BVB im Pokal in Stuttgart

Roman Bürki

Roman Bürki - Da geht noch einiges

BVB im Pokal in Stuttgart

Von Marcus Bark

Borussia Dortmunds Roman Bürki darf sich für das Viertelfinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart auf einige Arbeit einstellen. Seine Bilanz bislang ist durchwachsen. Da geht noch einiges.

Der Gegner ist derselbe geblieben, und doch hört er sich ganz anders an. Ein Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart bescherte Handball-Nationaltorwart Carsten Lichtlein dem BVB bei der Auslosung für das Viertelfinale im DFB-Pokal. Damals waren die Schwaben auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga, hatten nur zwölf Punkte aus 16 Spielen geholt. Inzwischen sind zwölf weitere hinzugekommen, aus nur vier Spielen. Mehr geht nicht.

In jenen vier Partien unter Anleitung des neuen Trainers Jürgen Kramny erzielte der VfB im Schnitt drei Tore, zuletzt waren es sogar vier beim Auswärtssieg in Frankfurt. Borussia Dortmund geht zwar immer noch als Favorit in das Spiel am Dienstag (09.02.16, ab 20.15 Uhr, live im Ersten), aber der Schwierigkeitsgrad ist deutlich höher einzuschätzen als noch vor knapp zwei Monaten.

Beide Teams mit Stärken in der Offensive

Wie beim BVB liegen die Stärken der Stuttgarter in der Offensive. Beide Mannschaften geben im Schnitt mehr als 15 Schüsse pro Bundesligaspiel auf das Tor des Gegners ab. Es ist also davon auszugehen, dass Roman Bürki in den 90 oder auch 120 Minuten einiges an Arbeit bekommen wird, was als klassische Arbeit für einen Torwart gilt.

Seit Jahren aber haben Torhüter im modernen Fußball auch noch andere Aufgaben. Vermutlich gerade deshalb verpflichtete der BVB den 25 Jahre alten Schweizer vom jetzigen Zweitligisten SC Freiburg. Der Plan des Dortmunder Trainers Thomas Tuchel sieht vor, deutlich mehr am Ball zu sein als der Gegner. Da der Torwart in der Regel frei steht und daher eine gute Anspielstation darstellt, spielt er bei einer solchen Taktik eine wichtige Rolle.

Bürki: "Kritik war meistens berechtigt"

Tuchel mag es zudem, wenn seine Mannschaft weit vorne und von den Mannschaftsteilen her eng beieinander den Gegner attackiert. So kann der Raum zwischen Torwart und Viererkette ziemlich groß werden. Es sei denn, der Torwart wird vom Trainer aufgefordert oder traut sich zu, die Fläche zu verkleinern, indem er weit vorrückt. Bei Bürki ist dieser Mut nicht zu erkennen, genauso wenig eine Anweisung des Trainers.

Beim Spitzenspiel in München etwa, das der BVB mit 1:5 verlor, wirkte sich dies negativ aus, im vergangenen Heimspiel gegen den FC Ingolstadt mussten die Dortmunder auch eine heikle Situation überstehen, als sich dem Gegner ein riesiger Raum bot, in den ein weiter Pass auf den Stürmer gespielt wurde. Bürki hat noch in allen Bereichen Steigerungsbedarf, das gibt er auch zu. "Ich war nicht so konstant, wie ich es mir gewünscht hätte", sagte er der Funke Mediengruppe während des Wintertrainingslagers, "die Kritik war meistens berechtigt."

Durchwachsene Statistiken

Bürki blieb in sechs von 20 Bundesligaspielen ohne Gegentor, genau wie Darmstadts Christian Mathenia, er kassierte 24 Treffer, genau wie der Mainzer Loris Karius. Das Fachmagazin kicker führt nur den Bremer Torwart Felix Wiedwald als schwächer auf. Trotzdem ist Roman Bürki, der sehr wahrscheinlich als zweiter Torwart der Schweiz zusammen mit Gladbachs Yann Sommer und Augsburgs Marwin Hitz zur EM fahren wird, ohne Zweifel die Nummer Eins im Tor des BVB. Roman Weidenfeller, der gerade erst einen neuen, nun bis Sommer 2017 gültigen Vertrag unterschrieb, muss sich mit Einsätzen in der Europa League trösten. Er galt als Auslaufmodell, weil seine fußballerischen Fähigkeiten limitiert sind. Roman Bürki hat bewiesen, dass er in dieser Hinsicht besser ist, aber den Beweis eines bemerkenswerten Upgrades ist er noch schuldig geblieben.

Stand: 08.02.2016, 15:30