umarmt seinen Mannschaftskollegen Stefan Kießling

Bayers Doppelspitze Hernández und Kießling

Auch dank Hernández hat die Werkself nach durchwachsenen Phasen in der Hinrunde mittlerweile offenbar zu ihrem Spiel gefunden, lieferte in der jüngeren Vergangenheit konstant gute Ergebnisse ab: Seit sechs Pflichtspielen ist die Werkself unbesiegt – es ist ihre längste Erfolgsserie in der aktuellen Saison. Und noch läuft sie ja. Wenn man Bayer-Mittelfeldspieler Kevin Kampl glaubt, wäre ein Remis des Tabellenvierten gegen den Spitzenreiter nur ein Teilerfolg: "Unser Ziel ist es nicht, nur einen Punkt zu holen", sagte Kampl.

Stand: 05.02.2016, 16:02