Horst Heldts professioneller Abgang

Horst Heldt

Fußball - Bundesliga

Horst Heldts professioneller Abgang

Von Volker Schulte

Christian Heidel soll die sportliche Schalker Zukunft planen, steht aber noch in Mainz in der Pflicht. Sein Vorgänger Horst Heldt gilt schon seit Monaten als Auslaufmodell - doch gerade in diesen Zeiten überzeugt er als loyaler Profi.

Horst Heldt hat in seinen fast sechs Jahren als Sportvorstand beim FC Schalke 04 sicher nicht alles richtig gemacht. Teure Fehleinschätzungen wie bei Kevin-Prince Boateng oder Roberto Di Matteo trüben seine Bilanz. Aber in seinem letzten Amtsjahr gibt Heldt eine ausgesprochen gute Figur ab, denn trotz einer unwürdigen Hängepartie um seine Person arbeitet der 46-Jährige professionell und besonnen weiter, hält sich öffentlich zurück. So kann sich der Verein aufs Sportliche konzentrieren: Am Donnerstag um 19 Uhr empfängt Schalke Schachtjor Donezk zum Rückspiel in der Europa-League-Zwischenrunde (Live-Ticker auf sportschau.de ab 18.45 Uhr), das Hinspiel hatte 0:0 geendet.

Seit Sonntag (21.02.16) steht fest, was seit Monaten spekuliert wurde: Christian Heidel wird vom 1. FSV Mainz 05 zum FC Schalke 04 wechseln und Heldt als Sportvorstand beerben. Auf einer Pressekonferenz verriet Heidel auch, dass die Schalker bereits im Juni 2015 zum ersten Mal bei ihm angerufen hätten. Im selben Monat stellte Schalke-Boss Clemens Tönnies auf der Jahreshauptversammlung Heldt in Aussicht, noch einmal die Chance für einen Neuanfang zu bekommen. Es ist der nächste Nackenschlag für Heldt, denn ganz offensichtlich hatte er das Vertrauen der Vorgesetzten damals schon verloren.

Fleißiger Manager auf Abruf

Christian Heidel

Blick gen Westen? Christian Heidel

Weil das Schalker Interesse an Heidel schon früh bekannt wurde, galt Heldt monatelang als Manager auf Abruf. Aber er begehrte nicht etwa trotzig auf, sondern bastelte weiter am Schalker Kader, als würde er noch viele Jahre in Gelsenkirchen bleiben. Der im Winter ausgeliehene Younes Belhanda überzeugt als Torschütze, auch der Ex-Nürnberger Allessandro Schöpf zeigt starke Ansätze. Joel Matip gab zwar seinen Abschied in Richtung Liverpool bekannt, aber mit Kapitän Benedikt Höwedes verlängerte Heldt bis 2020. "Stellen Sie sich mal vor, ich hätte einfach hingeschmissen, dann hätte der Verein bis zum heutigen Tag keinen Sportvorstand", sagte Held Mitte Februar: "Das wäre schon ein bisschen prickelnd gewesen."

Auch jetzt, da die Fronten geklärt sind, zeigt Heldt Kooperationsbereitschaft. Er habe nun in Heidel einen festen Ansprechpartner. "Wir können gemeinsam die Themen abarbeiten, die es abzuarbeiten gilt. Das ist sicher möglich. Wir werden einen Termin gemeinsam mit Tönnies finden."

Interessenskonflikt

Auf der Aufgabenliste stehen noch die auslaufenden Verträge von Roman Neustädter und Sascha Riether, auch die Leihverträge mit Belhanda und Pierre-Emile Höjbjerg enden im Sommer. Marco Höger hat Heldt Richtung Köln ziehen lassen, aber was ist mit dem heiß umworbenen Leroy Sané?

In solche grundlegenden Fragen wird Heidel sicher schon mit einbezogen. "Natürlich werde ich mich zwischendurch mit Dingen befassen, die in Schalke passieren", sagte der 52-Jährige. Aber Heidels Vertrag in Mainz läuft noch bis Ende Juni, auch der FSV braucht einen Manager, der sich voll und ganz auf die bevorstehenden Aufgaben konzentriert. Dieser Interessenskonflikt könnte abgeschwächt werden, sollte es den Mainzern gelingen, Heidels Nachfolger Rouven Schröder schon kurzfristig aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag bei Werder Bremen herauszukaufen.

Heidel nimmt Schuster mit

Interessant ist auch die Personalie Christian Clemens, derzeit von Schalke an Mainz ausgeliehen. Heidel sieht da den Mainzer Trainer in der Verantwortung. "Wir müssen irgendwann sagen, ob wir die Kaufoption ziehen. Das entscheidet Martin Schmidt. Ich muss also nicht mir selbst verhandeln."

Heidel wird auch den langjährigen Mainzer Teammanager Axel Schuster mit nach Gelsenkirchen nehmen und hat durchaus Respekt vor dem Schritt zum unruhigen FC Schalke. "Die Historie ist auch bei mir angekommen. Das ist eine schwere Aufgabe - eine leichte wollte ich auch nicht." Heidels Vertrag läuft bis 2020, er soll gleichberechtigt mit Finanz-Vorstand Peter Peters und Marketingchef Alexander Jobst arbeiten. Und Horst Heldt? Trotz des mäßigen sportlichen Erfolgs muss sich der 46-Jährige wohl keine Sorgen um einen neuen Job machen. Sein professionelles Verhalten der vergangenen Monate ist ein gutes Argument in Bewerbungsgesprächen.

Stand: 23.02.2016, 15:03

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