TTC Bergneustadt - Erfolgsgeschichte mit Haken

Benedikt Duda bei der DM 2015

Final-Four-Turnier um Tischtennispokal

TTC Bergneustadt - Erfolgsgeschichte mit Haken

Von Volker Schulte

Im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Düsseldorf und Timo Boll: Der TTC Schwalbe Bergneustadt steht vor dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte. Der Klub bietet hochklassiges Tischtennis mit familiärem Flair - aber kaum einer merkt es.

Fast alle Zutaten für eine perfekte Erfolgsgeschichte sind vorhanden: begeisterte Ehrenamtliche, ein finanzstarkes örtliches Unternehmen, große Talente in den eigenen Reihen. So hat es der Traditionsverein TTC Schwalbe Bergneustadt 2014 erstmals in die Tischtennis-Bundesliga geschafft - und in diesem Jahr auch zum Final-Four-Turnier um den nationalen Pokaltitel. Dort ist Bergneustadt am Samstag (09.01.2016) um 11 Uhr in Neu-Ulm gegen Düsseldorf zwar Außenseiter, aber "wir sind super happy, dass wir dabei sind", sagte Sportdirektor Heinz Duda zu WDR.de.

Tischtennis-Familie Duda

Steffen Mengel beim Supercup 2015

Steffen Mengel beim Supercup 2015

Duda ist seit 40 Jahren aktiv in seinem Heimatverein, hat selbst in der dritthöchsten Liga gespielt. Auch seine Söhne sind tischtennisbegeistert: Frederik spielt in der aktuellen Drittligamannschaft des TTC - und Benedikt ist bis in den Nationalkader aufgestiegen. Benedikt Dudas großes Talent ist einer der Gründe, warum Bergneustadt 2014 den kostenintensiven Sprung in die Bundesliga gewagt hat. Der Verein holte Nationalspieler Steffen Mengel zurück, verpflichtete den brasilianischen Top-50-Spieler Gustavo Tsuboi und zog für die Heimspiele in die große Schwalbe-Arena, wo auch der Handball-Bundesligist VfL Gummersbach seine Partien austrägt. "Das erste Jahr Bundesliga war ein Testballon", sagt Duda.

Drei deutsche Nationalspieler

Das Ergebnis: Bergneustadt wurde Siebter in der Zehner-Liga, hatte Spaß am Abenteuer Bundesliga und verlängerte die Verträge mit Mengel und Duda um drei Jahre. Zudem holte der Klub Ricardo Walther vom TTC Hagen und hat damit als einziger Bundesligist derzeit drei Nationalkader-Profis im Team. "Unser Konzept bleibt es, auf heimische Nachwuchsspieler zu setzen und so dem deutschen Tischtennis einen Dienst zu erweisen", sagt Duda.

Duda in Topform

Derzeit liegt Bergneustadt nach sechs Siegen aus zwölf Bundesligaspielen als Sechster fernab der Abstiegsplätze - trotz einer langwierigen Armverletzung von Tsuboi. Besonders Benedikt Duda ist gut aufgelegt, sicherte Anfang Januar mit zwei Einzelsiegen den 3:2-Erfolg beim Tabellennachbarn SV Werder Bremen.

Das Zuschauerproblem

Die Gummersbacher Schwalbe-Arena

Die Gummersbacher Schwalbe-Arena

Der Plan geht also auf - aber die Menschen im Oberbergischen Kreis lässt das weitgehend kalt. Obwohl außer bei den Gummersbacher Handballern in der Region kaum Spitzensport zu finden ist, kommen zu den Heimspielen des TTC nur zwischen 100 und 400 Zuschauer. "Ich bin immer mehr enttäuscht", sagt Duda. Der Verein habe alles ausprobiert bis hin zum Verteilen von Freikarten, aber selbst die vielen Hobby-Tischtennisspieler würden sich kaum blicken lassen. "Ich verstehe das nicht und ich weiß auch nicht, was wir sonst noch machen sollen."

Düsseldorf unter Zugzwang

Lichtblicke in der manchmal frustrierenden Vereinsarbeit sind Spiele wie das Pokalhalbfinale gegen Düsseldorf. Im anderen Halbfinale stehen sich am Samstag Vorjahresfinalist TTC Fulda-Maberzell und der 1. FC Saarbrücken gegenüber. Benedikt Duda schätzt die Chancen von Bergneustadt gegen Rekordmeister Düsseldorf 30:70 - Vater Heinz ist da noch skeptischer. "Die Düsseldorfer spielen verletzungsbedingt eine katastrophale Saison. Deswegen gehe ich davon aus, dass sie den Pokal unbedingt gewinnen wollen und in Bestbesetzung antreten." Starspieler Timo Boll ist nach langer Verletzungspause wieder einsatzbereit, auch Patrick Franziska wird wohl auflaufen.

Lob von Boll

Bergneustadt sei "eine gute junge Truppe, auf jeden Fall gefährlich und sehr ausgeglichen", wird Boll in einem Interview auf der Webseite der Tischtennis-Bundesliga zitiert. Heinz Duda wird es freuen, dass die erstaunliche Erfolgsgeschichte aus Oberberg mancherorts eben doch wahrgenommen wird.

Stand: 08.01.2016, 13:25