Gold-Sprinter Floors: "Das hier war mein Rio-Finale"

Johannes Floors

Gold-Sprinter Floors: "Das hier war mein Rio-Finale"

  • Gold für Johannes Floors über 400 Meter.
  • Neuer Europarekord sechs Jahre nach freiwilliger Amputation.
  • Genugtuung nach Verletzungs-Aus in Rio.

Johannes Floors wusste zunächst gar nicht, wohin mit seiner Freude. "Das ist der Wahnsinn, der Hammer, ein Traum. Dafür habe ich so viele Jahre gearbeitet", sagte der 22-Jährige. In 46,67 Sekunden hatte er bei der Para-WM in London am Montagabend (17.07.2017) die Goldmedaille über 400 Meter gewonnen. Ein neuer Europarekord - in jener Disziplin, die bis zu seiner Verurteilung "Blade Runner" Oscar Pistorius dominiert hatte.

Goldmedaille mit einem Jahr Verspätung

Auf dieses Glücksgefühl hat Floors ein Jahr warten müssen. Denn eigentlich wollte er schon bei den Paralympics 2016 in Rio triumphieren. Er war gut in Form, die Generalprobe beim 4x100-Meter-Lauf war mit einer Goldmedaille bestens gelaufen. Doch ausgerechnet bei einem Jubelsprung im Ziel verletzte sich Floors und musste auf seine Spezialdisziplin verzichten. "Dass ich nicht laufen konnte, daran war ich selbst schuld», sagte er nun: "Das hier war mein Rio-Finale."

Beide Beine freiwillig amputieren lassen

Floors startet mit zwei Prothesen, seine Beine ließ er sich vor sechs Jahren freiwillig abnehmen. Für ihn eine logische Konsequenz. Er war mit einem Fibula-Gendefekt zur Welt gekommen, hatte kein Wadenbein und nur drei Zehen, der Fuß war verkümmert. "Ich hatte die Wahl: Entweder sitze ich irgendwann im Rollstuhl oder schneide die Beine irgendwann ab", sagte Floors der Deutschen Presse-Agentur: "Es war keine leichte Entscheidung, aber die richtige. Die beste meines Lebens." Alles habe sich zum Positiven geändert: "Ich habe keine Schmerzen mehr und kann mit meinen Prothesen alles machen. Früher habe ich mich in kurzen Hosen geschämt. Heute bin ich viel selbstbewusster."

Stand: 18.07.2017, 09:46