Rot-Weiss Essen im Rampenlicht

Rot-Weiss Essen im Rampenlicht

Von Jens Mickler

  • Rot-Weiss Essen fiebert Pokal-Duell gegen Mönchengladbach entgegen.
  • Ex-Stürmer Frank Mill glaubt an kleine Chance für RWE.
  • Verein müsse verstärkt auf Nachwuchsarbeit setzen.

Freitagabend, Flutlichtspiel und ein picke-packevolles Stadion an der Hafenstraße: Ganz Rot-Weiß Essen freut sich auf die erste Runde im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher gehen natürlich als ganz großer Favorit in die Partie. Doch selbst Gladbach-Trainer Dieter Hecking zollt dem Gegner Respekt. "RWE hat eine gute Mannschaft, die in der Regionalliga in dieser Saison sicher eine wichtige Rolle spielen wird. Es wird sicher ein Spiel, welches man nicht mal eben so im Vorbeigehen gewinnt. Wir benötigen die richtige Einstellung", sagte der Coach der Borussia vor der Partie am Freitag (20.45 Uhr).

Frank Mill spielte eins für beide Klubs - von 1976 bis 1981 für RWE, von 1981 bis 1986 für Borussia Mönchengladbach. Aus einem Herzen macht Mill, der gebürtige Essener, keine Mördergrube: "Mein Herz schlägt für beide Klubs, aber ein bisschen mehr für Essen, weil ich aus Essen komme", sagt Mill zu WDR.de.

Frank Mill zu den RWE-Chancen gegen Mönchengladbach

Sportschau | 10.08.2017 | 00:27 Min.

"Wenn Gladbach führt, wird's schwer"

Zahlreiche Pokalschlachten hat Frank Mill als Spieler selbst erlebt, im Verlauf seiner Karriere auch für Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf. Mill weiß, dass auch für seine Essener durchaus etwas möglich ist. "Eine kleine Chance hat man immer, wenn man als Viertligist gegen einen Erstligisten spielt", sagt der Ex-Nationalspieler. Man müsse nur mal in Führung gehen. "Wenn Gladbach ein frühes Tor macht, wird es natürlich schwer."

Frank Mill im Gladbach Trikot neben Norbert Siegmann von Werder Bremen im Jahr 1984

Frank Mill neben Norbert Siegmann (Werder Bremen) bei einem Pokalspiel im Jahr 1984

Auf jeden Fall könnten sich die Essener viel Selbstvertrauen holen in diesem Pokalspiel. "Sie sind ja nicht unbedingt Favorit", sagt Mill. Selbstvertrauen kann die RWE-Mannschaft gut gebrauchen. In der Regionalliga gab es jüngst eine bittere 1:3-Heimpleite gegen den Wuppertaler SV. Nach dem Auftakt-Remis gegen Dortmund II ist der Start für die Mannschaft von Trainer Sven Demandt also nicht gut gelungen.

Mit Initiative zurück in die 3. Liga

Dabei würden die Essener doch so gerne wieder an die großen, alten Zeiten anknüpfen wie in den 50er Jahren, als der Klub ein Aushängeschild in Fußball-Deutschland war. Der jetztige Präsident Michael Welling hat vor einem Jahr die Initiative "Hoch3" ins Leben gerufen, was bedeutet, dass RWE binnen drei Jahren in die 3. Liga aufsteigen soll. Das wäre ja immerhin etwas, nachdem der Klub mit dem großen Fan-Potential seit 2011 in der Regionalliga festklebt.

RW Essen: Der Bundesliga-Kader 1976/1977, Frank Mill sitzt in der unteren Reihe, Zweiter von rechts.

Frank Mill mit der Mannschaft von RW Essen vor der Bundesliga-Saison 1976/77

Aber selbst der Aufstieg wird aufgrund der umstrittenen Aufstiegsregelung schwierig. "Vorne mit dabei sein" ist das Ziel, das sie in Essen für diese Saison ausgegeben haben. "Dieses Lechzen der Leute nach dem, was früher war, ist immer zu spüren", sagt Trainer Demandt.

Frank Mill meint, dass in der Nachwuchsarbeit der Schlüssel zum Erfolg liegt. Der Verein müsse mehr auf die jungen Spieler aus den eigenen Reihen setzen und schauen, dass es stetig nach vorne geht. Trotz einer Nachwuchsschule, die er bundesweit betreibt, ist er in die RWE-Arbeit selbst nicht eingebunden. Auch das große Pokalspiel wird er nicht live im Stadion verfolgen. Mill ist mit der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund unterwegs. Immerhin hat er Tickets für seine Schwester besorgt. Und Mill glaubt tatsächlich an eine Überraschung: "1:1 lautet mein Tipp und dann Verlängerung." Die treuen, leidgeprüften Essener Fans würden sich sehr freuen.

Frank Mill zur Situation bei Rot-Weiss Essen

Sportschau | 10.08.2017 | 00:50 Min.

Stand: 10.08.2017, 11:39