Lukas Podolski - Kölscher als eine Stange Kölsch

Lukas Podolski im Nationaldress

Lukas Podolski - Kölscher als eine Stange Kölsch

  • Zwischen Nationalelf-Debüt und -Abschied liegen 4.671 Tage.
  • Bald in Japan 9.230 Kilometer von Köln entfernt.
  • "In Köln will ich sterben", sagt Lukas Podolski.

Lukas Podolski, der es in Deutschland zum Fußball-Weltmeister brachte, ist kölscher als eine Stange Kölsch. Istanbul, wo er seit der Saison 2015/16 für Galatasaray spielt, kann eine sportliche Herberge sein, bald auch Japan, wo er ab der kommenden Spielzeit für Vissel Kobe auflaufen wird - viele Jahre auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, aus der sich der 31-Jährige am Mittwoch (22.03.2017) in Dortmund gegen England (20.45 Uhr) nach fast 13 Jahren mit seinem 130. Länderspiel in Ehren verabschieden wird. Dann wird Podolski die Nationalelf als Kapitän auf den Rasen führen.

Im Hintergrund der Dom, auf dem Arm ein Tattoo des Stadtwappens: Podolski liebt Köln.

Im Hintergrund der Dom, auf dem Arm ein Tattoo des Stadtwappens: Podolski liebt Köln.

Doch seine Liebe, seine Heimat ist der schützende Schatten des Doms. Nirgendwo anders ist er so authentisch, so geerdet und glücklich. Im Musik-Video für "Liebe Deine Stadt" läuft er durch die Straßen, auf seinem Pullover steht "UltraKölner". Im Lied heißt es: "Egal, wohin der Wind mich trägt, ich nehm' Dich überall mit hin. Und bin ich auch am Ende der Welt - ich komm' zurück!" So wird es sein.

Beginn beim 1. FC Köln in der D-Jugend

Jubelnd mit dem Geißbock auf der Brust - Podolski 2012 im FC-Trikot.

Jubelnd mit dem Geißbock auf der Brust - Podolski 2012 im FC-Trikot.

Beim 1. FC Köln ging der Stern des Bergheimers auf, wo er seit der D-Jugend spielte. Von 2003 bis 2006 gelangen ihm in der ersten und zweiten Bundesliga für die Domstädter in 81 Spielen 46 Tore. Nach durchwachsenen Jahren bei den Bayern kehrte er 2009 zurück. In drei Bundesligajahren traf er in 88 Spielen 33mal. 2012 stieg der FC abermals ab - für Podolski begann nun seine Zeit im Ausland. Über Arsenal London (60 Spiele/19 Tore) und Inter Mailand (17 Spiele/1Tor) ging es in die Türkei.

Im Sommer weht Podolski der Wind wirklich ans Ende der Welt, zumindest könnte es sich danach anfühlen. Der Junge, der mit zweieinhalb Jahren aus Polen kam, "ohne einen Pfennig in der Tasche, mit Fußball unterm Arm", wechselt 29 Jahre später zu Vissel Kobe nach Japan. Er wagt ein neues Abenteuer, 9.230 Kilometer von seiner Trutzburg entfernt.

Nationalelf-Debüt im Juni 2004 gegen Ungarn

So ging es los: Im Juni 2004 wurde Podolski für Bobic eingewechselt.

So ging es los: Im Juni 2004 wurde Podolski für Bobic eingewechselt.

Am 6. Juni 2004 stopfte der unbekümmerte junge Mann vom 1. FC Köln das Nationaltrikot in seine etwas zu weit hochgezogene Hose, beim 0:2 gegen Ungarn in Kaiserslautern wurde er für Fredi Bobic erstmals eingewechselt - damals spielten noch Jens Nowotny und Fabian Ernst. Zwischen jenem Abend und dem Spiel gegen England liegen 4.671 Tage.

Der Fußballer beim Kölner Rosenmontagszug 2012.

Der Fußballer beim Kölner Rosenmontagszug 2012.

Gut möglich, dass Podolski zum Abschied noch einmal wehmütig wird. "Ich würde nicht darauf wetten, dass Poldi nicht doch Tränen in den Augen hat", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff am Montagabend beim Treffen der Mannschaft in Kamen-Kaiserau: "Er hat dem deutschen Fußball durch seine Art, seine Ausstrahlung und seine Tore viel gegeben." Podolski kann sich nach dem Ausfall von Torhüter Manuel Neuer sogar Hoffnungen machen, als Kapitän aufzulaufen.

