Schalker Fehltritt zum Rückrundenauftakt

André Breitenreiter

Viele Chancen, kein Ertrag

Schalker Fehltritt zum Rückrundenauftakt

Von Jörg Strohschein

Die Niederlage gegen Werder Bremen zeigt erneut die Defizite des FC Schalke 04 auf, die sich bereits durch die gesamte Saison ziehen. Kritik an Trainer Breitenreiter wächst. Eine Analyse.

Viktor Skripnik hatte ein diebisches Grinsen aufgesetzt. "Natürlich sind wir zufrieden mit diesem Ergebnis. Aber man kann auch sagen: Schalke hat vergessen Tore zu machen", sagte der Trainer von Werder Bremen und lehnte sich zufrieden zurück. So wohltuend dieser Erfolg für die Hanseaten war, so niederschmetternd war dieses 1:3 für den Ruhrgebietsklub.

"Bei allem Respekt für Bremen. Aber diese Niederlage lag nicht so sehr an der Stärke von Werder sondern an unseren Schwächen", sagte Manager Horst Heldt sichtlich genervt. Und auch André Breitenreiter wirkte konsterniert, als er dieses Misserfolgserlebnis einordnen sollte. "Wir hatten so viele Chancen, dass es für drei oder vier Tore reichen müsste", sagte der Trainer der Schalker.

Breitenreiters ungewöhnliche Spielanalyse

Die Schalker reklamierten in dieser Partie vor allem Pech im Abschluss für sich. Allerdings waren die Fehlschüsse - vor allem von Klaas-Jan Huntelaar und Leroy Sané - aus bester Lage schon eher in die Kategorien Leichtfertigkeit bis Unvermögen einzuordnen. Ein Umstand, der sich bereits durch die gesamte Saison zieht. Mit 24 Treffern in 18 Partien haben die Schalker eine eher biedere Ausbeute zu bieten.

Umso erstaunlicher war dann die Spielanalyse Breitenreiters, der gesehen haben wollte, dass sich "unser Spiel zu den Partien davor deutlich verbessert hat". Und so wähnt sich der 42-Jährige trotz dieses herben Rückschlags auf einem guten Weg mit seinem Team und gab die Devise aus: "Ruhe bewahren und den Kopf hoch nehmen."

Statistik zeichnet ausgeglicheneres Bild

Die Schwächen, die seine Mannschaft aber auch in dieser Partie zeigte, blendete Breitenreiter vollständig aus. Neben den verpassten Torchancen ("Im Training sind die Bälle drin, das macht kein Spieler mit Absicht") etwa die Unfähigkeit seiner Spieler, ein über 90 Minuten konstantes Niveau zu halten. Weiterhin fallen seine Spieler regelmäßig in eine passive Haltung zurück und überlassen der gegnerischen Mannschaft nach einer Phase der Dominanz plötzlich und völlig unerwartet die Spielkontrolle. Die Bremer wussten diese Einladung mit drei Treffern anzunehmen.

Und die statistische Sicht auf diese Partie zeichnet ohnehin ein viel ausgeglicheneres Spiel, als es der Trainer beschrieben hatte. Die Schalker hatten 20 Torschüsse, davon ganze vier auf das Werder-Tor abgegeben. Bei den Bremern waren es 17, davon sechs auf das Tor der Schalker.

Problematik wird verschleiert

Klaas-Jan Huntelaar

Klaas-Jan Huntelaar am Boden.

Auch wenn der Ruhrgebietsklub mit 62 Prozent deutlich mehr Ballbesitz als die Gäste vorweisen konnte, so waren die Bemühungen des Breitenreiter-Teams, zumindest noch den Ausgleichstreffer zu erzielen, in der zweiten Hälfte meist struktur- und vielfach auch kopflos vorgetragen. Ein Konzept, wie die Schalker gegen defensiv kompakt auftretende Gegner in der Stresssituation eines Rückstands auftreten sollten, ist nach wie vor nicht erkennbar.

Eine angebliche Trainerdiskussion hat Heldt derweil verneint. "Wir sind sehr zufrieden mit André. Er hat viel dazu beigetragen, dass wir die Kehrtwende eingeleitet haben. Die Mannschaft folgt ihm zu 100 Prozent", sagte der Manager am Montag. Berichte über Unstimmigkeiten im Trainerstab seien "Schwachsinn" und "völlig Banane". Allerdings kippt die interne Stimmung im Klub. Breitenreiters überaus selbstbewusste Haltung gefällt längst nicht mehr allen im Verein.

Heim-Niederlagen gegen Bremen (1:3) und Köln (0:3), frustrierende Unentschieden gegen die Aufsteiger Ingolstadt (1:1) und Darmstadt (1:1) zeugen zudem von einer grundlegenden Problematik, die das Breitenreiter-Team nicht in den Griff bekommt. Und von der der Cheftrainer auch nichts hören will. Die Argumentation der Verantwortlichen verschleiert erneut die Problematik, die sich durch die gesamte Saison zieht. Auch nach seiner zweiten Vorbereitungsphase ist es Breitenreiter nicht gelungen, der Mannschaft das richtige Werkzeug für solche Fälle an die Hand zu geben.

Wiederkehrende Argumentation im Misserfolgsfall

Breitenreiters im Misserfolgsfall stetig wiederkehrendes Argument, dass es sich um einen noch nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess der Mannschaft handelt, wird spätestens ab dem Zeitpunkt ad absurdum geführt, an dem er den international erfahrenen, 32 Jahre alten Torjäger Huntelaar ebenfalls einen zu geringen Entwicklungsgrad zuschreibt.

Den Bremern konnten die Schalker Probleme völlig egal sein. Sie verschafften sich selbst mit diesem Erfolg neue Hoffnung im Abstiegskampf. Wohin allerdings die Reise der Schalker gehen wird, ist nicht erst seit der Partie gegen Werder überaus unklar.

Stand: 25.01.2016, 11:22