Borussia Düsseldorf - der Riese wankt

Borussia Düsseldorf

Tischtennis-Bundesliga

Borussia Düsseldorf - der Riese wankt

Von Jens Mickler

Die Playoff-Spiele um die deutsche Tischtennis-Meisterschaft ohne Borussia Düsseldorf? Undenkbar. Und doch droht dem Rekordmeister das vorzeitige Aus.

Borussia Düsseldorf ist das Aushängeschild des deutschen Tischtennis. Die Mannschaft aus der nordrhein-westfälischen Hauptstadt dominierte den Sport hierzulande im vergangenen Jahrzehnt. Von den vergangenen acht Meistertiteln gingen sieben nach Düsseldorf. Sieben der vergangenen neun deutschen Pokalsiege wanderten auf das Konto der Borussia. 2009/10 und 2010/11 holte der Klub, der auch als "Bayern München des Tischtennis" bezeichnet wird, das Triple, bestehend aus Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Showdown gegen Bergneustadt

In dieser Saison könnte es zu Ende gehen mit der Düsseldorfer Herrlichkeit. Drei von vier Plätzen für die Playoff-Spiele um die deutsche Meisterschaft sind vergeben. Borussia Düsseldorf ist nicht darunter. Mit 18:14 Zählern rangieren die Rheinländer zwei Spieltage vor Ende der Vorrunde lediglich auf dem vierten Rang, der das letzte Playoff-Ticket sichern würde. Gleichauf mit den Düsseldorfern liegt allerdings der TTC Schwalbe Bergneustadt. Am Sonntag (13.03.2016) kommt es nun zum Showdown der beiden NRW-Klubs. Der Sieger dieser Begegnung dürfte sich für die Playoffs qualifizieren, da beide Teams am letzten Spieltag lösbare Aufgaben haben.

Druck ist groß

"Der Druck ist groß", sagt Danny Heister zu WDR.de, "wir sehen es wie ein Viertelfinale. Wenn wir verlieren, sind wir raus." Dass es überhaupt zu einem "Endspiel" gegen Bergneustadt kommen konnte, liegt an einer "Seuchen-Saison", die Heisters Team bislang spielen musste. Spitzenspieler und Weltklassemann Timo Boll stand wegen seiner Knieverletzung dem Team kaum zur Verfügung. Die Reha dauerte länger als geplant. Auch die übrigen drei Kadermitglieder Patrick Franziska, Panagiotis Gionis und Publikumsliebling Sharath Kamal Achanta waren nicht immer einsetzbar. Immer wieder musste Heister personell experimentieren.

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Danny Heister mit Patrick Franziska

Es ging so weit, dass er selbst als Spieler einspringen musste. Und das, obwohl der Holländer seine aktive Karriere längst an den Nagel gehängt hatte. "Es war eine sehr schwierige Saison, dennoch haben wir noch alle Chancen, die Meisterschaft zu gewinnen", sagt Heister und verweist auf das Pokal-Endspiel Anfang Januar dieses Jahres. Die Düsseldorfer waren da, als es darauf ankam und gewannen das Finale. Wieder einmal wanderte die begehrte Trophäe in die Borussia-Vitrine.

Hoffen auf Boll

Insgeheim hofft Coach Heister nun, dass Spitzenmann Boll seine Grippeerkrankung überwunden hat und für das Duell gegen die Oberbergischen zur Verfügung steht. "Ich muss schauen, wie er sich am Spieltag fühlt. Vielleicht kann er ein Spiel bestreiten", sagt Heister.

Ob der Gegner nun mit Boll oder ohne antritt: Beim TTC Schwalbe wittert man den großen Coup. "Das Erreichen der Playoffs wäre herausragend für die Mannschaft und den Verein", sagt Trainer Peter Stötzel. Es wäre auch der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Erst im vergangenen Jahr war Bergneustadt in die Bundesliga aufgestiegen.

"Sie haben eine gute Mannschaft. Die Chancen in diesem Duell stehen 50:50", so Danny Heister und sieht den Kontrahenten mit den Nationalspielern Steffen Mengel, Benedikt Duda und Ricardo Walter keineswegs in der Außenseiterrolle.

Umbruch in der neuen Saison

In Düsseldorf hat man derweil Konsequenzen aus der laufenden Saison gezogen, nach der ein personeller Umbruch staffinden wird. Patrick Franziska und Panagiotis Gionis verlassen die Borussia. Drei Youngster, die bereits international für Furore sorgten, sollen frischen Wind bringen. Es kommen der österreicheichische Nationalspieler Stefan Fergerl sowie die beiden hochtalentierten Schweden Anton Källberg und Christian Karlsson. In eine ähnlich schwierige Situation wie in dieser Saison will sich die Borussia in nächster Zukunft nicht mehr bringen.

Stand: 11.03.2016, 10:00