OB Reker: "Gäbe es ihn nicht, müsste man ihn für Köln erfinden"

Einige Hundert Tage wird Lukas Podolski noch Fußball spielen. Was danach kommt, ist klar: "Ich kenne kaum jemanden, der mehr für seine Stadt brennt", sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker dem Sport-Informations-Dienst: "Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn glatt für Köln erfinden." Podolski selbst sagt: "In Köln will ich sterben." Eben: Kölscher als eine Stange Kölsch. Dabei trinkt Lukas Podolski nie.

Lukas Podolski - Frechheit siegt

Mit seinem Abschiedsspiel in der Nationalmannschaft bahnt sich für Lukas Podolski das Ende einer großen Karriere an. Frech, unbekümmert und leidenschaftlich - bei den Fans wird er als umschwärmter "Prinz Poldi" in Erinnerung bleiben.

Lukas Podolski

Der junge Lukas Podolski avancierte nach seiner sensationellen Debütsaison 2003/04 geradezu zur Kultfigur und löste erst in Köln, dann in ganz Deutschland eine regelrechte "Poldi-Mania" aus. Frechheit, Unbekümmertheit, Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Lockerheit - "Prinz Poldi" oder "Poldi", wie er von der Boulevardpresse getauft wurde, wurde im Verein wie auch in der Nationalmannschaft herausragender Akteur und avancierte zur Ikone einer neuen deutschen Fußballergeneration.

Der junge Lukas Podolski avancierte nach seiner sensationellen Debütsaison 2003/04 geradezu zur Kultfigur und löste erst in Köln, dann in ganz Deutschland eine regelrechte "Poldi-Mania" aus. Frechheit, Unbekümmertheit, Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Lockerheit - "Prinz Poldi" oder "Poldi", wie er von der Boulevardpresse getauft wurde, wurde im Verein wie auch in der Nationalmannschaft herausragender Akteur und avancierte zur Ikone einer neuen deutschen Fußballergeneration.

Podolski wurde 1985 im oberschlesischen Gliwice (Gleiwitz) geboren. Zwei Jahre später übersiedelte seine Familie von Polen nach Bergheim im Rhein-Erft-Kreis in der Nähe von Köln. Hier schloss sich Lukas dem Amateurklub Jugend 07 Bergheim an. Im Februar 1996 wurde der 1. FC Köln auf ihn aufmerksam und holte ihn zum 1. Juli 1996 in die Domstadt. Podolski durchlief beim FC die Jugendabteilung. Im Herbst 2003 feierte Lukas Podolski unter dem damaligen Kölner Bundesligatrainer Marcel Koller gegen den Hamburger SV sein Debüt in der Bundesliga. Der Youngster, der bis kurz zuvor noch selbst im Kölner Fanblock gestanden hatte, überzeugte von Anfang an und übernahm Verantwortung in der Kölner Mannschaft. Schon bald war er für Freistöße und Eckbälle zuständig - und für die Tore. Im zweiten Spiel erzielte er gegen Hansa Rostock beim 1:1 seinen ersten Treffer.

Podolski, der mit seinem ersten Bundesligaspiel begann, Trikots von Gegenspielern zu sammeln ("Ich bin da auf Zack"), zeigte fortan mit erstaunlicher Konstanz überdurchschnittliche Leistungen und traf auch überdurchschnittlich oft ins gegnerische Netz. Im Dezember 2003 wurde er von den Mannschaftskapitänen der Bundesliga zum ersten Mal zum Spieler des Monats gewählt, Anfang 2004 wurde Podolskis spielentscheidender Treffer zum 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach zum "Tor des Monats Januar" gekürt.

Letztlich reichten die zehn Podolski-Tore in 19 Saisonspielen aber nicht aus, den 1. FC Köln 2004 in der Bundesliga zu halten. Der Abstieg war für ihn sein "schlimmster Tag", wie Podolski später einmal bekannte. In der Zweitligasaison 2004/05 reifte Lukas Podolski dann endgültig zu einem Ausnahmespieler. Mit 24 Treffern in 30 Spielen wurde er nicht nur souverän Torschützenkönig - er war auch die größte Persönlichkeit der Zweiten Liga. Der 1. FC Köln, den Podolski immer wieder als seinen "Traumverein" bezeichnete, schloss die Saison mit fünf Punkten Vorsprung als Meister und damit als Bundesligaaufsteiger ab.

