Fall Schmidt: Was der DFB tun muss

Leverkusens Trainer Roger Schmidt

Kommentar

Fall Schmidt: Was der DFB tun muss

Von Volker Schulte

Sie haben sich gründlich danebenbenommen, Leverkusens Roger Schmidt und Rudi Völler. Nach ihrem erstaunlich sturen Verhalten in und nach dem Spiel gegen Dortmund sind Strafen fällig, um die Schiedsrichter zu stärken. Ein Kommentar.

Rudi Völler ist einer der wenigen Protagonisten im Geschäft Profifußball, der in Interviews ab und an die Contenance verliert. Das hat durchaus Unterhaltungswert, doch was Bayer Leverkusens Sportdirektor am Sonntag (21.02.16) nach dem Heimspiel gegen Dortmund (0:1) vom Stapel ließ, war nur schwer zu ertragen.

Im Gespräch mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann redete sich Völler in Rage. Sein Hauptargument: Schiedsrichter Felix Zwayer hätte Bayer-Trainer Roger Schmidt "vernünftig erklären" sollen, warum er ihn auf die Tribüne schickt. "So ein Spiel zu unterbrechen und dadurch so eine Hektik reinzubringen, das war völlig unnötig." Genau genommen war das auch Völlers einziges Argument, das er immer wieder wiederholte, immer lauter, immer wütender. "Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er unserem Trainer das erklärt, egal ob das in der Regel steht oder nicht."

Pure Provokation

Zwayer hatte Schmidt nach Diskussionen um einen Freistoß vor dem Dortmunder Führungstreffer aus der Distanz signalisiert, dass er die Coachingzone verlassen müsse. Doch Schmidt weigerte sich, sodass ein unwürdiger Machtkampf entstand. Alleine schon die Gestik, die Schmidt an den Tag legte, war eine Provokation. Per Fingerzeig auf den Boden wollte er Zwayer zu sich zitieren, wie einen Schuljungen. So darf sich ein Schiedsrichter nicht behandeln lassen. Und Zwayer hat es zum Glück auch nicht getan.

Zwayer beauftragte regelkonform Leverkusens Spielführer Stefan Kießling, seinem Trainer die Aufforderung zu überbringen. Zwei Mal sogar. Nach dem zweiten Mal war deutlich zu erkennen, wie Schmidt sagte: "Dann soll er abbrechen." Er wusste also, was er auslöste - auch wenn er das hinterher bestritt.

Völler gibt den Ton vor

Ein bisschen Reue zeigte Schmidt zwar: "Ich habe natürlich eine Vorbildfunktion und der bin ich heute nicht gerecht geworden. Ich bin zu stur gewesen." Allerdings war es das dann auch schon mit klugen Sätzen. Denn dass Zwayer den Leverkusenern noch einen klaren Handelfmeter verweigerte, lag laut Schmidt "vielleicht auch daran, weil ich vorher zu emotional war. Ich hoffe nicht, dass es so war, aber mir fällt keine andere Erklärung dazu ein."

Schmidts fehlende Einsicht ist nicht verwunderlich, wenn man sich das Verhalten seines Vorgesetzten anschaut. Denn Völler wurde in seinem fatalen Interview mit Sky noch deutlicher: "Er (Zwayer, d. Red.) hat sich ja revanchiert. Deswegen hat er auch nicht den Elfmeter gepfiffen." Völler verteidigt seinen Trainer wie eine Löwenmutter und hat dabei nicht zum ersten Mal Anstandsgrenzen ignoriert. Als ihn Sky-Moderatorin Jessica Kastrop im November nach der Niederlage gegen Köln kritisch nach der Verantwortung des Trainers fragte, tätschelte Völler Kastrop den Arm, als wäre sie ein naives Kleinkind.

Strafe muss folgen

Völlers neuerlicher Ausfall im Fall Zwayer ist deswegen so absurd, weil die Sachlage eindeutig ist: Zwayer hat als Schiedsrichter das Sagen auf dem Platz. Fertig. Er kann seine Entscheidungen erklären, muss es aber nicht. Gerade mit Blick auf den Amateurfußball, wo Schiedsrichter oft Kritik, teilweise sogar körperliche Gewalt einstecken müssen, darf diese Rollenverteilung nicht aufgeweicht werden. Was für ein Vorbild ist ein Trainer, der sich minutenlang dem Schiedsrichter widersetzt? Welches Signal sendet ein Manager, der Kritik an diesem Verhalten gar nicht erst zulässt? Der Kontrollausschuss des DFB hat Ermittlungsverfahren gegen Schmidt und Völler eingeleitet, der Vorsitzende Anton Nachreiner sagte im Fall Schmidt schon vorab: "Es wird sicher eine Sanktion geben." Ein wichtiges Signal in Richtung der Schiedsrichter.

Stand: 22.02.2016, 09:56