Modeste - in Köln verehrt, in Frankreich verschmäht

Anthony Modeste mit dem Spielball der Partie gegen Berlin

Modeste - in Köln verehrt, in Frankreich verschmäht

  • Modeste ist bester ausländischer Stürmer beim 1. FC Köln.
  • Die "Équipe Tricolore" bleibt für den Franzosen aber vorerst ein Traum.
  • Nationaltrainer Deschamps gibt einem 18-Jährigen den Vorzug.

In Köln ist ein Mann derzeit in aller Munde: Anthony Modeste. Was die Nummer 27 des 1. FC Köln Woche für Woche auf den Bundesliga-Rasen zaubert, ist beeindruckend. 22 Treffer nach 25 Spieltagen - das ist eine Quote, die sich sehen lassen kann. Im Verein hat Modeste nun die 20 Jahre alte Rekordmarke des letzten ausländischen Top-Torjägers geknackt: Sein Namensvetter "Toni" Polster aus Österreich erzielte in der Saison 1996/97 21 Treffer.

Nach seinem Dreierpack beim 4:2 der Kölner gegen Hertha BSC gab es für den französischen Ausnahmestürmer Lob von allen Seiten. "Modeste ist ein unheimlich wichtiger Spieler. Wie er das 2:0 mit seinem schwächeren Fuß macht, das ist einfach Weltklasse. Wir wissen nicht, was wir ohne ihn machen sollten", sagte Torhüter Timo Horn.

Auch FC-Manager Jörg Schmadtke schwärmt im "kicker" von seinem Topstürmer: "Er ist schnell, er ist kopfballstark, er spielt gut mit dem Rücken zum Tor, hat eine gute Technik, kann sich im Eins-gegen-Eins ebenso durchsetzen wie im Strafraumgetümmel. Er kann das alles. Aber wo seine Grenzen sind? Ich weiß es nicht."

Dardai: "Modeste nicht unsere Dimension"

Selbst Hertha-Coach Pal Dardai war schwer beeindruckt von Modestes Drei-Tore-Gala. "Modeste konnten wir nicht halten, seine Geschwindigkeit ist nicht unsere Dimension", sagte der Ungar.

Weniger Eindruck hinterlassen die Leistungen des 28-Jährigen aber offenbar in seinem Heimatland. Denn der zweitbeste Bundesliga-Torschütze wurde erneut nicht für die "Équipe Tricolore" nominiert - obwohl nach der Verbannung von Angreifer Karim Benzema eigentlich Platz wäre für den Kölner.

Frankreichs Trainer Didier Deschamps

Frankreichs Trainer Didier Deschamps verzichtete erneut auf Modeste

Doch Frankreichs Nationalcoach Didier Deschamps setzt neben Antoine Griezmann und Kevin Gameiro weiter auf Olivier Giroud, der beim FC Arsenal überwiegend nur Ersatzspieler ist, und Dortmunds Ousmane Dembélé. Außerdem wurden für das anstehende WM-Qualifikationsspiel gegen Luxemburg (25. März) und den Test gegen Spanien (28. März) der 18-Jährige Überflieger des AS Monaco, Kylian Mbappé, sowie Florian Thauvin (Olympique Marseille) erstmals für den Sturm nominiert.

Équipe Tricolore für den Kölner "ein Traum"

Für Modeste wäre ein Einsatz in der Équipe Tricolore "ein Traum", wie er selbst sagte. Für diesen präsentierte sich der 28-Jährige unlängst sogar im französischen Fernsehen der nationalen Öffentlichkeit in seinem Heimatland. "Ich habe diese Ambitionen. Aber ich weiß auch, dass die Konkurrenz sehr hart ist", äußerte Modeste dabei sogar Verständnis für Deschamps' Entscheidung.

Schmadtke kann das fehlende Standing seines Knipsers bei "Les Bleus" dagegen nicht nachvollziehen. "Wenn ein Stürmer so trifft wie Tony – und das auch noch in einer der stärksten Ligen der Welt - dann sollte man automatisch darüber nachdenken, dass er Thema sein müsste", so der gebürtige Düsseldorfer gegenüber der "Bild". Er könne zwar keine seriöse Aussage zur Lage in der französischen Nationalmannschaft machen, "aber aus unserer Sicht ist es unverständlich und nicht gerechtfertigt", so der FC-Manager.

Letzte Hoffnung: Europa League

Doch Deschamps Augenmerk liegt offenbar mehr auf den Akteuren der internationalen Topklubs – was der 1. FC Köln (noch) nicht ist. Allerdings erscheint zumindest der Kölner Traum von der Europa League mit dem Franzosen in dieser Verfassung immer realistischer. Gelingt das, wird man vielleicht auch in seiner Heimat auf Modeste aufmerksam – bis dahin aber ist der Bundesliga-Toptorjäger nur ein bundesweiter Glücksfall.

Stand: 20.03.2017, 11:31