KFC Uerdingen auf dem Durchmarsch in die 3. Liga?

Freude über die Herbstmeisterschaft: Die Uerdinger Oguzhan Kefir (links), Marcel Reichwein (Mitte) und Kevin Pino Tellez.

KFC Uerdingen auf dem Durchmarsch in die 3. Liga?

  • KFC Uerdingen ist Herbstmeister in der Regionalliga West
  • Nur wenige Tore erzielt, aber sehr wenige kassiert
  • Nächstes Ziel: Aufstieg in 3. Liga

"Ich gratuliere dem KFC zur Meisterschaft": Björn Mehnert leistete sich in der Pressekonferenz nach der 1:2 (0:1)-Niederlage seines Team beim KFC Uerdingen am Freitagabend (10.11.2017) einen kleinen Versprecher, aber möglicherweise hatte der Trainer des SC Wiedenbrück bereits das Rückspiel am letzten Spieltag im Mai in Hinterkopf.

Denn die Bilanz des Aufsteigers zur "Saison-Halbzeit" nach 17 Spieltagen ist beeindruckend. Mit gerade einmal neun Gegentoren und nur einer Niederlage stehen die Krefelder an der Spitze der Fußball-Regionalliga West und sind damit Herbstmeister.

Wiesinger zufrieden mit Entwicklung

Der frühere Bundesliga-Trainer Michael Wiesinger hat es geschafft, trotz zahlreicher Neuzugänge eine schlagkräftige Mannschaft zu formen und sieht sogar noch Luft nach oben. "Wir haben sicher unsere Eingewöhnungszeit gebraucht, haben uns aber immer weiter entwickelt und sind in der Lage, immer noch mehr anzuschieben", so der 44-Jährige.

Grundlage des Erfolgs ist die Defensive, die am Freitag nach mehr als 900 Minuten wieder ein Gegentor hinnehmen musste. Zwar stellt der KFC auf dem Papier mit 19 erzielten Toren die drittschlechteste Offensive der Liga, doch meist reicht dem Team ein einziger Treffer, um die Spiele zu gewinnen: sechs 1:0-Siege gelangen Uerdingen.

Stets knappe Ergebnisse

Der 2:1-Sieg war aber auch das erste Ligaspiel seit Anfang September, in dem der KFC mehr als einen Treffer erzielte. "Ehrlich gesagt hätte in all unseren Liga-Spielen das Pendel auch anders herum ausschlagen können", hatte Wiesinger angesichts der knappen Ergebnisse bereits Mitte der Hinserie gewarnt.

Doch der KFC blieb stabil. "Wir stehen vor einem Kampf in Uerdingen wie Rocky Balboa in Rocky IV gegen Ivan Drago", so SCW-Coach Mehnert vor dem Spiel in der Grotenburg. Im Spielfilm mit US-Star Sylvester Stallone in der Hauptrolle gelingt es Rocky nur mit großer Mühe, die äußerst hart zuschlagende "Kampfmaschine" Drago in die Knie zu zwingen. "Sie waren cleverer und abgezockter", musste Mehnert auch nach der Partie eingestehen.

Mehr Ruhe im Klub

Nach dem Abgang des stets meinungsfreudigen KFC-Bosses Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos im Vorjahr scheint Ruhe in den Klub eingekehrt zu sein. Unter Lakis feierte der KFC zwei Aufstiege, stieg aber auch zweimal ab. Zudem sahen die KFC-Fans 18 Trainer kommen und gehen, zahlreiche Spieler blieben selten länger als eine Spielzeit - darunter etwa der 2009 bereits in die Jahre gekommene Bundesliga-Torschützenkönig Ailton, der den KFC damals aus der sechsten Liga schießen sollte.

Seit Ende Juni 2016 hat der Vorstandsvorsitzende Mikhail Ponomarev das Sagen im Klub. Der russische Geschäftsmann, der sich zuvor beim Eishockeyklub Düsseldorfer EG engagiert hatte ("Die Düsseldorfer EG ist der unprofitabelste Klub in Europa"), gilt als diskret und mischt sich - zumindest in der Öffentlichkeit - selten in Debatten ein.