Anfang Juni 2004 feierte Lukas Podolski beim 0:2 gegen Ungarn in Kaiserslautern sein Debüt in der Nationalmannschaft. Mit 19 Jahren und zwei Tagen war er der drittjüngste Debütant der letzten 50 Jahre (lediglich Uwe Seeler und Olaf Thon waren jünger). Anschließend nominierte ihn Rudi Völler auch für seinen 23-köpfigen Kader für die EM in Portugal. Bei der EM selbst kam Podolski - jüngster EM-Teilnehmer in der Geschichte des DFB - dann aber lediglich gegen Tschechien zu einem Kurzeinsatz und musste anschließend mit der DFB-Auswahl die Heimreise antreten.

Podolski schloss die Schule mit der Fachoberschulreife ab und leistete danach am Olympiastützpunkt Köln-Bonn-Leverkusen seinen Zivildienst ab. Er wurde jahrelang von Kon Schramm, einem früheren Mitarbeiter in der Agentur von Norbert Pflippen, beraten, ehe im Sommer 2013 Podolskis Freund Bassim Touihri und seine Agentur "Fair Play Career Management" diese Aufgaben übernahmen. Bereits im Frühjahr 2006 wurde heftig darüber spekuliert, wohin Podolski wohl nach der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Deutschland wechseln würde. Nachdem der FC Bayern München bereits 2005 heftig um den Jungstar geworben hatte, meldeten auch der Hamburger SV und Werder Bremen Interesse an und verwiesen darauf, in ihrer Mannschaft könne er sich in einem ruhigeren Umfeld am besten entwickeln. Podolski entschied sich dann aber doch für den FC Bayern, bei dem er einen Vierjahresvertrag bis Juni 2010 unterschrieb und der für ihn 10 Millionen Euro nach Köln überwies.

Nach dem Rücktritt von Rudi Völler setzte der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann geradezu bedingungslos auf junge Spieler und somit natürlich auch auf Lukas Podolski. Der zahlte das Vertrauen mit guten Leistungen und Toren auch zurück. Auf der Asien-Reise der Nationalmannschaft Ende 2004 bestritt Podolski gegen Japan sein erstes Länderspiel von Beginn an; gegen Thailand erzielte er anschließend beim 5:1-Sieg seine beiden ersten Länderspieltreffer. Überragend spielte der damalige Kölner Zweitligaspieler beim Confederation Cup im Sommer 2005 in Deutschland, bei dem sich "Prinz Poldi" insgesamt dreimal in die Torschützenliste eintrug und daraufhin von den Medien zum Superstar gekürt wurde. Im September 2005 erzielte der Youngster gegen Südafrika sogar drei Treffer in einem Spiel.

Auch bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, bei der die DFB-Auswahl Dritter wurde, war Lukas Podolski im deutschen Sturm neben Miroslav Klose gesetzt, schoss drei Tore, zwei davon beim 2:0 im Achtelfinale gegen Schweden, und wurde von der FIFA als bester Nachwuchsspieler des Turniers ausgezeichnet. Darüber hinaus avancierte das Duo Schweinsteiger/Podolski, auch aufgrund seines Gute-Laune-Images außerhalb des Platzes, als "Schweini und Poldi" in der deutschen Öffentlichkeit zu WM-Lieblingen.

Podolski ist seit 2004 mit Monika Puchalski liiert, die wie er aus Oberschlesien stammt. Das Paar gab 2010 seine Verlobung bekannt, bereits im April 2008 war der gemeinsame Sohn Louis zur Welt gekommen. Am 18. April 2011 heiratete das Paar standesamtlich in Köln, die kirchliche Hochzeit erfolgte zwei Monate später in Polen.

Im Gegensatz zur Nationalelf, wo er auch unter dem neuen Cheftrainer Joachim Löw erste Wahl blieb und im September 2006 beim EM-Qualifikationsspiel in San Marino beim 13:0-Kantersieg gleich viermal erfolgreich war, konnte sich Lukas Podolski bei seinem neuen Klub in München unter Trainer Felix Magath nicht wie erhofft gegen die Stürmerkonkurrenten Roy Makaay und Claudio Pizarro durchsetzen. Nachdem Magath Anfang 2007 von Ottmar Hitzfeld als Bayern-Coach abgelöst wurde, häuften sich zwar die Einsatzzeiten von Lukas Podolski, eine Operation wegen einer Knorpelabsplitterung am linken Knie beendete im April 2007 dann aber frühzeitig eine für ihn unbefriedigende Saison, in der er in 22 Spielen nur vier Bundesligatore erzielte und in der die Bayern letztendlich auf einem enttäuschenden vierten Rang landeten.

