Amin Younes: "Ich suche die Schuld nie bei anderen"

Amin Younes im Spiel gegen Alkmaar

Amin Younes: "Ich suche die Schuld nie bei anderen"

Im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Schalke 04 war der ehemalige Gladbacher und gebürtige Düsseldorfer Amin Younes einer der Besten bei Ajax Amsterdam. Im Interview spricht er über seine Entwicklung.

Bei Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Kaiserslautern enttäuschte Amin Younes, bei Ajax Amsterdam blüht er nun auf. Mit dem niederländischen Club will der 23-Jährige am Donnerstag (20.04.2017) gegen den FC Schalke 04 den Sprung ins Halbfinale der Europa League schaffen. Im Interview spricht er über seine Entwicklung und seine Zukunftspläne.

Herr Younes, Heiko Westermann hat Sie vor dem Hinspiel als besten Eins-gegen-Eins-Spieler Deutschlands bezeichnet. Wie haben Sie das aufgefasst?

Amin Younes: "Ich habe zu ihm gesagt: Danke Heiko, jetzt muss ich liefern. Aber so habe ich gesehen, dass ich mit solchem Druck umgehen kann. (lacht)"

Schalkes Manager Christian Heidel hat Ihre Entwicklung als beeindruckend gelobt. Gab es viele solcher Reaktionen aus Deutschland?

Younes: "Ja. Wobei ich der Meinung bin, dass ich schon bessere Spiele gezeigt habe und noch besser spielen kann."

Gab es auch schon Kontakt zum Bundestrainer?

Younes: "Nein, bisher nicht. Natürlich wäre die Nationalmannschaft ein Traum."

Sie haben alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen. Wieso sind Sie zwischenzeitlich ein bisschen vom Radar verschwunden?

Younes: "Ich habe mit Emre Can oder Marc-André ter Stegen zusammengespielt. Aber sie haben auch im Verein gespielt. Mir hat diese Bühne leider gefehlt, die ich jetzt seit zwei Jahren in Amsterdam bekomme."

Wurden Sie in Mönchengladbach und vor allem Kaiserslautern verkannt oder waren Sie damals noch nicht so weit?

Younes: "Ich gebe nie anderen die Schuld. Ich bin selbst verantwortlich dafür, was passiert. Aber ich habe aus dieser Zeit sehr viel gelernt, was mir heute hilft."

Wieso läuft es bei Ajax so gut?

Younes: "Ich hatte nach der U21-EM 2015 auch andere Optionen. Aber ich war mir sicher, dass Ajax menschlich und fußballerisch am besten zu mir passt. Ich konnte mich mit der Art des Fußballs sofort identifizieren und habe Vertrauen gespürt."

Das heißt, dass Sie Ajax im Sommer keinesfalls verlassen?

Younes: "Wenn man sich so wohl fühlt und sich mit einer solch tollen, jungen Mannschaft auf einer solch großen Bühne wie im Europa-League-Viertelfinale präsentieren kann, muss man nicht unbedingt weg. Ich konzentriere mich auf unsere sportlichen Ziele, um alles andere kümmert sich sowieso mein Berater."

Welches ist das Traumziel Ihrer Karriere? Zurück in die Bundesliga? Nach England? Nach Spanien?

Younes: "Horst Hrubesch sagt immer: Eine erfolgreiche Karriere ist eine, die man gesund beendet. Das habe ich verinnerlicht. Mein Ziel ist es, mich ständig zu verbessern. Dann kommt alles von selbst."

Welche Rolle spielt Ihr Ex-U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch für Sie?

Younes: "Er bedeutet mir sehr viel. Er war immer für mich da, hat mich immer geschätzt und besser gemacht. Als Fußballer, aber auch charakterlich. Dieser Mann strahlt was aus. Wenn er in den Raum kommt, sind alle ruhig. Bei allen wichtigen Entscheidungen hole ich mir seinen Rat ein. Er ist für mich ein wichtiger Ansprechpartner und Freund geworden."

Sie durften im Sommer nicht zu Olympia, weil Ihr Trainer es verboten hat. Wie haben Sie das verkraftet?

Younes: "Ich hätte das unglaublich gerne gemacht. Es ist immer unglaublich, Deutschland bei einem großen Event zu repräsentieren. Aber es hat leider nicht funktioniert und das hatte ich zu akzeptieren. Der Verein sagte mir, dass er mich dringend für die Champions-League-Quali braucht, weil es dort um viel Geld geht. Und so gebraucht zu werden, ist auch ein schönes Gefühl."

Ajax geht am Donnerstag mit einem 2:0 ins Spiel, das deutlich höher hätte ausfallen können. Sind Sie schon weiter?

Younes: "Unsere Chancen stehen sehr, sehr gut. Aber Heiko und ich warnen die Kollegen schon seit Tagen. Schalke kann über die Europa League die Saison retten. Und sie haben die Qualität, immer zwei Tore zu machen. Doch auch wir sind stark in der Offensive. Seit ich hier bin, waren wir noch in keinem Spiel klar unterlegen."

Zur Person: Amin Younes (23) wurde in Düsseldorf als Sohn eines Libanesen geboren. Er spielte 15 Jahre bei Borussia Mönchengladbach, kam aber nur zu 28 Pflichtspiel-Einsätzen. Ein Leihgeschäft beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern verlief enttäuschend. Seit 2015 sorgt der frühere U21-Nationalspieler bei Ajax Amsterdam für Furore.

dpa | Stand: 19.04.2017, 15:00