Ponomarev gibt die Marschrichtung vor

Doch Ponomarev hat wohl klare Vorstellungen davon, wie der KFC erfolgreich sein kann - dies bekam auch Aufstiegstrainer André Pawlak zu spüren. Der erst vor der Spielzeit 2015/16 verpflichtete Coach hatte drei Monate vor Saisonende noch seinen Vertrag verlängert, wurde nach dem Aufstieg aber entlassen. Offenbar hatte Ponomarev Pawlak nicht zugetraut, den Verein auch in die 3. Liga zu führen - wo der KFC laut Ponomarev mindestens hin soll. Er lotste stattdessen den bundesligaerfahrenen Wiesinger in die Seidenstadt.

Auch die Aufstiegsmannschaft wurde zu großen Teilen ausgetauscht. So verließ z.B. Krefelds bester Torschütze Danny Rankl ebenfalls den Klub. 16 Neuzugänge verzeichnete Krefeld vor der Saison, die meisten davon mit Erfahrung in höheren Spielklassen. Für das Tor holte man René Vollath vom Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC, der sich inzwischen als großer Rückhalt erwiesen hat.

Starke Defensivspieler geholt

Und auch die Abwehr, das Prunkstück des aktuellen Teams, wurde namhaft verstärkt: Kapitän Mario Erb (200 Drittligaspiele) und Christopher Schorch (23 Bundesliga- und 74-Drittligaspiele) bilden die Innenverteidigung, für die Außenverteidigerpositionen kamen Christian Dorda (von Drittligist Hansa Rostock) und Alexander Bittroff (von Drittligist Chemnitzer FC). Das Quartett kam in beinahe allen Ligaspielen zum Einsatz. Im Angriff erwiesen sich Marcel Reichwein (193 Drittligaspiele) und der letztjährige RL-Vize-Torschützenkönig Lucas Musculus (kam vom Bonner SC) als effektiv.

Das Geld für den für Regionalligaverhältnisse kostspieligen Kaders kommt dabei offenbar zu großen Teilen von Ponomarev ("Die Regionalliga ist nicht profitabel"), der vor seinem DEG-Zwischenspiel bereits als Investor beim englischen Klub AFC Bournemouth tätig war. "Wir wollen möglichst viel Umsatz mit Fan-Artikeln, Catering und den Eintrittspreisen machen, und den Rest bezahle ich", hatte Ponomarev kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 2016 gesagt.

Meister muss durch die Aufstiegs-Playoffs

Momentan sieht es so aus, als würde sich der KFC im Meisterschaftsrennen einen Zweikampf mit Titelverteidiger Viktoria Köln liefern. Doch auch der in dieser Saison starke SV Rödinghausen könnte noch ein Wörtchen mitreden. Ob Uerdingen im Falle der Meisterschaft auch aufsteigt, ist offen: In den Playoffs um den Aufstieg in die 3. Liga kann der Meister in zwei Partien alles verspielen - so wie Viktoria in der Vorsaison gegen Carl Zeiss Jena (2:3, 1:0). Auch Wiesinger hat bereits schlechte Erfahrungen mit dem Aufstiegsmodus gemacht: Mit der SV Elversberg scheiterte er in der letzten Saison in den Playoffs am FSV Zwickau.

Am Samstag (18.11.2017) trifft der KFC zum Rückrundenauftakt auf den 1. FC Köln II. Dann kommt es zum Wiedersehen mit Andre Pawlak, der die FC-Zweitvertretung seit Anfang Oktober trainiert. Wiesinger warnt nach der Herbstmeisterschaft vor Selbstzufriedenheit: "Es ist wichtig, wie du mit dem Titel umgehst. Für uns heißt das: Noch fleißiger sein, noch einen Schritt mehr machen."

Stand: 11.11.2017, 14:49

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