Jonathan Tah - immer dabei, immer da

Jonathan Tah (l.), Ömer Toprak

Fußball - DFB-Pokal

Jonathan Tah - immer dabei, immer da

Von Marcus Bark

Bayer Leverkusen erkennt die große Chance, nach 23 Jahren mal wieder einen Titel zu holen. Im Viertelfinale des DFB-Pokals wartet ein anfälliges Werder Bremen, das aber in der Offensive gefährlich ist. Ein kniffliger Fall für Jonathan Tah, der in den vergangenen Tagen in den Blickpunkt rückte.

Seit Monaten spielt Jonathan Tah solide, gut, manchmal auch sehr gut. Vor Weihnachten hat es deshalb mehrere Berichte über ihn gegeben, in denen nie der Hinweis fehlte, dass der 19 Jahre alte Innenverteidiger in jedem Pflichtspiel der Saison von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz gestanden hat. Daran änderte sich auch im neuen Jahr nichts. Tah kommt auf volle 20 Bundesligaspiele, drei Einsätze im DFB-Pokal und inklusive der Qualifikation acht Spiele in der Champions League.

Seine statistischen Werte in der Bundesliga sind gut. Er gewinnt 63 Prozent seiner Zweikämpfe, 78 Prozent der Pässe kommen an. Das Fachmagazin kicker errechnet für ihn einen Notenschnitt von etwa 2,9, was ihn zum besten Abwehrspieler mit deutschem Pass nach Jérôme Boateng macht. Eben jener Boateng erlitt zum Auftakt der Rückrunde einen Muskelbündelriss, was zumindest die Möglichkeit eröffnet, dass der beste deutsche Innenverteidiger bei der Europameisterschaft in Frankreich fehlen wird.

Ein bisschen Hype

Die Suche nach einem möglichen Ersatz führte zur Schlagzeile, dass Bundestrainer Joachim Löw nun Jonathan Tah im Spitzenspiel der Bundesliga gegen den FC Bayern beobachten wolle. Es kam dann zwar nur dessen Assistent Thomas Schneider in die Arena am Leverkusener Kreuz, aber das stoppte den Mechanismus nicht. Die Bayern schossen kein Tor, also auch Weltklassestürmer Robert Lewandowski nicht, häufig Tahs direkter Gegenspieler. Kevin Kampl nahm daher den Begriff "Weltklasse" in den Mund, als er über seinen Mannschaftskollegen sprach: "Er ist mit 19 Jahren schon auf einem Level, auf das viele niemals kommen werden."

Jonathan Tah (r.), Robert Lewandowski

So ist also nun ein bisschen Hype um Tah entstanden, der nach dem Spiel gegen die Bayern lobte, dass die Defensive „ohne die Unterstützung von vorne“ nicht so gut hätte verteidigen können.

Zweifel in seiner Zeit bei der Fortuna

In seiner Nüchternheit erinnerte er ein bisschen an Jérôme Boateng, mit dem er auch denselben Berater teilt, den ehemaligen Sportchef des FC Bayern, Christian Nerlinger.

Jonathan Tah, 1,92 Meter groß und etwa 90 Kilogramm schwer, wurde in Hamburg geboren. Er wechselte mit 13 Jahren zum HSV und galt früh als ein ganz großes Talent. Doch bei den Profis setzte er sich nicht durch, selbst wenn die Konkurrenz dort weit vom Niveau eines Boateng entfernt war. Tah wurde 2014 an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen, bestritt in der 2. Liga zunächst viele gute Spiele, dann aber auch viele, in denen Zweifel aufkamen. Trotzdem zahlten die Leverkusener im Sommer etwa acht Millionen Euro an den HSV, um Tah zu verpflichten. Es war eine gute Investition.

Besonnen in heiklen Situationen

Jonathan Tah ist eine feste Größe einer Mannschaft, die eine große Chance sieht, nach 23 Jahren mal wieder den DFB-Pokal zu gewinnen. Bislang hatten die Leverkusener Losglück und über ein Heimspiel gegen Werder Bremen hat sich auch niemand beschwert.

Die Gäste, die am Dienstag (08.02.16) in Leverkusen antreten, haben in der Bundesliga die meisten Tore kassiert – 41. "Natürlich ist es auffällig, dass Bremen zu viele Torchancen zulässt. Sie sind aber auch in der Lage, selber viele zu kreieren", sagte Trainer Roger Schmidt über den Gegner. Er ist Verfechter eines hohen Pressings. Der Gegner soll also früh angegriffen werden und gar keine Zeit bekommen, sein Spiel geordnet aufzubauen.

Das kann zu heiklen Situationen in Unterzahl führen, wenn die aggressiven Angreifer in vorderster Linie ausgespielt sind. Es kommt häufiger vor, dass Jonathan Tah dann im direkten Duell gegen einen Gegner allein vor seinem Torwart steht. Genau darin hat er eine seiner Stärken. Mit seiner Schnelligkeit kann er den Gegner zumindest begleiten, wenn nicht gar überholen, um ihm im geschickten Zweikampf dann den Ball abzujagen. In seinen 31 Spielen dieser Saison sah Tah erst zwei Gelbe Karten.

Stand: 08.02.2016, 12:00