Herkulesaufgabe für Bayer 04 Leverkusen

Leverkusens Kevin Kampl

Herkulesaufgabe für Bayer 04 Leverkusen

Von Dirk Burkhardt

Platz vier ist das Mindestziel in Leverkusen - und der ist weit entfernt. Für Bayer 04 und Trainer Roger Schmidt steht direkt zum Jahresstart viel auf dem Spiel.

So lief es bis zur Winterpause

Wenigen Höhepunkten (Heimsieg gegen Dortmund, Auswärtserfolg bei Tottenham in der Champions League) standen viele unterdurchschnittliche Leistungen und fehlende Ergebnisse (Niederlagen gegen Bremen und Ingolstadt und im Pokal bei Drittligist Lotte) gegenüber.

Die aufgrund des teuer verstärkten Kaders als Geheimfavorit gestarteten Leverkusener fanden nie ihren Rhyhtmus, ließen trotz großen Potenzials in der Offensive viel vermissen und zeigten sich defensiv anfällig. Eine negative Tor-Differenz zu diesem Zeitpunkt der Saison gab es zuletzt in der Spielzeit 2005/06.

Nur Arbeitssiege zum richtigen Zeitpunkt (2:1 in Wolfsburg, 1:0 bei Schalke 04) und eine zumindest von der Platzierung her erfolgreiche Champions-League-Gruppenphase ohne Niederlage verhinderten, dass eine Trainer-Diskussion noch vor der Winterpause richtig hoch kochte.

Wer kommt, wer geht

Leverkusen setzt darauf, dass die Verletzten zurückkommen und damit das Spiel besser wird. Mit entspannter Personaldecke und dabei vor allem mit Rückkehrer Karim Bellarabi soll die Aufholjagd auf Platz vier im neuen Jahr starten.

Angreifer Robbie Kruse und Verteidiger Robert Hilbert haben allerdings keine Zukunft mehr in Leverkusen und reisten schon nicht mit ins Trainingslager nach Orlando (USA). Kruse steht vor einem Wechsel nach China, Hilbert ist noch auf der Suche nach einer Alternative.

Trainer

Bayer-Trainer Roger Schmidt

Seit 2014 in Leverkusen: Roger Schmidt

Trotz einer unbefriedigenden ersten Hälfte und einer erneuten Sperre aus disziplinarischen Gründen scheint Trainer Roger Schmidt zumindest bei den Bayer-Verantwortlichen nicht zur Disposition zu stehen. "Roger Schmidt wird noch viele Jahre Trainer in Leverkusen sein", lautete die Ansage von Sportchef Rudi Völler.

Allerdings wurde dem Trainer mit Jörn Wolf ein Kommunikationsexperte zur Seite gestellt, der den Austausch mit den Spezial-Trainerteams und dem Reha-Bereich optimieren soll. Schmidt selbst versprach vor dem Trainingsstart: "Wir werden uns neu erfinden." Das wird auch nötig sein. Denn nicht zuletzt die fehlende taktische Flexibilität des Trainers hat das Leverkusener Spiel zuletzt sehr berechenbar gemacht. Die zweite Saisonhälfte wird zeigen, ob Schmidts Position tatsächlich so betoniert ist, wie Völler das ausgedrückt hat.

Ausblick/Ziel für die Rückrunde

Schon die ersten Spiele 2017 werden für Leverkusens Aufholjagd enorm wichtig und heikel zugleich. Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach, Hamburger SV und Eintracht Frankfurt heißen die ersten Gegner in der Bundesliga. Allesamt unangenehme Aufgaben. Im Champions-League-Achtelfinale wartet zudem Ende Februar mit Atletico Madrid eine extrem hohe Hürde.

Schafft es Leverkusen, direkt zu punkten und sich auch international noch einmal Mut anzuspielen, dann sind acht Punkte Rückstand auf Platz vier vielleicht nicht zu viel. Dazu müsste die Mannschaft allerdings sofort zu einer Konstanz finden, die es bisher in dieser Saison noch nicht gegeben hat. Eine Herkulesaufgabe für alle Beteiligten.

Stand: 11.01.2017, 08:11