FC gegen Belgrad - Zwischen Vorfreude und Frust

FC gegen Belgrad - Zwischen Vorfreude und Frust

Von Volker Schulte

  • Der 1. FC Köln bestreitet erstes Europapokal-Heimspiel seit 25 Jahren.
  • Roter Stern Belgrad ist am Donnerstag um 19 Uhr zu Gast.
  • Für den verletzten Risse hat der FC keinen gleichwertigen Ersatz.
  • Modeste sorgt mit einem Interview für Unruhe.
Peter Stöger, 1. FC Köln

Peter Stöger, 1. FC Köln

Es hätte alles so schön sein können. Nach langer Durststrecke erlebt die Fußballstadt Köln mal wieder einen europäischen Abend, Roter Stern Belgrad ist am Donnerstag (28.09.2017) um 19 Uhr zu Gast. Vor dem 2. Spieltag der Europa League ist bei vielen FC-Fans die Euphorie tatsächlich noch groß - vor allem bei denen, die den emotionsgeladenen Auftakt beim FC Arsenal in London miterlebt haben (1:3). Das Stadion ist selbstverständlich ausverkauft, mit Sitzschalen auf der Südtribüne passen noch 46.000 Zuschauer in die ansonsten 50.000 Zuschauer fassende Kölner Arena.

Doch bei nüchterner Betrachtung hat der FC wichtigere Baustellen als das sportliche Abschneiden gegen Belgrad. Damit sind weniger die Sicherheitsbedenken angesichts der erwarteten serbischen und kölschen Hooligans gemeint, sondern vor allem die Lage in der Bundesliga. Trotz des 0:0 am Sonntag in Hannover bleibt die Situation prekär: Mit nur einem Punkt und 1:13 Toren aus sechs Spielen müssen sich die Kölner auf einen harten Abstiegskampf gefasst machen. Die personelle Lage macht wenig Hoffnung auf baldige Besserung. Nach Leistungsträger Jonas Hector (Syndesmoseriss) fällt nun auch Marcel Risse langfristig aus. Der Mittelfeldspieler ist am Meniskus operiert worden.

Schmadtke hatte Außenstürmer im Visier

Angesichts der Formschwäche von Christian Clemens fehlt ein adäquater Ersatz für Risse - das ist Jörg Schmadtke offenbar schon länger bewusst. Auf der Jahreshauptversammlung am Montag verriet der Manager, dass er im Sommer noch einen Außenstürmer hatte verpflichten wollen. "Den Transfer umzusetzen, ist uns am Ende aber nicht gelungen."

Auch Anthony Modeste beschäftigt den FC immer noch - auch weil der 25-Tore-Stürmer der "Sport Bild" ein Interview gegeben hat. Darin bekräftigte Modeste, dass er im Sommer gerne in Köln geblieben wäre - allerdings für mehr Geld. Doch der FC habe angesichts des lukrativen Angebots aus Tianjin nicht mehr verhandeln wollen.

Stürmerflaute und Pizarro

Die Kölner werden sicher bei ihrer Version bleiben, dass Modestes Berater den Wechsel nach China vorangetrieben hätten. Aber Stand jetzt war die größte Transfereinnahme der Klubgeschichte (rund 35 Millionen Euro) eher Fluch als Segen. Denn Modestes Nachfolger Jhon Cordoba, für erstaunliche 16 Millionen Euro aus Mainz geholt, hat noch nicht eingeschlagen, neben ihm schwächelt auch Yuya Osako. Sehrou Guirassy ist in seinem zweiten Jahr beim FC immer noch keine Startelf-Alternative, - also haben die Kölner ein Sturmproblem. Den bisher einzigen Treffer in sechs Bundesligaspielen hat Innenverteidiger Frederik Sörensen erzielt.

Kein Wunder, dass über Nachbesserungen spekuliert wird: Der "Express" berichtet über ein Kölner Interesse an Claudio Pizarro. Die Idee liegt nahe: Pizarro ist vereinslos, hat seine Torjägerqualitäten oft genug bewiesen und hält sich derzeit in London fit. Er wäre eine Persönlichkeit, an dem sich die derzeit verunsicherten Spieler orientieren könnten. Ob Pizarro mit seinen 38 Jahren aber auch eine sportliche Verstärkung wäre, ist fraglich.

Schmadtke setzt auf die Helden der Vorsaison

Ohnehin appellierte Schmadtke bei der Jahreshauptversammlung daran, dem aktuellen Kader Vertrauen zu schenken. Im Vergleich zur so erfolgreichen Vorsaison fehle lediglich ein Stammspieler. "Sollen wir diese Jungs alle wegschicken? Ist das nicht mehr eure Mannschaft?"

Der FC setzt weiter darauf, was ihn in den vergangenen Jahren stark gemacht hat: den Zusammenhalt, auch zwischen der Mannschaft und dem Trainerteam um Peter Stöger. Nicht nur für die Fans geht mit der Europa League ein Traum in Erfüllung - auch die Spieler fiebern den Auftritten entgegen, sie erhalten die Belohnung für die herausragende Vorsaison. Deshalb könnten Spiele wie das gegen Belgrad auch eine Gelegenheit sein, sich Selbstvertrauen zurückzuholen.

Belgrad hat einen Lauf

Im ersten Gruppenspiel hat Belgrad 1:1 gegen BATE Borissow gespielt. In der serbischen Liga läuft es besser: Nach zehn Spieltagen ist die Mannschaft von Trainer Vladan Milojevic mit neun Siegen, einem Remis und 24:1 Toren Tabellenführer.

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