"Mein Ziel ist es, zu spielen. Und dafür werde ich kämpfen", gab Lukas Podolski als Devise für sein zweites Bayern-Jahr aus. Doch nach den Verpflichtungen von Miroslav Klose und Luca Toni blieb dem Ex-Kölner in der Saison 2007/08 hinter den beiden Neuzugängen nur die Rolle des dritten Stürmers. So verbuchte er meist lediglich Kurzeinsätze und stand während der gesamten Hinrunde nur zweimal in der Startformation der Münchner. Selbstvertrauen hatte Lukas Podolski immer wieder bei der Nationalmannschaft tanken können. So präsentierte er sich bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz als einer der besten Spieler der deutschen Elf, die nach einer 0:1-Niederlage gegen Spanien im Wiener Finale Vizeeuropameister wurde. Der aufgrund seiner starken Auftritte in das All-Star-Team des Turniers berufene Podolski belegte mit drei Treffern den zweiten Platz hinter Torschützenkönig David Villa (4 Tore).

Allen Erfolgserlebnissen im Nationaldress zum Trotz schaffte Lukas Podolski in München auch unter seinem alten Mentor Klinsmann den erhofften Durchbruch nicht und stand in der Vorrunde der Spielzeit 2008/09 lediglich viermal in der Startformation der Bayern. München und Podolski - das passte einfach nie. Und so verständigten sich die Bayern, ihr unzufriedener Stürmer und der 1. FC Köln im Januar 2009 schließlich auf die bei seinem Ex-Klub lang ersehnte Rückkehr des "verlorenen Sohnes" zur Saison 2009/10. Doch auch in Köln wollte es im Klubtrikot nicht rund laufen. Die Mannschaft war schwach, Podolski war mit seiner Star-Rolle überfordert. Rund lief's eigentlich nur in der Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, bei der das deutsche Team erneut erst an Spanien scheiterte und am Ende Dritter wurde, gelangen ihm zwei Tore, davon eines beim spektakulären 4:1-Achtelfinalsieg gegen England.

Der 1. FC Köln stieg 2012 ab, Podolski hatte bereits Wochen zuvor seinen bevorstehenden Wechsel zum FC Arsenal bekannt gegeben. Zuvor stand aber zunächst eine weiteres Karriere-Highlight für den Nationalspieler an, der mit der zu den Titelaspiranten gezählten DFB-Auswahl zur EM-Endrunde 2012 fuhr. Bei dem in der Ukraine und Podolskis Geburtsland Polen ausgetragenen Turnier zählte er in der Vorrunde zur Stammformation und bestritt im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark (2:1) schon sein 100. A-Länderspiel. Die Aufnahme in diesen von Lothar Matthäus (150 Spiele) angeführten exklusiven Kreis der Rekordnationalspieler krönte Podolski mit seinem 44.Treffer im Trikot mit dem Bundesadler.

FC Arsenal: Nach guter Hinrunde stand der bei den Fans beliebte Neuzugang des FC Arsenal in der Rückserie dann aber nur noch selten in der Startelf von Coach Arsène Wenger. Am Ende standen für ihn 11 Tore in 33 Ligaeinsätzen im Dienste des Premier-League-Vierten zu Buche. Seinem inzwischen zum FC Bergheim 2000 fusionierten Heimatverein ermöglichte der Mäzen Podolski derweil die Modernisierung des inzwischen nach ihm benannten Sportparks. Darüber hinaus engagiert er sich mit seiner 2010 gegründeten Lukas-Podolski-Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche, denen er mit Sport- und Bildungsprojekten helfen will.

WM 2014 - der sportliche Höhepunkt: Podolski wurde Weltmeister in Brasilien. Und feierte das Highlight wie ein kleiner Junge mit seinem Kumpel Bastian Schweinsteiger. Für die beiden Spaßvögel von einst schloss sich damit ein Kreis. Und sie haben geliefert - einen Titel geholt, von dem ihre Generation so lange geträumt hat.

Im Januar 2015 begann eine Serie von Vereinswechseln: Zunächst tauschte Podolski das Trikot von Arsenal auf Leihbasis mit dem von Inter Mailand. Im Juli 2015 wechselte er zum türkischen Erstigisten Galatasaray Istanbul. Im März 2017 gab Lukas Podolski bekannt, am Ende der Saison 2016/17 zum japanischen Erstligisten Vissel Kobe zu wechseln. Als Ablöse sollen die Japaner ca. 2,6 Mio. Euro an Istanbul bezahlen. Seine Karriere in der Nationalelf gab er im August 2016 bekannt.

Stand: 20.03.2017, 20:23

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