BVB-Niederlage - Kann Bosz auch Champions League?

BVB-Trainer Peter Bosz

BVB-Niederlage - Kann Bosz auch Champions League?

Nach der verdienten Niederlage gegen Real Madrid steht die Taktik von Peter Bosz im Fokus. Der BVB-Trainer ließ sein Team erneut mutig angreifen - und damit ins offene Messer laufen.

Gegen Real Madrid, den Titelverterteidiger, die vielleicht beste Mannschaft der jüngsten Zeit, darf man mal verlieren - auch Borussia Dortmund. Trotzdem wirft die 1:3 (0:1)-Niederlage vom Dienstagabend (27.09.2017) Fragen auf: War Bosz mit seiner Taktik zu naiv? Hat er überhaupt einen Plan B?

Der BVB hatte Real sechsmal in der Champions League zu Hause empfangen und noch nie verloren. Am Dienstag aber hätte die Niederlage durchaus auch noch höher ausfallen können. "Wenn wir heute fünf oder sechs Tore machen, dann haben wir immer noch nicht alle Chancen genutzt", sagte Reals Toni Kroos bei "Sky". "Wir hatten große Räume und müssen daraus eigentlich mehr Tore machen."

Zidane war vorbereitet

Madrids Trainer Zinedine Zidane analysierte die Partie so: "Wir haben die Borussia sehr genau beobachtet. Sie haben gespielt wie üblich zu Hause: sehr offen. Sie haben gedacht, dass wir damit Schwierigkeiten bekommen könnten. Aber wir haben uns sehr gut darauf eingestellt."

Tatsächlich nutzte Real, im Mittelfeld gespickt mit Passkünstlern wie Kroos und Luca Modric, die Lücken in der BVB-Defensive perfekt. Die Ausnahme-Angreifer Gareth Bale (18.) und Cristiano Ronaldo (49./79.) sorgten für die Treffer. "Wir haben unseren Stil, den wir auch in der Liga durchziehen", sagte BVB-Torwart Roman Bürki. "Heute haben wir die Grenzen aufgezeigt bekommen, Real war das bessere Team. Bei uns ist einiges schief gelaufen."

Auch Bosz selbst bilanzierte, sein Team habe schlecht verteidigt. "Wir kamen überall zu spät. Das war nicht das Dortmund-Niveau." Damit spielt er wohl auf die Erfahrungen aus der Bundesliga an: Dort hat der BVB von sechs Spielen fünf gewonnen, dabei erst einen Gegentreffer kassiert - der beste Saisonstart der Dortmunder Vereinsgeschichte.

Ähnlich wie bei den Hotspurs

Dem entgegen steht der schlechteste Champions-League-Auftakt der Klubgeschichte. Das erste Spiel hatte der BVB bei Tottenham Hotspur ebenfalls mit 1:3 verloren. Damals klang Bosz' Analyse ähnlich: Zu Beginn habe sein Team sehr dominant gespielt, mit gutem Fußball. "Aber wenn man so spielt - und so spielen wir auch in der Bundesliga - sind die Räume hinter der Verteidigung groß. Die muss man verteidigen, aber heute haben wir zweimal nicht gut aufgepasst."

Jetzt liegt es an Bosz zu analysieren, ob tatsächlich situative Abwehrfehler zu den beiden Niederlagen geführt haben oder ob seine offensiv-aggressive Taktik einfach nicht die richtige ist für Spitzenteams wie Tottenham oder Real. Die Lage ist jedenfalls kritisch: Wenn der BVB ins Achtelfinale einziehen will, muss er sich in den Rückspielen anders auftreten. Für Bosz ist es die Reifeprüfung in seiner ersten Saison in Dortmund.

vs/dpa/sid | Stand: 27.09.2017, 09:56