Rot-Weiss Essen im Strukturwandel

Benjamin Baier (Essen) liegt verletzt auf dem Platz

Rot-Weiss Essen im Strukturwandel

Von Jörg Strohschein

  • RWE-Heimschwäche ist eklatant.
  • Maßnahmen gehen über Trainerfrage hinaus.
  • Mannschaft wird in die Pflicht genommen.

Die Frustrationsschwelle an der Hafenstraße ist wieder einmal hoch. "Sportlich sieht es nicht so rosig aus. Wer glaubt, dass alleine die Trainer-Beurlaubung ausreicht, der täuscht sich", sagt André Helf.

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Rot-Weiss Essen macht keinen Hehl daraus, dass ihm die aktuelle Lage des Essener Traditionsvereins Sorge bereitet. Schließlich droht Helf und den immer noch sehr zahlreichen Anhängern von RWE bereits in dieser frühen Saisonphase wieder einmal die Erkenntnis, dass es auch in dieser Spielzeit in der vierten Liga nicht zu einem Aufstieg reichen könnte. Um das zu verhindern, sollen die Maßnahmen umfangreicher sein, als nur eine Personalie zu verändern.

Bei Heimspielen anders auftreten

Doch zunächst einmal gehe es darum, die Spieler in die richtige Spur zu bekommen. Nach elf Partien in der Regionalliga West belegt die Mannschaft mit lediglich 13 Punkten Rang zwölf. Sollten die derzeit unter den Essenern postierten Teams ihre Nachholspiele gewinnen, würde das Team noch weiter abrutschen.

Die Konsequenz aus dieser Misere haben die Verantwortlichen des Klubs am vergangenen Sonntag (01.10.2017) gezogen und Trainer Sven Demandt beurlaubt. Der Auftritt des Teams tags zuvor beim 1:1 gegen den SC Verl hatte für diese Entscheidung gesorgt. "Die Mannschaft muss vor allem zuhause wieder anders auftreten", sagt Helf. Im Stadion an der Hafenstraße gelangen erst zwei Siege bei zwei Niederlagen und zwei Unentschieden.

Der Klub ist deshalb auf der Suche nach einem Nachfolger für Demandt. Der nächste RWE-Coach soll ein erfahrener Fußballlehrer sein, der die Liga kennt und dort auch gut vernetzt ist, sagt Helf. Der Ex-Coach von Alemannia Aachen, Peter Hyballa, soll einer der Kandidaten sein.

Drei Trainer in zwei Jahren

"Die Mannschaft hatte in den vergangenen zwei Jahren drei Trainer und drei verschiedene Charaktere. So langsam müssen die Spieler was zeigen. Sonst muss ich an der Struktur der Mannschaft was ändern", sagt RWE-Sportchef Jürgen Lucas. Allerdings wäre solch ein radikaler Schnitt wohl erst am Saisonende möglich. Der neue Trainer soll in der nächsten Woche präsentiert werden. Diese kurzfristigen Maßnahmen sollen eine schnelle sportliche Wende bringen.

Lucas glaubt weiterhin daran, dass die Mannschaft die Fähigkeiten hat, in die oberen Bereiche der Tabelle vorzustoßen. Angesichts der augenblicklichen Ausgangslage "wäre es aber vermessen zu sagen, dass wir nochmal angreifen werden. Wir müssen erst einmal die Kurve kriegen".

Aufsichtsratschef Helf will aber mit seinen Maßnahmen weitergehen. "Wir müssen überlegen, ob wir nicht den sportlichen Beirat näher an den Aufsichtsrat holen und dem Sportlichen Leiter mehr Kompetenzen geben. Das sind nur einige der möglichen Entscheidungen, die derzeit bei uns diskutiert werden", sagt der Vereins-Boss. Einen Zeitrahmen für diese Veränderungen gebe es nicht. Dass sich Strukturen im Klub weiter verändern müssten, davon ist Helf allerdings überzeugt.

Schließlich wollen die RWE-Verantwortlichen unbedingt verhindern, dass auch diese Spielzeit als eine verlorene in die lange Historie des Ruhrgebietsklubs eingeht.

Stand: 04.10.2017, 14:19