Schalker Neustädter will mit Russland zur EM

Roman Neustädter

Schalker Neustädter will mit Russland zur EM

Bundesliga-Profi Roman Neustädter wartet auf einen russischen Pass. Der Schalker kann dann für den Gastgeber der WM 2018 auflaufen. Neustädter ist kein Einzelfall: Der Kreml hat bereits bei mehreren Russlanddeutschen Versuche gestartet - bisher ohne Erfolg.

Es ist ein bemerkenswerter Wechsel in politisch schwierigen Zeiten. Der deutsche Fußball-Profi Roman Neustädter will künftig für Russland spielen und hat in Moskau einen Pass beantragt. "Im März sind die nächsten Länderspiele. Wenn meine Leistungen stimmen, könnte es sein, dass ich eine Einladung bekomme", sagt der Verteidiger vom FC Schalke 04. Die Meldung macht seit Tagen in Moskauer Medien die Runde, gelegentlich mit Hinweis auf die aktuelle Ost-West-Krise.

Der Wechsel sei vor dem Hintergrund der Konflikte in der Ukraine und Syrien durchaus spektakulär, heißt es dann - zumal der zweimalige deutsche Nationalspieler in der Ukraine geboren sei. Neustädters Schritt hat indes sportliche Gründe, keine politischen.

Bisher hatten alle Kandidaten stets abgesagt

Seine Herkunft aus der damaligen Sowjetunion und seine russlanddeutschen Wurzeln öffnen Neustädter die Tür zur Sbornaja. Ziel ist die Teilnahme an der EM in Frankreich im Sommer. "Damit würde ein Traum in Erfüllung gehen", schwärmt der 27-Jährige. Das gilt auch für Russlands Sportminister Witali Mutko.

Seit Jahren beißt sich der Vertraute von Präsident Wladimir Putin die Zähne aus auf der Jagd nach deutschen Talenten mit sowjetischem Hintergrund. Doch ob Andreas Beck, Alexander Merkel, Konstantin Rausch oder Andreas Wolf: Der Lockruf aus Moskau war vergeblich. Nun soll es aber klappen - und statt des Bundesadlers wird Neustädter wohl bald den Doppeladler auf der Brust tragen.

Kontakt über Di Matteo

Der Kontakt des Verbands mit Neustädter soll über den ehemaligen Schalker Trainer Roberto Di Matteo zustande gekommen sein. Laut Verfassung entscheidet der russische Präsident über die Erteilung der Staatsbürgerschaft.

Neustädter, der 2012 und 2013 zwei Länderspieleinsätze in der DFB-Elf hatte, könnte mit seinem Schritt das gute Verhältnis zwischen Russland und Deutschland weiter festigen, meint Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi. Er wechselte 2010 von Schalke nach Russland, allerdings nicht die Staatsbürgerschaft: Der jetzige Hoffenheimer spielte fünf Jahre bei Dynamo Moskau - als Deutscher.

Stand: 11.01.2016, 13:12