BVB-Trainer Tuchel: "Fehler lag nicht im Spielsystem"

BVB-Coach Thomas Tuchel korrigiert nach dem frühen 0:2 seinen Fehler in der Aufstellung: Ousmane Dembelé kommt für Erik Durm.

BVB-Trainer Tuchel: "Fehler lag nicht im Spielsystem"

  • Champions-League-Aus für Dortmund nach 1:3 in Monaco.
  • Trainer nimmt Durm-Einsatz auf seine Kappe.
  • Einen Fehler im Spielsystem sieht Thomas Tuchel nicht.
  • Schon am Samstagabend geht es in Gladbach weiter.

Die Partie im Stade Louis II hatte mit fünfminütiger Verspätung begonnen. Die Polizei hatte den BVB-Mannschaftsbus ohne Angabe von genauen Gründen vom Hotel verspätet losfahren lassen - knapp eine Woche, nachdem vor dem Hinspiel ein Anschlag auf den Mannschaftsbus in Dortmund verübt worden war. Dementsprechend verärgert zeigte sich Trainer Thomas Tuchel: "Alles war bereit für die Abfahrt, es hat sich aber nichts bewegt."

Beklemmendes Gefühl im wartenden Bus

"Auf Nachfrage hat man uns gesagt, es sei aus Sicherheitsgründen. Es war ein beklemmendes Gefühl, das hat man gemerkt. Letztlich hatten wir 1:15 Stunde vor Spielbeginn alle einen Gedanken und dieser Gedanke ging nicht um Fußball", so der Coach. Nach Einschätzung von Verteidiger Marcel Schmelzer hingegen hatte diese Panne aber keinen großen Einfluss auf die Partie: "Ich denke nicht, dass das eine Rolle gespielt hat."

Ähnlich unerfreulich wie die Anfahrt ins Stadion verlief der Start in die Partie. Alle Hoffnungen der Dortmunder auf den vierten Halbfinaleinzug erwiesen sich nach zwei Gegentreffern in den ersten 17 Minuten als Wunschdenken. Beim 1:0 hinderten Lukasz Piszczek und Erik Durm Monaco-Verteidiger Benjamin Mendy nicht am Distanzschuss, BVB-Keeper Roman Bürki wehrte den Ball nach vorne ab und der 18-jährige Kylian Mbappé nutzte den Abpraller.

"Waren zu fehlerhaft in Pass- und Positionsspiel"

"Durch das erste Gegentor war der Glaube ein stückweit dahin", analysierte Tuchel nach der Partie. "Wir waren zu fehlerhaft in unserem Pass- und Positionsspiel. Wir konnten in der zweiten Halbzeit nie nachlegen und mit dem dritten Tor war es dann vorbei. Wir waren heute nicht frei genug, nicht gut genug."

Fehlerhafte Einschätzung bei Durm

Doch auch der Trainer blieb an diesem Abend nicht fehlerlos. Der 43-Jährige brachte überraschend den länger verletzten Erik Durm in der Startelf und ließ wie schon bei den Niederlagen im Hinspiel (2:3) und im Bundesliga-Topspiel bei Bayern München (1:4) mit einer Dreierkette beginnen. Nach den frühen Gegentoren durch Kylian Mbappe (3.) und Radamel Falcao (17.) korrigierte Tuchel sein Personal und System schnell.

"Dass Erik Durm der Leidtragende war, nehme ich auf mich", sagte der Coach nach der Partie. "Ich habe ihm das zugetraut. Er hat nach der Verletzung gut trainiert und einen guten Eindruck gemacht." Da irrte der BVB-Coach. Durm, der zuletzt am 17. März auf dem Platz gestanden hatte und danach aufgrund muskulärer Probleme pausieren musste, bot eine schwache Vorstellung. Beide Gegentore waren über seine Seite eingeleitet worden.

Tuchel sieht keinen Fehler im System

Eine Frage des Systems, das Tuchel nach 27 Minuten mit der Einwechslung von Ousmane Dembele von einem 3-4-2-1 in ein 4-2-3-1 änderte, sei es aber nicht gewesen, wie der BVB-Coach versicherte. "Wir haben mit diesem System sehr gute Spiele auswärts und in der Champions League gemacht", sagte Tuchel. Das stimmt, allerdings präsentierten sich die Schwarz-Gelben in der jüngeren Vergangenheit mit der Viererkette deutlich stabiler.

"Monaco-Spiele nicht zu hoch bewerten"

Bei aller Enttäuschung über den Knockout verzichtete Thomas Tuchel auf Kritik an seiner Mannschaft. "Wir haben uns bis vor acht Tagen komplett bereit gefühlt, dieses Viertelfinale zu gewinnen. Die Vorzeichen haben sich aber auf dramatische Weise geändert", sagte der BVB-Coach mit Bezug auf den Anschlag auf den Teambus vor dem Hinspiel in Dortmund. Mit ernster Miene fügte Tuchel an: "Man muss aufpassen, dass man diese beiden Spiele nicht zu hoch bewertet und die Leistung der Spieler als alleinigen Maßstab nimmt."

Schon am Samstag Duell in Mönchengaldbach

Viel Zeit um das verdiente Aus zu verarbeiten, bleibt den Westfalen nicht. Schon am Samstag (18.30 Uhr) steht das schwere Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach an, das Fernduell um Platz drei gegen 1899 Hoffenheim geht in die nächste Runde. "Für viele von uns war es die erste Saison in der Champions League. Wir müssen daran arbeiten, Konstanz in die Leistungen reinzubekommen. Und dann wollen wir wiederkommen", sagte Kapitän Marcel Schmelzer. Ein Sieg in Gladbach wäre dabei hilfreich.

Stand: 20.04.2017, 10:49